EU „bedauert“ Gewalt an tadschikisch-kirgisischen Grenzen

Die Zusammenstöße sind offenbar auf unklare Grenzverläufe und Ansprüche beider Seiten auf knappe Wasserressourcen zurückzuführen. [Wikipedia]

Die EU hat am heutigen Freitag (30. April) erklärt, sie „bedauere“ die Eskalation der Spannungen an der Grenze zwischen der Kirgisischen Republik und Tadschikistan, die zu zahlreichen Opfern geführt habe.

Die Zusammenstöße sind offenbar auf unklare Grenzverläufe und Ansprüche beider Seiten auf knappe Wasserressourcen zurückzuführen.

Nach Angaben von Radio Free Europe/Radio Liberty, das in beiden zentralasiatischen Staaten sendet, hatte sich auf kirgisischer Seite die Zahl der bei Zusammenstößen entlang eines umstrittenen Grenzabschnitts getöteten Menschen auf 31 erhöht, bevor beide Seiten einen Waffenstillstand vereinbarten.

Berichten des kirgisischen Gesundheitsministeriums zufolge wurden 134 Menschen bei den zweitägigen Zusammenstößen verletzt. Die Auseinandersetzungen begannen am Mittwoch, nachdem Bewohner auf beiden Seiten der Grenze begonnen hatten, sich gegenseitig mit Steinen zu bewerfen. Die Situation eskalierte schnell und führte zu einem Schusswechsel zwischen kirgisischen und tadschikischen Streitkräften im Bezirk Leylek in der südwestlichen Region Batken.

Am späten Donnerstag gaben die Außenministerien der beiden Länder bekannt, dass sie sich auf einen Waffenstillstand geeinigt haben und ihre Truppen zurückziehen werden, um den Konflikt auf diplomatischem Wege zu lösen.

Lokale Behörden in der Region Batken teilten mit, rund 13.500 kirgisische Staatsangehörige seien aus ihren Dörfern entlang der Grenze evakuiert worden.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Die kirgisische Polizei in der Region Batken machte Tadschiken für die Eskalation verantwortlich und erklärte, diese hätten begonnen, auf eine Militäreinheit im Dorf Kok-Tasch zu schießen, während weitere Schüsse von der tadschikischen Seite in der Nähe des kirgisischen Dorfs Ak-Sai gemeldet wurden.

Der tadschikische Grenzschutzdienst wies die kirgisische Darstellung zurück und teilte seinerseits mit, kirgisische Militärangehörige hätten als erste geschossen: Sie hätten das Feuer auf tadschikische Grenzeinheiten in der Nähe des Wasserverteilungszentrums Golovnoi eröffneten, das sich in einem Gebiet befindet, auf das die tadschikischen Behörden die Hoheitsgewalt beanspruchen.

Tadschikistan, ein autoritärer Staat mit strenger Nachrichtenkontrolle, hat sich bezüglich möglicher Verluste bisher eher bedeckt gehalten: Den wenigen Angaben zufolge erlitten zwei tadschikische Bürger Schussverletzungen und wurden am Donnerstag ins Krankenhaus gebracht; weitere sieben Einheimische seien bei den Zusammenstößen leicht verletzt worden.

Viele Grenzgebiete in Zentralasien sind seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 umstritten, wobei es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu zahlreichen Zwischenfällen mit tödlichen Schlagabtäuschen kam. Besonders kompliziert ist die Situation in den zahlreichen Exklaven im Ferghana-Tal, wo die Grenzen von Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan aufeinandertreffen.

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EU bietet Unterstützung

Die EU betonte in einer Erklärung, sie begrüße die am Donnerstag zwischen der Kirgisischen Republik und Tadschikistan erzielte Vereinbarung über einen Waffenstillstand sowie über weitere Verhandlungen für eine politische Lösung der Grenzfragen. Die Union drückt auch ihr Bedauern über die Gewalt der vergangenen Tage und ihr Mitgefühl mit denjenigen aus, die Angehörige oder Freunde verloren haben.

Die EU stehe, auch über ihren Sonderbeauftragten für Zentralasien und ihre EU-Delegationen in Brüssel, in ständigen diplomatischen Kontakten mit den Behörden der beiden Länder, heißt es in der Erklärung weiter.

Und: „Die EU ist bereit, bei Bedarf technische Hilfe im Rahmen ihrer regionalen Programme zu leisten, die sich mit Grenzmanagement und Wassermanagement befassen, sowie fortgesetzte politische Unterstützung für Stabilität und Wohlstand in der Region zu leisten. Dies gehört zu den wichtigsten Prioritäten der EU-Strategie für Zentralasien.“

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