EU plant Unterstützung Afrikas bei nächster Pandemie

Die Auslandshilfe stieg im Jahr 2021 auf ein Allzeithoch von 179 Milliarden US-Dollar, wobei der Anstieg um 4,4 Prozent größtenteils auf umstrittene gespendete Corona-Impfstoffe zurückzuführen ist. Dies geht aus vorläufigen Daten hervor, die von der in Paris ansässigen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erhoben wurden. [Project Last Mile/The Coca-Coal Foundation]

Die EU will die afrikanischen Staaten bei der Vorbereitung ihrer Gesundheitssysteme auf die nächste Pandemie unterstützen. Dabei scheint sie jedoch nicht auf die eigentliche Forderung der afrikanischen Regierungen einzugehen, ihnen die Herstellung von Corona-Impfstoffen zu ermöglichen.

Beim EU-Afrika-Gipfel in Brüssel stand am Donnerstagabend (17. Februar) der Zugang zu den Corona-Impfstoffen auf dem Programm. Obwohl die EU „Impfstoffgerechtigkeit“ versprach, gibt es jedoch kaum Anzeichen dafür, dass der Block seinen Widerstand gegen eine befristete Ausnahmeregelung bezüglich der Impfpatentrechte aufgeben wird.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa gehört zu den schärfsten Kritikern des von ihm als „Impfstoff-Apartheid“ bezeichneten Verhaltens der EU. Bei seiner Ankunft im Europäischen Rat erklärte er, dass der Zugang zu Impfstoffen und deren Herstellung zwar erörtert würden, er aber noch nicht von dem Angebot der EU überzeugt sei.

Weniger als 12 Prozent der afrikanischen Bevölkerung sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

„Wenn es darum geht, die Pandemie endlich zu beenden, spricht Afrika zunehmend mit vereinter Stimme – aber hört Europa auch zu?“, fragte Edwin Ikhuoria, ONE Executive Director in Afrika.

„Da weniger als 11 Prozent der afrikanischen Bevölkerung geimpft sind, ist es nur allzu klar, dass die derzeitigen Spielregeln für uns nicht funktionieren“, fügte er hinzu.

In der Zwischenzeit hat die EU eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt, die das langfristige Ziel der afrikanischen Staatsführungen, den Pharmasektor und die Lieferkette des Kontinents zu fördern, unterstützen könnten. Die Afrikanische Union hat sich das Ziel gesetzt, 60 Prozent der auf dem Kontinent genutzten Impfstoffe vor Ort herzustellen.

500 Millionen Euro werden zur Verfügung gestellt, um Investitionen in Höhe von 1 Milliarde Euro zu mobilisieren, verkündete der Präsident der Europäischen Investitionsbank, Werner Hoyer, am Donnerstag. Damit solle die Entwicklung widerstandsfähiger Gesundheitssysteme in Afrika unterstützt werden.

Anfang dieser Woche kündigten auch die Europäische Kommission und die Gates-Stiftung eine Investition in Höhe von 100 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre an, um die kürzlich eingerichtete African Medicines Agency (AMA) und andere nationale afrikanische Arzneimittelzulassungsbehörden zu unterstützen.

Im vergangenen Monat gab das südafrikanische Biotech-Unternehmen Biologics bekannt, dass es den ersten Corona-Impfstoff des Kontinents auf Grundlage der mRNA-Technologie produziert hat. Verwendet wurde dabei der genetische Code, den Moderna, das ebenfalls mRNA-Impfstoffe herstellt, öffentlich zugänglich gemacht hat.

Der Pharmariese BioNTech wird Anfang nächsten Jahres zudem mit dem Bau einer ersten afrikanischen Produktionsanlage zur Herstellung von Corona-Impfstoffen beginnen, erklärte das Unternehmen am Mittwoch auf der Veranstaltung „Vaccine Equity for Africa“ in Marburg.

Die erste Anlage, in der zunächst 50 Millionen Impfstoffdosen pro Jahr hergestellt werden sollen, wird sich in Ruanda befinden. BioNTech hat außerdem eine Absichtserklärung mit dem Institut Pasteur de Dakar für eine Fabrik in Senegal unterzeichnet.

Die beiden Fabriken werden die Impfstoffdosen herstellen und dann alle abschließenden Produktionsschritte und das Abfüllen in Flaschen, das so genannte „Fill and Finish“, übernehmen. Ihre Produktion würde etwa 2 Prozent des Bedarfs in Afrika decken.

„Die Bemühungen, die Impfstoffproduktion in Afrika anzukurbeln, sind zu begrüßen. Aber es handelt sich um ein langfristiges Projekt, das nicht von dem Versagen der Regierungen der reichen Länder und der Unternehmen – darunter Deutschland und BioNTech – ablenken sollte, die beschämende Ungleichheit in der Impfstoffherstellung zu bekämpfen, die für Millionen sinnloser Todesfälle in ärmeren Ländern durch diese Pandemie verantwortlich ist“, sagte Anna Marriott, Leiterin der Abteilung Gesundheitspolitik bei Oxfam.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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