Europa und die verfolgten Christen im Nahen Osten

Christentum und Islam - beides kann nebeneinander existieren.

Christentum und Islam - beides kann nebeneinander existieren. [ David Evers/Flickr]

Die verfolgten Christen im Nahen Osten verdienen mehr Aufmerksamkeit und Hilfe von Europa, fordert ein österreichischer Theologe.

Die jüngsten Terroranschläge auf koptische Kirchen in Ägypten haben wieder einmal das Augenmerk auf verfolgte Christen gerichtet. Das trifft nicht nur auf Ägypten, sondern insbesondere auch auf Syrien zu. Beträgt der Anteil der Christen im Land am Nil rund 10 Prozent, so lag dieser noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Syrien bei knapp 30 Prozent, ist aber seither deutlich zurückgegangen. Allein seit Kriegsbeginn flohen 500.000 Christliche aus dem Land, sodass deren Anteil an der Gesamtbevölkerung ebenfalls nur noch bei zehn Prozent liegen dürfte.

Heute sind die Christen in dieser Region immer wieder das Ziel von Angriffen islamistischer Extremisten. Was auch zur Folge hat, dass die christlichen Gemeinden dem Assad-Regime bislang immer wohlwollend gegenüberstanden, nachdem die von der Baath-Partei dominierte Regierung Christen nicht diskriminierte sondern sie gesellschaftlich sogar voll akzeptiert hatte.

Inzwischen sind sie aber vor allem das Ziel des IS-Terrors geworden. Der österreichische Theologe Franz Schlegl fordert daher im Gespräch mit EurActiv.de, dass sich Europa mehr als bisher gerade auch dieser Bevölkerungsgruppe annehmen müsse: „Besonders tragisch finde ich es, dass so wenig für verfolgte Christen aus dem Orient getan wird, die ganz besonders unter den kriegerischen Zuständen und dem Terror islamistischer Gruppen leiden.“

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Ein Signal setzen will Papst Franziskus mit seinem Ägyptenbesuch Ende April. Jetzt nach den Terrorattacken erst recht, lautet die Devise. Der Papst, so Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, werde eine politische Botschaft im Gepäck haben. Diese Botschaft lautet: „Ja, es ist möglich zusammenzuleben. Christen und Muslime können zusammenleben – und zwar, wenn alle gleichberechtigt als Staatsbürger anerkannt werden“. Man sei „nicht Gläubiger oder Bürger, sondern Gläubiger und Bürger“, und jeder könne bei dieser Sichtweise das Seine zur Gesellschaft beitragen.

Athen-Rom-Jerusalem: Die drei Säulen Europas

Dies gelte, so Schlegl, auch für Europa. Es wäre durchaus an der Zeit, dass sich die Europäische Union wieder ihrer eigenen gesellschaftlichen Wurzeln stärker bewusst wird: „Ich darf nur auf die drei Hügel auf denen Europa erbaut ist, hinweisen: Athen (Philosophie und Menschenbild), Rom (römisches Rechtsdenken) und Jerusalem (Golgota und damit die Geburtsstunde des Christentums). Ohne diese drei Säulen lässt sich weder ein Sozialstaat, noch ein wirklich demokratisches System aufbauen“.

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Der in Wien tätige Theologe und bekannte Dom-Prediger wünscht sich daher, dass sollte die Diskussion über eine EU-Verfassung wieder aufgegriffen werden, auch die Verankerung des Gottesbegriffs auf die Tagesordnung kommt. Denn: „Man muss sich die Geschichte dieses Kontinents nur vorhalten, um zu begreifen, dass Europa ohne Kirchengeschichte, die vielen von der Kirche gegründeten und geführten Schulen, Universitäten und insbesondere die Klöster als nicht nur sakrale sondern auch geistige Lebensstätten nicht denkbar wäre.“

Die von den rechtspopulistischen Parteien geschürte Angst, dass Europa, also das so genannte Abendland aufgrund der Zuwanderung bald zum Morgenland werden könnte, teilt Schlegl allerdings nicht: „Rein statistisch gesehen ist das nicht zu erwarten, aber es existieren bereits Parallelgesellschaften, etwa in Deutschland. Ja, es gab sogar schon Gerichtsurteile, die die Scharia berücksichtigen haben.“

Im Rahmen seiner pädagogischen Tätigkeit merke er, dass die Kinder gebildeter Moslems meistens vom islamischen Religionsunterricht abgemeldet sind, so Schlegl. Das Problem sei jedoch, dass hauptsächlich die so genannten unteren, wenig gebildeten Schichten auch am Islam-Unterricht vom Kindergarten bis zur Grundschule teilnehmen. „Und gerade diese Bevölkerungsgruppe, die die überwiegende Mehrheit stellt, ist besonders ideologieanfällig“.

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