Ergebnisse zur US-Wahl: Darauf sollten Sie achten

Obwohl Biden in den meisten nationalen Umfragen und offenbar auch in vielen Swing States an der Spitze liegt, könnte es ein knappes Rennen werden. [EPA-EFE | Erik S. Lesser]

Die US-Wahl 2020 ist und war anders als alle anderen Wahlen in der Geschichte. Im Folgenden eine Auflistung der wichtigsten Dinge, auf die man achten sollte, wenn die ersten Ergebnisse eintrudeln.

Das Electoral College und die Swing States

Jeder, der jemals US-Wahlergebnisse beobachtet hat, hat von den wichtigen Electoral Votes (Stimmen der Wahlmänner) gehört, die letztendlich über den Wahlsieger entscheiden. In der jüngeren Geschichte (2016) machten diese Electoral Votes aus den wichtigsten Swing States den Unterschied: Zwar erhielt Hillary Clinton deutlich mehr Einzelstimmen der Bevölkerung; die Präsidentschaft ging dennoch an Donald Trump.

Doch was genau ist das Electoral College und warum gelten einige Bundesstaaten als Swing States?

Durch eine Laune der Geschichte verleiht die US-Verfassung dem Electoral College die letztendliche Entscheidungsgewalt bei der Wahl eines Präsidenten. Das Gremium setzt sich aus 538 Wählmänner aus allen 50 Bundesstaaten zusammen (die genaue Zahl pro Staat hängt von der Bevölkerungsgröße des jeweiligen Staates ab). Im Allgemeinen wird von ihnen erwartet, dass sie für denjenigen stimmen, der die meisten Einzelstimmen im Bundesstaat gewinnen konnte – wobei die US-Verfassung sie jedoch in keiner Weise daran bindet. Die Gruppe wird sich am 14. Dezember treffen, um die Wahl formell zu beschließen.

Ein Staat vergibt seine Stimmen im Wahlkollegium also an denjenigen Kandidaten, der die meisten Stimmen im Staat gewinnt. Ein Kandidat benötigt mindestens 270 Electoral Votes, um die Präsidentschaft zu gewinnen.

Das Festhalten am „winner-take-all“-System in der Mehrheit der Staaten (mit Ausnahme von Maine und Nebraska) hat dafür gesorgt, dass es zumeist verlässliche „rote“, also republikanische, und „blaue“/demokratische Staaten gibt. Daher entscheiden einige wenige Staaten, in denen die Ergebnisse eng ausfallen (häufig als Swing States oder auch Battleground States bezeichnet), über die gesamte Wahl.

Dazu gehören bei der aktuellen Wahl die Bundesstaaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin im Mittleren Westen (die traditionell Hochburgen der Demokraten waren, aber 2016 knapp an Trump gingen), Florida (ein Bundesstaat mit einem großen Wahlmännerkontingent von 29 Stimmen, der in der jüngsten Vergangenheit hin- und hergeschwenkt ist) sowie Arizona und North Carolina (ehemals solide rote Staaten, die sich in den letzten Jahren langsam in Richtung Demokraten entwickelt haben).

Die Kontrahenten und die Presse werden diese Staaten, insbesondere Pennsylvania, genau beobachten, um Prognosen über den Sieger aufzustellen. Es ist kein Zufall, dass Biden und Trump gestern Abend für letzte Wahlkampfauftritte erneut in Pennsylvania waren.

Während Umfragen zeigen, dass Biden mehrere „Wege“ zum potenziellen Sieg hat, sind Trumps Chancen auf 270 Wahlmänner begrenzter: Im Idealfall könnte er Florida und Pennsylvania gewinnen. Sollte der Amtsinhaber tatsächlich diese beiden Bundesstaaten für sich entscheiden und dazu den Sieg in North Carolina und Arizona (die er 2016 nur knapp gewinnen konnte) sowie in Georgia und Ohio wiederholen, wird er fast sicher erneut Präsident.

Die Demokraten hoffen derweil, dass eine hohe Wahlbeteiligung in Georgia und Texas – das in den letzten Jahren ebenfalls einen progressiveren Trend verzeichnet, aber immer noch als schwieriger zu gewinnen gilt als die anderen Swing States – zum Umschwung in diesen traditionell roten Staaten führen könnte.

The Capitals Spezial: Das erwarten die EU-Staaten von den US-Wahlen

Angesichts der anstehenden Wahlen in den USA scheinen sich die EU-Mitgliedstaaten nicht einig: Während die Mehrheit Joe Biden als nächsten Präsidenten präferieren würde, sprechen einige auch Donald Trump ihre Unterstützung aus.

Wichtige Bevölkerungsgruppen

Es gibt wichtige Bevölkerungsgruppen, die die einzelnen Kandidat erreichen wollen, um ins Weiße Haus einziehen zu können.

Für den Demokraten Joe Biden sind dies vor allem junge Menschen, Schwarze und Latinx sowie weiße Wählerinnen und Wähler mit Universitätsausbildung. Eine Schlüsselgruppe für Biden sind außerdem weiße Frauen in den Vorstädten, die 2016 zum Sieg von Trump beitrugen, aber auch den Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen 2018 sicherten.

Biden hofft auch, Trumps bisherigen Vorteil bei den Über-65-Jährigen egalisieren zu können: Einige in dieser Gruppe scheinen sich angesichts der chaotischen Coronavirus-Reaktion der Trump-Administration gegen den Präsidenten zu wenden. Dieser Umschwung könnte Biden helfen, den wichtigen Swing State Florida, in dem viele Senioren leben, zu gewinnen.

Im Gegensatz dazu bemüht sich die Republikanische Partei darum, weiße Wählerinnen und Wähler ohne Hochschulbildung zu erreichen, insbesondere in den ländlichen Gebieten der Swing-Staaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Trump hat auch bei einigen (wenn auch relativ kleinen Gruppen) schwarzer und lateinamerikanischer Männer an Popularität gewonnen.

Wenn Bidens Popularität in diesen Gruppen abnimmt, könnte ihm dies Probleme in einigen Swing States bereiten.

Ein Drittel der Latino-Männer könnte für Trump stimmen, eine besorgniserregende Zahl für Biden

Mit dem Näherrücken der US-Wahl haben die Umfragen durchwegs einen Vorsprung von durchschnittlich neun Punkten für Biden auf nationaler Ebene ergeben. Doch laut Umfragen wird Trump von überraschender Stelle aus unterstützt: Von Latino-Männern.

Auszählung der Stimmen und Briefwahl: eine ‚Rote Welle‘ in der Wahlnacht?

Die Pandemie hat viele Menschen, die ansonsten am Wahltag persönlich abstimmen würden, dazu motiviert, sich stattdessen für eine Briefwahl zu entscheiden: Eine Rekordzahl an Amerikanerinnen und Amerikanern hat bereits vor dem heutigen Wahltag ihre Stimme abgegeben – mehr als 97 Millionen am 2. November, nach Angaben des United States Election Project.

Da derart viele Stimmzettel per Post eingehen (und viele Staaten auch diejenigen noch akzeptieren, die kurz nach dem Wahltag zugestellt werden), wird die Art und Weise, wie die Staaten ihre Stimmzettel auszählen, auch dazu beitragen, wer zu einem bestimmten Zeitpunkt vorne liegt. Briefwahlen und frühe Stimmabgaben in den gesamten USA werden wahrscheinlich den Demokraten Joe Biden stark begünstigen, während Trump-Anhänger eher am heutigen 3. November in die Wahllokale gehen werden.

Florida wird die vorzeitige Stimmabgabe und die Briefwahlstimmen heute bereits ausgezählt haben. Daher sollen die Ergebnisse gegen 20:30 Uhr EST (02:30 nachts in Deutschland) bekannt gegeben werden. Auch Arizona, Georgia und North Carolina werden ihre Stimmen voraussichtlich relativ schnell auszählen.

In Pennsylvania darf die Auszählung der Stimmen hingegen erst heute beginnen, inklusive der bereits eingegangenen Briefwahlunterlagen. Die Website FiveThirtyEight geht daher davon aus, dass Trump in der heutigen Wahlnacht einen Vorsprung von 16 Punkten (58 zu 42) in Pennsylvania haben könnte, der sich im Laufe der kommenden Tage in einen Biden-Sieg mit fünf Punkten Vorsprung verwandeln würde.

In Michigan gelten ähnliche Auszählungsregeln; die Ergebnisse werden nicht vor dem 6. November erwartet. Wisconsin ist der einzige der Bundesstaaten des nördlichen Mittleren Westens, der bereits am Mittwochmorgen die Ergebnisse der Briefwahlen auswerten will. Die New York Times hat eine vollständige Liste mit erwarteten Zeiträumen für die Ergebnisse der einzelnen Bundesstaaten zusammengestellt.

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Trumps (möglicher) Plan für die Wahlnacht

Mit der besagten Wahrscheinlichkeit, dass Präsident Trump in der Wahlnacht in vielen Staaten die Führung vorerst übernehmen wird, deutete die Berichterstattung von Axios am Montag an, dass Trump planen könnte, seinen Sieg am heutigen Dienstagabend vorzeitig zu erklären, also bevor alle Stimmen ausgezählt sind.

„Präsident Trump hat seinen Vertrauten gesagt, dass er den Sieg am Dienstagabend verkünden wird, wenn es so aussieht, als ob er ‚vorne‘ liegt – laut drei Quellen, die ihm nahe stehen“, heißt es in dem Artikel. Allerdings sollte diesbezüglich angemerkt werden, dass Trump selbst gegenüber der Presse am Sonntag betont hatte, keinen derartigen Plan zu hegen.

Derweil bereitet der Amtsinhaber auch seit Langem die Bühne für eine mögliche Anfechtung der Briefwahlzettel, die nach dem Wahltag tabellarisch erfasst werden. Er behauptet, dies sei ein Einfallstor für Wahlbetrug: „Briefwahlzettel sind sehr gefährlich. Es ist ein enormer Betrug und eine enorme Illegalität im Spiel,“ so Trump bei einer Kundgebung im Mai.

Zahlreiche Studien haben diese Behauptungen des Präsidenten über angeblich weit verbreiteten Wahlbetrug entkräftet. Ein Bericht des Brennan Center for Justice aus dem Jahr 2017 geht davon aus, dass die Fehler- oder Betrugsrate tatsächlich zwischen 0,00004 und 0,0009 Prozent liegt. „Ein Blick auf die Fakten macht deutlich, dass Betrug selten ist und nicht in einem Ausmaß geschieht, das auch nur annähernd notwendig wäre, um eine Wahl zu ‚manipulieren'“, heißt es in dem Bericht.

Die Demokraten haben ihrerseits geschworen, die komplette Auszählung der Stimmen, inklusive der Briefwahl, sicherzustellen und eine vorzeitige Siegeserklärung Trumps nicht akzeptieren zu wollen. In einer Mittteilung sagte Senator Bernie Sanders: „Es ist keine Überraschung, dass Donald Trump und seine Kampagne planen, den Sieg frühzeitig zu erklären, bevor alle Stimmen ausgezählt sind. Das ist seit Monaten seine Strategie, und niemand sollte darauf hereinfallen […] Das werden wir nicht zulassen. Jede Stimme muss und wird ausgezählt werden.“

Umfrage: Biden liegt in wichtigem US-Staat Florida vorn

Florida gehört Experten zufolge zu den Staaten, wo die heutige Wahl entschieden werden könnte. Das endgültige Ergebnis der Wahl liegt möglicherweise erst in einigen Tagen vor.

Wann gibt es ein definitives Ergebnis?

Angesichts der Zeit, die für die Auszählung der zahlreichen per Post eingehenden Stimmen benötigt wird, sind einige Staaten möglicherweise nicht in der Lage, in der Wahlnacht einen Gewinner vorherzusagen. Sollte es in einzelnen Swing States zu erdrutschartigen Wahlsiegen für einen der beiden Kandidaten kommen, könnte eine Entscheidung freilich schon früher feststehen. Ein früher Biden-Sieg in Florida könnte beispielsweise Trumps Ziel, erneut Präsident zu werden, zunichte machen.

Eine weitere – wenngleich wohl recht weit hergeholte – Hoffnung der Demokraten ist der seit Langem gehegte Traum, dass Texas (und seine 38 Electoral Votes) zu den Demokraten überläuft. Damit wäre jede realistische Chance auf eine Wiederwahl Trumps zunichte gemacht. Die Demokratische Partei hat eine Menge Geld und Freiwilligenarbeit in den Bundesstaat investiert – und einige Umfragen aus jüngster Zeit zeigen tatsächlich, dass die beiden Kandidaten sich im ehemals klar roten Texas ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Ein wahrscheinlicheres Szenario ist jedoch ein engeres Rennen in den Swing States.

Sollten die Gesamtergebnisse von einem oder zwei Swing States abhängen (viele Beobachter erwarten, dass dies Pennsylvania sein wird), könnte es einige Tage oder sogar eine Woche dauern, bis tatsächlich ein Sieger feststeht.

Allerdings: „Wenn wir in der Wahlnacht keinen Gewinner haben, bedeutet das nicht, dass wir nicht schon eine recht gute Vorstellung davon haben“, wer das Rennen machen wird, vermerkt FiveThirtyEight in seinem „Guide“ für die Wahlnacht.

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