EU-Kommissar würdigt private Seenotretter

Boot mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. [Noborder Network/Flickr]

Private Rettungsorganisationen wie Sea Watch sind zuletzt in die Kritik geraten. Frontex warf ihnen vor, ein „Pull Faktor“ zu sein, der immer mehr Migranten nach Europa ziehe. Nun schlägt der zuständige EU-Kommissar andere Töne an.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, warf die EU-Agentur für Grenz- und Küstenwache  Frontex privaten Seenotrettern zudem vor, sich heimlich mit Schleusern abzusprechen. Beweise dafür wurden allerdings nicht vorgelegt.

Die Frontex-Kritik an den Rettungsorganisationen wurde von vielen Politikern aufgegriffen. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz sprach von einem „NGO-Wahnsinn“, der beendet werden müsse. Der CSU-Politiker Stephan Mayer bezeichnete die Rettungsaktionen als „Shuttle Service nach Italien“ für illegale Einwanderer.

Frontex kritisiert Rettungseinsätze vor Libyen

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex übt scharfe Kritik an den Rettungsmaßnahmen von Hilfsorganisationen vor der libyschen Küste.

Die betroffenen Organisationen wiesen die Vorwürfe zurück. Heimliche Absprachen habe es nicht gegeben und angesichts Tausender Ertrunkener im Mittelmeer von einem Shuttle Service zu sprechen sei zynisch.

Sea-Watch Vorstand Frank Dörner spielt den Ball zurück ins Feld der Politik: „ Anstatt weiterer Stimmungsmache gegen Seenotrettungsorganisationen, die wohl das eigene politische Versagen verschleiern soll, muss an Lösungen für die humanitäre Krise auf dem Mittelmeer gearbeitet werden. Wir brauchen sichere und legale Einreisewege und wir brauchen sofort eine europäische Rettungsflotte.”

Auch der EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos schlägt freundlichere Töne an. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte er, man müsse den Seenotrettern sehr dankbar sein. Die Lage im Mittelmeer werde von den Menschenschmugglern missbraucht, nicht von den NGOs.

Die Arbeit der Retter wird durch die negativen Schlagzeilen jedoch zusätzlich erschwert. So weist die Organisation Sea Eye darauf hin, dass mittlerweile auch identitäre Rechtsextreme unterwegs sind, um die Rettungsaktionen zu behindern.

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