EU zum Konflikt in Bergkarabach: „Ausländische Einmischung inakzeptabel“

Nationalistische Aserbaidschaner und Türken tragen ihre Nationalflaggen und rufen Parolen gegen Armenien vor der Universität von Istanbul, 19. Juli 2020. EPA-EFE/SEDAT SUNA [Sedat Suna/EPA/EFE]

Die Europäische Union hat Regionalmächte im Kaukasus am Montag ermahnt, sich von erneuten Auseinandersetzungen in Bergkarabach fernzuhalten. Man verurteile die „Eskalation“, die „schwerwiegende Folgen für die regionale Stabilität“ haben könnte.

Auf Nachfrage von EURACTIV.com sagte der außenpolitische Sprecher der EU, Peter Stano, heute, Brüssel könne Berichte über die potenzielle Einmischung externer Kräfte in den Konflikt zwar nicht bestätigen; er fügte aber hinzu: „Eine äußere Einmischung in diesen Konflikt ist inakzeptabel.“

Aserbaidschanische und armenische Streitkräfte kämpften am Montag einen zweiten Tag in Folge, nachdem bereits am Sonntag zahlreiche Menschen getötet worden waren: Aserbaidschanische Quellen sprachen von 500 gefallenen armenischen Soldaten, während es aus Jerewan hieß, mindestens 200 Mitglieder der aserbaidschanischen Armee seien getötet worden.

Die Kämpfe brachen am Sonntag entlang der Frontlinien in Bergkarabach aus, einem Gebiet, das rechtlich zu Aserbaidschan gehört, de facto jedoch von Armenien kontrolliert wird. Die selbst ausgerufene Republik Bergkarabach ist international nicht anerkannt.

Armeniens Premier: "Wir wollen dauerhaften Frieden in Bergkarabach"

Die frostigen Beziehungen Armeniens zu Aserbaidschan beginnen etwas aufzutauen, seit Nikol Paschinjan im vergangenen Jahr erfolgreich eine friedliche Revolution in der Kaukasusrepublik führte.

„Niemand sollte daran interessiert sein, und niemand wird von einem ausbrechenden Krieg profitieren. Wir wollen das verhindern,“ erklärte Stano heute.

Die Türkei und Pakistan haben bereits zuvor ihre Unterstützung für Aserbaidschan zum Ausdruck gebracht, während Armenien auf seinen russischen Verbündeten zählt. Stano betonte daher: „Wir fordern als EU, als internationale Gemeinschaft, alle beteiligten Akteure auf, [die Kriegshandlungen] unverzüglich einzustellen; sowie alle anderen Akteure in der Region, dazu beizutragen, dass die Konfrontationen beendet werden.“

Obgleich überwiegend muslimisch, ist Aserbaidschan darauf bedacht, ausländischen Versuchen, den Dschihad zu importieren, entgegenzuwirken. In den sozialen Medien tobt derweil ein Informationskrieg, wobei einige Videos darauf hindeuten, dass sich Dschihadisten – eher überraschend – den armenischen Truppen angeschlossen haben könnten. Inwiefern dies der Wahrheit entspricht, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht feststellbar.

Stano machte in dieser Hinsicht ebenfalls deutlich, es sei aus Brüssel schwierig, derartige Aussagen und Berichte zu verifizieren.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

Botschafter: "Fake News über Aserbaidschan sind zum Scheitern verurteilt"

Aserbaidschans Botschafter in Belgien, Fuad Isgandarow, spricht im Interview über die Beziehungen mit dem Iran, den Machtwechsel in Armenien, die Menschenrechtssituation in Aserbaidschan sowie die zukünftigen Beziehungen zur EU.

Balanceakt zwischen Russland und Europa

Kaum ein Land hat sich politisch und wirtschaftlich so eng an Russland gebunden, wie Armenien. Ein neues Abkommen soll die kleine Binnenrepublik im Kaukasus näher an die EU heranführen.

Erweiterungs- und Ostpolitik im Herbst: Reformen und Wahlen

Einige Staaten auf dem Westbalkan könnten diesen Herbst möglicherweise Fortschritte beim Thema EU-Beitritt erzielen. Im Rahmen der Östlichen Partnerschaft sorgt sich die EU derweil um Belarus sowie die weiterhin kritische Lage in der (Ost-) Ukraine.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN