Die europäische Solarindustrie hat die EU davor gewarnt, Zölle auf Importe zu erheben. Sie befürchtet, dass eine Unterbrechung der Lieferungen von Produkten aus China Europas rasche Umsetzung der Energiewende ernsthaft beeinträchtigen würde.
Der Appell erfolgte angesichts der Tatsache, dass Brüssel und die europäischen Regierungen ein härteres Vorgehen gegen Importe in Erwägung ziehen. Sie wollen die Produktion umweltfreundlicher Technologien in Europa ausbauen und die Abhängigkeit von China bei Produkten, die für die Klimawende benötigt werden, verringern.
Die Europäische Kommission hat in diesem Monat eine Untersuchung eingeleitet, die zur Einführung von Zöllen führen könnte, um die EU-Hersteller vor billigeren chinesischen Importen von Elektrofahrzeugen zu schützen.
Laut einem Regierungsdokument, das Reuters vorliegt, prüft Deutschland unterdessen die Einführung von Handelsschutzmaßnahmen, um lokale Solarhersteller vor dem globalen Preisverfall zu schützen.
„Zölle sind keine gute Antwort auf die aktuellen Herausforderungen in der europäischen Solarindustrie“, sagte Gunter Erfurt, Vorstandsmitglied des Branchenvertreters SolarPower Europe, zu dem Hersteller, Großabnehmer und Installationsunternehmen gehören.
„Anstatt die gesamte Branche durch Zölle zu sanktionieren, müssen wir Anreize für Solaranlagen schaffen, die aus einer soliden europäischen Solarproduktion stammen. Auf diese Weise kann der Einsatz von Solarenergie ungestört fortgesetzt werden, während die europäische Solarproduktion stetig wachsen kann“, sagte Erfurt, Geschäftsführer des Schweizer Solarzellenherstellers Meyer Burger.
„Strategie der Verlierer“
In einer Erklärung bezeichnete SolarPower Europe Handelsbeschränkungen für die Solarbranche als „eine Strategie der Verlierer“ und forderte stattdessen, das Wachstum lokaler Hersteller zu fördern. Beispielsweise durch bessere Unterstützung lokaler Fabriken im Rahmen der EU-Vorschriften für staatliche Beihilfen.
SolarPower Europe hat China nicht ausdrücklich erwähnt.
Nach Angaben der Europäischen Kommission bezieht die EU mehr als 90 Prozent mancher Komponenten für Solarmodule aus China.
Die europäischen Produzenten haben sich über eine „Flut“ chinesischer Solarmodule auf dem europäischen Markt beklagt, die zu Preisen unter den Herstellungskosten angeboten werden und sie zwingen, ihre eigenen Preise zu senken.
Die Industrie befürchtet jedoch, dass eine Beschränkung der chinesischen Lieferungen zu einer Wiederholung der Ereignisse zwischen 2013 und 2018 führen würde, als die Installation von Solaranlagen in Europa vorübergehend zurückging und die EU die Schutzzölle auf chinesische Solarmodule und -zellen erlassen hatte.
Im vergangenen Jahr wurde in der EU eine Rekordmenge von 40 Gigawatt installiert.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]



