Europäische Grüne: Solidaritätskampagne für türkischen Journalisten

Nach Präsident Recep Tayyip Erdogan geht auch das Militär in der Türkei gegen regierungskritische Presse vor. [Deniz Toprak/dpa]

Grüne EU-Abgeordnete solidarisieren sich mit einem inhaftierten türkischen
Karikaturisten. Auch Reporter ohne Grenzen startet eine Kampagne für Journalisten.

Die Grünen im Europaparlament haben am Mittwoch eine Solidaritätskampagne für einen in der Türkei inhaftierten Journalisten gestartet. Wie eine Mitarbeiterin der Fraktion am Mittwoch bestätigte, sandten sie einen offenen Brief an den Karikaturisten Musa Kart, der bis zu seiner Festnahme für die linksliberale Zeitung „Cumhuriyet“ gezeichnet hat.

Sie folgten damit einem Aufruf der Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“. Nach deren Angaben wollen sich die Sozialdemokraten und die Linksfraktion im Europaparlament der Initiative anschließen, indem sie ebenfalls offene Briefe an inhaftierte türkische Journalisten senden.

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Veröffentlichung in der der Zeitung „Cumhuriyet“ geplant

Der Journalistenorganisation zufolge sollen die Briefe von der Zeitung „Cumhuriyet“ veröffentlicht werden.

Deren Redaktion ist von dem harten Vorgehen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan gegen Medien besonders betroffen. Ihr früherer Chefredakteur Can Dündar ist wegen einer drohenden Inhaftierung geflüchtet und lebt derzeit in Deutschland im Exil.

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„Halten Sie durch“, heißt es in dem Schreiben an Musa Kart, der für seine wenig schmeichelhaften Karikaturen Erdogans bekannt ist. „Mit diesem Brief wollen wir Ihnen unsere Solidarität bekunden und Sie daran erinnern, dass Sie nicht alleine sind.“ Der scharfe Blick des Karikaturisten fehle gerade in einem Moment, in dem sich die Türkei in einen autoritären Staat zu verwandeln drohe. Unterzeichnet wurde das Schreiben von den beiden Ko-Vorsitzenden der Fraktion, der Deutschen Ska Keller und dem Belgier Philippe Lamberts.

Seit dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli vergangenen Jahres wurden in der Türkei nach einer Aufstellung von Journalistenverbänden mehr als hundert Journalisten inhaftiert, rund 170 Medienunternehmen geschlossen und 775 Presseausweise für ungültig erklärt. Am 16. April sind die türkischen Wähler aufgerufen, in einem Referendum über eine Verfassungsreform zu entscheiden. Deren Ziel ist es, die Machtbefugnisse des Präsidenten stark auszuweiten.

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