EU soll mehr für den Urwaldschutz tun

Insbesondere Palmöl, das auch für Biokraftstoffe verwendet wird, stellt eine Bedrohung für die Urwälder und die lokalen/indigenen Bevölkerungen dar. [2seven9/Shutterstock]

Waldnationen fordern die EU auf, die Kontrolle der Lieferketten für Produkte, die zu Entwaldung führen – wie Palmöl oder Kakao – zu verstärken. EURACTIV.fr berichtet.

Am 15. Februar kamen 14 indigene Führer und Menschenrechtsverteidiger aus Ländern mit Urwäldern in Amsterdam zusammen, um der Veröffentlichung eines Berichts über Entwaldung und Rechtsverletzungen beizuwohnen.

Der von der NGO Forest Peoples Programme vorgestellte Bericht hebt die vielfältigen Gefahren hervor, die der internationale Handel mit Holz- und anderen Waldprodukten für die Urwälder und ihre Bewohner mit sich bringt.

Zum Abschluss eines dreitägigen Forums über nachhaltigen Handel, indigene Völker und Menschenrechte sowie Entwaldung warnte eine Delegation von 11 Waldnationen die EU und ihre Mitgliedstaaten davor, dass im globalen Handelssystem – unter Verletzung der Verpflichtungen, die auf beiden Seiten der Lieferkette eingegangen wurden – weiterhin Güter produziert und verkauft werden, die „das Leben und die Lebensgrundlagen der Waldvölker in Waldländern zerstören“.

Die Delegation bestand aus Vertretern aus Kolumbien, Peru, Paraguay, Guyana, Suriname, Argentinien, Liberia, Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo, Malaysia und Indonesien.

Illegaler Kakaoanbau zerstört die Wälder der Elfenbeinküste

Kakao, das „braune Gold“ der Elfenbeinküste, zerstört nach und nach die Nationalparks und geschützten Wälder des Landes.

Die Vertreter erklärten, dass in ihren Ländern „unsere Völker zunehmend der Gefahr ausgesetzt sind, von ihrem Territorium vertrieben und von Handlangern internationaler Handelsinteressen missbraucht und ermordet zu werden.“

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gingen zwischen 2010 und 2015 jedes Jahr 8,8 Millionen Hektar Naturwald verloren – eine Fläche, die in etwa der Größe Schwedens entspricht.

Palmöl

Die Palmölproduktion wird 2018 ein nie dagewesenes Niveau erreichen. Das Öl, das auch für die Herstellung von Biokraftstoffen verwendet wird, wird vor allem von jenen kritisiert, die sich gegen die Verwendung einer Nahrungsmittelpflanze als Kraftstoff aussprechen und auf ihre erheblichen Auswirkungen auf die lokale Forstwirtschaft hinweisen.

In Ländern wie Indonesien und Malaysia ist Palmöl ein wichtiges Exportgut. Auch in Afrika und in Lateinamerika, insbesondere Brasilien, macht das Öl einen deutlich steigenden Anteil der Exporte aus.

Die Produktion von Palmöl führt zu einer intensiven Entwaldung mit dramatischen Folgen für den Klimawandel, den Schutz von Wildtieren und die Rechte der lokalen Bevölkerung, die allzu oft vertrieben oder Opfer von Gewalt werden, wenn sie sich den kommerziellen Interessen großer Konzerne widersetzen.

EU verbannt Palmöl aus dem Tank

Das EU-Parlament will die Nutzung von Palmöl als Biokraftstoff ab 2021 verbieten. In Malaysia löste der Beschluss heftige Proteste aus.

Das Europäische Parlament hat kürzlich beschlossen, die Verwendung von Palmöl in Kraftstoffen zu verbieten. Damit handelte es sich jedoch Ärger mit den Exportländern ein, die damit drohten, den Fall an die WTO zu verweisen.

Laut einer aktuellen Studie der Rainforest Foundation Norway würde ohne dieses Palmöl-Verbot die Nachfrage zu „zusätzlichen 4,5 Millionen Hektar Abholzung führen“. Das entspricht einen Gebiet von der Größe der Niederlande.

„Eine Lösung wäre, dass die EU und die Mitgliedstaaten verbindliche Richtlinien erlassen und freiwillige Warenzertifizierungssysteme stärken, um Gemeinden und Wälder, die von der Entwicklung der Agrarwirtschaft und dem Handel mit Konfliktrohstoffen betroffen sind, besser zu schützen,“ sagte Mina Bayan von der Organisation Social Entrepreneurs for Sustainable Development (SESDev) aus Liberia.

Noch immer kein Aktionsplan aus Europa

In einer Zeit, in der die EU Handelsabkommen mit einer ganzen Reihe von Ländern aushandelt, werden immer häufiger Forderungen nach einer Überprüfung der EU-Handelspolitik laut: Diese müsse enger an die Verpflichtungen des Blocks in den Bereichen Klimawandel und Menschenrechte angepasst werden.

Die EU-Kommission wird in den kommenden Wochen bekannt geben, ob sie einen Aktionsplan zur Entwaldung ausarbeiten wird oder nicht.

Die Entscheidung hat lange auf sich warten lassen: Der EU-Rat und das Parlament hatten bereits 2013 einen Aktionsplan gefordert. Anfang 2017 mussten die Parlamentsabgeordneten die Europäische Kommission auffordern, sich endlich mit dem Thema zu befassen.

Eine Machbarkeitsstudie soll inzwischen abgeschlossen sein. Bisher wurde sie aber noch nicht veröffentlicht – trotz Aufforderungen von NGOs und sogar von einigen Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. Diese Staaten hatten 2015 beschlossen, auf eine „Beseitigung der Entwaldung und Abholzung aus den landwirtschaftlichen Lieferketten der europäischen Länder“ hinzuarbeiten.

Eine Quelle innerhalb der Kommission teilte EURACTIV jedoch bereits mit, es sei unwahrscheinlich, dass ein Aktionsplan in diesem Jahr veröffentlicht werde.

Europas Wälder und Strategien gegen den Klimawandel

Rund 40 Prozent der Landfläche der EU sind mit Wald bedeckt. Die Frage ist: Können Europas Wälder den Klimwandel abschwächen?

Subscribe to our newsletters

Subscribe