EU und Indien streben engere Zusammenarbeit bei Solarenergie und grünem Wasserstoff an

Indiens Premierminister Narendra Modi nutzte Anfang der Woche die COP26-Klimagespräche in Glasgow, um das Jahr 2070 als Ziel für die Netto-Null-Emissionen seines Landes anzukündigen. [EPA-EFE/ROBERT PERRY]

Delhi und Brüssel haben bekräftigt, ihre Zusammenarbeit im Bereich des Klimawandels weiter ausbauen zu wollen. Die mögliche Gründung einer „grünen Wasserstoff-Allianz“ wird im nächsten Jahr auf der Tagesordnung der bilateralen Gespräche stehen.

Da Neu Dehli bis 2070 Netto-Null-Emissionen anstrebt, könnte die Aussicht, dass Indien sich zu einem globalen Kraftwerk für erneuerbare Energien entwickelt, Chancen für die klimapolitische Zusammenarbeit zwischen der EU und Indien bieten.

Indiens Premierminister Narendra Modi nutzte Anfang der Woche die COP26-Klimagespräche in Glasgow, um das Jahr 2070 als Ziel für die Netto-Null-Emissionen seines Landes anzukündigen.

Modis überraschende Ankündigung erfolgte nach monatelangem Widerstand gegen den internationalen Druck, weitere Klimazusagen zu machen. Nur eine Woche zuvor hatte Indiens Umweltminister die Idee von Netto-Null-Zusagen zurückgewiesen.

In Glasgow erhöhte Indien sein Ziel für 2030 für emissionsarme Energiekapazitäten von 450 Gigawatt auf 500 Gigawatt und verpflichtete sich, die Kohlendioxidemissionen bis zum Ende des Jahrzehnts um 1 Milliarde Tonnen über das übliche Niveau hinaus zu senken.

Das ehrgeizigste der fünf indischen Ziele besteht darin, bis 2030 die Hälfte der Energie des Landes aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, gegenüber 38% im Jahr 2020.

Laut Quellen, die der indischen Regierung nahe stehen, wären die Ziele sogar noch höher gesteckt, aber Delhi ist nicht bereit, sich weitere Ziele zu setzen, ohne mehr finanzielle Unterstützung und Technologietransfer aus reicheren Ländern.

„Die Industrieländer erreichten ihren Emissionshöhepunkt in den 90er Jahren und kündigten eine Netto-Null-Reduktion bis 2050 an, was eine Lücke von 60 Jahren bedeutet, während Indien nach aktuellen Schätzungen den Emissionshöhepunkt vielleicht um 2040-50 erreichen würde“, so die Quelle gegenüber EURACTIV. „Wir haben jedoch angekündigt, dass wir bis 2070 Netto-Null-Emissionen erreichen wollen, mit einer Lücke von nur 20 Jahren.“

„Was die EU in 60 Jahren zu erreichen versucht, versucht Indien in 20-30 Jahren zu erreichen“, betonte die Quelle.

Indien will bis 2070 Klimaneutralität erreichen

Indien strebt erst bis 2070 Klimaneutralität an. Wie Premierminister Narendra Modi am Montag bei der Weltklimakonferenz in Glasgow bekannt gab, will der drittgrößte CO2-Emittent der Welt das Ziel sogenannter Netto-Null-Emissionen in 50 Jahren erreichen.

CBAM – ‚Büchse der Pandora‘

„Die Pro-Kopf-Emissionen der Industrieländer sollten mindestens den globalen Durchschnitt erreichen, und für die Entwicklungsländer sollte es genügend Kohlenstoffspielraum geben“, fügte die Quelle hinzu und sagte, dass Maßnahmen wie der Mechanismus zur Anpassung der Kohlenstoffgrenzen (Carbon Border Adjustment Mechanism – CBAM) das letzte Mittel sein sollten.

CBAM soll auch die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten ankurbeln. Jedoch bezeichneten Schwellenländer wie Indien, aus dem die EU erhebliche Mengen an Aluminium und Stahl importiert, den Mechanismus als diskriminierend.

„CBAM könnte andererseits die Büchse der Pandora für Handelskriege im Zusammenhang mit historischen und aktuellen Emissionen öffnen“, sagten Quellen im Umfeld der indischen Regierung gegenüber EURACTIV.

Obwohl Indien derzeit nach China und den USA der weltweit drittgrößte Emittent von Treibhausgasen ist, sind die Pro-Kopf-Emissionen des Landes viel niedriger als die anderer großer Volkswirtschaften.

Anfang dieser Woche brachten führende Vertreter:innen der Entwicklungsländer in Glasgow ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass die Industrieländer ihr Versprechen, mehr Mittel zur Unterstützung der Energiewende zu mobilisieren, bisher nicht eingelöst haben.

„Indien erwartet, dass die Industrieländer so schnell wie möglich eine Billion Dollar als Klimafinanzierung zur Verfügung stellen“, sagte Modi und bezog sich dabei auf die nicht eingehaltenen Versprechen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung bereitzustellen.

„Gerechtigkeit würde verlangen, dass die Länder, die ihre Klimazusagen nicht eingehalten haben, unter Druck gesetzt werden“, fügte er hinzu.

Im Rahmen des Green Deal hat sich die EU verpflichtet, ihre Unterstützung für die internationale Klimaresilienz und -vorsorge zu verstärken, unter anderem durch eine Aufstockung der internationalen Finanzmittel.

„Wir sind uns absolut darüber im Klaren, dass die Klimafinanzierung der Schlüssel zu einer klimaneutralen und widerstandsfähigen Weltwirtschaft und Weltgesellschaft ist“, sagte der EU-Gesandte in Indien, Ugo Astuto, auf einer Veranstaltung des Ananta Aspen Centre im Vorfeld der COP26.

Allianz für grünen Wasserstoff

Während seines Besuchs in Indien im Oktober schlug EU-Klimachef Frans Timmermans vor, gemeinsame Initiativen zu erkunden, wie z. B. ein mögliches gemeinsames Forum und ein hochrangiges Treffen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres.

Timmermans kündigte außerdem an, dass die EU ein mit 1 Million Euro dotiertes Programm zur Stärkung der Zusammenarbeit mit der Internationalen Solarallianz auflegen wird. Die Mittel sollen für den akademischen Austausch, für Forschung und Innovation sowie für den Austausch bewährter Verfahren zur Mobilisierung von Finanzmitteln für den Einsatz von Solarenergie verwendet werden.

„Ich erwarte, dass grüner Wasserstoff in den kommenden Monaten eine wichtige Rolle in den Gesprächen zwischen der EU und Indien spielen wird“, sagte Astuto.

Das Versprechen von grünem Wasserstoff, der emissionsfrei mit Hilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird, hat in den Entwicklungsländern, die ihre Wirtschaft dekarbonisieren wollen, großes Interesse geweckt.

Mit Blick auf eine künftige Handelspartnerschaft mit der EU hat Delhi sein Interesse an einer Allianz für grünen Wasserstoff mit der EU bekundet.

Während ihres gemeinsamen Gipfels in Porto Anfang des Jahres bekräftigten Delhi und Brüssel ihr Engagement für eine Ausweitung ihrer Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Klimawandels. Die Konnektivitätspartnerschaft zwischen der EU und Indien, die ebenfalls auf demselben Gipfel vereinbart wurde, deckt nun zahlreiche klimarelevante Themen ab, darunter auch den Übergang zu sauberer Energie.

Einem EU-Beamten zufolge hat Indien vorgeschlagen, während des nächsten EU-Indien-Energiepanels die Einrichtung eines EU-Indien-Forums für grünen Wasserstoff zu erörtern.

„Aus Sicht der EU könnte dies nützlich sein, um die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen zur Unterstützung von grünen Wasserstoff-Pilotprojekten in Indien, die Zusammenarbeit bei regulatorischen Rahmenbedingungen und internationale Initiativen zur Zertifizierung von grünem Wasserstoff zu fördern“, so ein EU-Beamter gegenüber EURACTIV.

Über die bilateralen Bemühungen hinaus glauben Expert:innen, dass die EU auch mit Indien zusammenarbeiten könnte, um grüne Technologien zu entwickeln, die für Drittländer im globalen Süden geeignet sind.

Delhi könnte ein großer Nutznießer des neuen globalen Energiehandels mit Wasserstoff werden und in Zukunft ein Nettoexporteur von Energie sein, da das Land als eines der wenigen nationale Wasserstoffpläne angekündigt hat.

Gleichzeitig hat die EU mit ihrer kürzlich veröffentlichten Indo-Pazifik-Strategie signalisiert, dass sie die Zusammenarbeit mit den Ländern der Region verstärken will.

Darin wird auch ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den Quad-Arbeitsgruppen für Impfstoffe, Klimawandel und neue Technologien erwähnt.

EU-Investitionsbank mit massiver Unterstützung für Solarenergie in Indien

Die Europäische Investitionsbank hat eine Vereinbarung über 800 Millionen Euro für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energie in Indien unterzeichnet.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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