EU und Afrika wollen Opfer von Menschenhändlern aus Libyen herausholen

Für viele Afrikaner endet die Flucht in libyschen Flüchtlingslagern mit katastrophalen Zuständen. [shutterstock]

This article is part of our special report EU-Afrika-Gipfel: Fokus auf Jugend, Sicherheit und Investitionen.

Angesichts der menschenverachtenden Zustände in libyschen Flüchtlingslagern und Vorwürfen des Sklavenhandels hat eine Reihe von Ländern beim EU-Afrika-Gipfel beschlossen, die Opfer von Menschenhändlern aus dem Land herauszuholen.

Die „Notfall-Evakuierungen“ sollten in den „kommenden Tagen oder Wochen stattfinden“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Mittwochabend. Zudem solle die Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten verstärkt werden, um gegen Schlepperbanden vorzugehen.

Beim EU-Afrika-Gipfel hatten sich Vertreter von Europäischer und Afrikanischer Union (AU) am Mittwoch schockiert über Berichte gezeigt, wonach in Libyen Flüchtlinge als Sklaven verkauft werden. Der US-Fernsehsender CNN hatte Mitte November ein Video veröffentlicht, das eine Versteigerung von Migranten an nordafrikanische Käufer zeigen soll. Hilfsorganisationen berichten schon länger über Misshandlungen, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit von Flüchtlingen in Libyen. Das Thema dominiert den EU-Afrika-Gipfel, der heute zu Ende geht.

Das Gegenteil von Liebe

Mit ihrer Afrika-Politik schafft und verschärft die EU Probleme, die sie zu lösen vorgibt, meint Andrea Dernbach.

Der Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, sprach als Gastgeber des Gipfels von einer „schändlichen“ und „vollkommen inakzeptablen Situation“. Sie erinnere „an die schlimmsten Stunden der Menschheitsgeschichte“.

Macron zufolge nahmen an einer Dringlichkeitssitzung zu den Zuständen in Libyen Vertreter von EU, Afrikanischer Union, UNO und mehreren afrikanischen und europäischen Ländern teil, darunter Deutschland. Libyen habe zugesagt, die Lager zu identifizieren, in denen sich „barbarische Szenen“ abgespielt hätten und den Zugang zu ermöglichen.

EU, AU und UNO hatten bereits am gestrigen Mittwoch angekündigt, ihre Zusammenarbeit beim Schutz der Flüchtlinge vor allem in Libyen zu verstärken. Erfolgen soll dies einerseits über die „beschleunigte“ Rückführung von Migranten in ihre Heimatländer auf freiwilliger Basis, hieß es. Flüchtlinge, die internationalen Schutz brauchten, sollten über Umsiedlungen in sichere Staaten gebracht werden.

Aufgebaut werde dabei auf Rückkehrprogramme der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mit EU-Finanzierung. Über diese seien seit Jahresbeginn schon 13.000 Flüchtlinge freiwillig in ihre Ursprungsländer zurückgekehrt.

Libyen ist das Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. In diesem Jahr erreichten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bereits 137.000 Menschen über Nordafrika Italien und Spanien. Die meisten kamen über Libyen, wo die Zentralregierung keine Kontrolle über weite Teile des Landes hat. In vielen Gebieten haben bewaffnete Milizen das Sagen und verdienen vielfach auch am Schleusergeschäft mit.