EU-Satellitenstart vom US-Territorium aus: EU genehmigt einmalige Ausnahme

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Die EU-Staaten haben sich auf der Grundlage eines internationalen Abkommens mit Washington, das strenge Sicherheitsanforderungen festlegt, dafür entschieden, mit Elon Musks amerikanischem Privatunternehmen SpaceX vom US-amerikanischen Territorium aus zu starten. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Die EU hat am Dienstag (19. März) eingewilligt, dass die europäischen Galileo-Satelliten von US-amerikanischem Territorium aus ins All gebracht werden. Mit dieser außergewöhnlichen Maßnahme versucht man, das europäische Raumfahrtprogramm noch zu retten.

Der Start der nächsten Serie von Galileo-Navigations-Satelliten, die als „europäisches GPS“ bezeichnet werden, soll noch vor dem Sommer erfolgen, um das Programm nicht zu gefährden. Damit endet eine zweijährige Verzögerung und vorerst der Traum eines unabhängigen Zugangs der Europäer zum Weltraum.

Wie Euractiv Anfang des Monats berichtete, haben sich die EU-Staaten auf der Grundlage eines internationalen Abkommens mit Washington, das strenge Sicherheitsanforderungen festlegt, dafür entschieden, mit Elon Musks amerikanischem Privatunternehmen SpaceX vom US-amerikanischen Territorium aus zu starten.

Euractiv geht davon aus, dass das Abkommen Anfang nächster Woche formell unterzeichnet werden soll.

Die Ankündigung ist ein Rückschlag für das Bestreben der EU, ihre „strategische Autonomie“ zu stärken und die Abhängigkeit von dritten Partnern in strategischen Angelegenheiten, wie der Raumfahrt, zu vermeiden. Zudem erhöht sie den Druck auf die europäischen Hersteller der Ariane 6, eine „souveräne“ Lösung für eine langfristige Herausforderung zu finden.

Sie verdeutlicht auch die Bemühungen der EU, sich einen unabhängigen Zugang zum Weltraum zu sichern. Schließlich strebt die EU danach, eine größere Rolle in diesem umkämpften Gebiet zu werden. Große globale Akteure und Konkurrenten wie China, Russland und Indien machen ihre Präsenz bereits deutlich und diktieren damit ihre eigenen Regeln.

Laut Politico beläuft sich das Abkommen über den Start der Satelliten durch SpaceX auf 180 Millionen Euro. Dieser Betrag sollte ursprünglich der europäischen Industrie zugutekommen.

Nach Verzögerung: Erstflug der europäischen Ariane-6-Rakete im Sommer

Nach fast drei Jahren Verzögerung ist der erste Flug der europäischen Weltraumrakete der neuesten Generation, Ariane-6, nun für den Sommer geplant, sagte der Chef der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Josef Aschbacher am Donnerstag (11. Januar).

Einen vorübergehenden Bedarf decken

Die Zeit drängt, um die Kontinuität eines Navigationsdienstes zu gewährleisten, der von Milliarden von Bürgern und Militärs in Europa und über die Grenzen der EU hinaus genutzt wird.

Russlands Vergeltungsmaßnahmen für die EU-Sanktionen haben dazu geführt, dass die EU keine russischen Sojus-Raketen nutzen kann. Außerdem haben Verzögerungen bei der Produktion der in der EU hergestellten Ariane-6-Trägerrakete dazu geführt, dass die europäischen Satelliten jahrelang nicht starten konnten.

Der Erstflug der europäischen Rakete ist für den Sommer geplant.

In der Zwischenzeit hatten die Kommission und die EU-Staaten keine andere Möglichkeit, als einen Start von den USA aus zu organisieren, um das Programm zu retten, heißt es in dem Abkommen.

„Es ist wichtig, dass die Wahl einer US-Trägerrakete einen vorübergehenden Bedarf aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit der Ariane 6 deckt. Wir hoffen, dass [die fehlende Verfügbarkeit] so kurz wie möglich sein wird, mit einem Flug im Juni oder Juli“, erklärte ein EU-Diplomat gegenüber Euractiv.

Es sei aber auch wichtig, „Vertrauen in die Trägerrakete zu haben und gleichzeitig aufmerksam zu bleiben“, fügte er hinzu. Damit bezog er sich auf das eng gefasste Abkommen, das den Informationsaustausch, die Präsenz auf der Startrampe, das Auffangen von Trümmern und die Rechenschaftspflicht im Falle eines Zwischenfalls regelt.

„Die Möglichkeit, unsere Satelliten ins All zu schicken, ist von entscheidender Bedeutung. Wir brauchten zwei neue Galileo-Satelliten, aber wir haben keine europäischen Trägerraketen zur Verfügung […] Deshalb unterstütze ich SpaceX dabei, europäische Satelliten von amerikanischem Boden aus zu senden“, erklärte der französische Europaabgeordnete Christophe Grudler (Renew), Schattenberichterstatter für das Weltraumprogramm, gegenüber Euractiv.

„Aber das sollte die Ausnahme sein“, fügte er hinzu.

„Es handelt sich also nicht um ein Modell, das nachgeahmt werden sollte, sondern um eine Ausnahme“, antwortete er auf die Frage, ob dieses Abkommen als Modell für die künftige Zusammenarbeit dienen könne.

Binnenmarktkommissar Thierry Breton bekräftigte Anfang des Jahres seine Absicht, eine „europäische Raketenstartpolitik innerhalb eines EU-Rahmens“ zu entwickeln. Damit soll die Nachfrage gebündelt werden, um der Industrie vor der Herstellung klare Leitlinien zu geben und den Wettbewerb in der Branche zu fördern.

Mit einem Vorschlag sei vor 2028 zu rechnen, sagte er.

Grudler sagte, die Regel, dass europäische Akteure ihre Raketen von europäischem Boden aus starten, sei die „beste Garantie für unsere Sicherheit und Unabhängigkeit.“

„Wenn die Amerikaner morgen nicht mehr unsere Satelliten starten wollten, hätten wir ein großes Problem“, betonte er.

Raumfahrtgesetz: Trägerraketen-Allianz und Strategie zur Gefahrenerkennung

Die EU arbeitet momentan an einem Regelwerk für die Raumfahrt. Aus diesem Grund sollten die Europäer eine Bündelung der Trägerraketennachfrage und eine Strategie zur Erfassung von Bedrohungen in Betracht ziehen, so der EU-Binnenmarktkommissar.

IRIS²-Start mit einer europäischen Rakete

Die Europäische Kommission plant den Start einer neuen Satellitenkonstellation mit gesicherten Kommunikationskanälen: IRIS².

Das Herstellungs- und Betreiberkonsortium wird in den kommenden Wochen bekannt gegeben. Es wird sich aus Airbus und Thales Alenia Space sowie privaten Betreibern zusammensetzen.

IRIS² soll mit der in der EU hergestellten Ariane 6 gestartet werden. Grudler erklärte: „Mit der Ariane 6, die im Sommer einsatzbereit sein wird, und dann der Vega werden wir alles haben, was wir für den Start von IRIS² brauchen.“

[Bearbeitet von Alexandra Brzozowski/Alice Taylor/Kjeld Neubert]

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