Eklat nach Schweizer Demo gegen Erdogan

Kommonikationspanne? Terrorliste ist vom Tisch. [yakub88/shutterstock]

Ein Protest-Plakat gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei einer Kundgebung in der Schweiz hat zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Bern und Ankara geführt.

Die türkische Regierung bestellte am Sonntag den Schweizer Botschafter ins Außenministerium ein, wie aus türkischen Diplomatenkreisen verlautete. Außenminister Mevlüt Cavusoglu brachte seinen Unmut in einem Telefonat mit seinem Schweizer Kollegen Didier Burkhalter zum Ausdruck.

Bei der pro-kurdischen Kundgebung hatten am Samstag tausende Menschen in Bern gegen die Politik Erdogans sowie für Frieden, Freiheit und Demokratie in der Türkei demonstriert. Zu der Kundgebung aufgerufen hatten unter anderem kurdische Vereine, Schweizer Parteien und mehrere Schweizer Organisationen.

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Ein Transparent zeigte Erdogan mit einer auf ihn gerichteten Pistole, wie türkische Fernsehbilder zeigten. Darunter stand „Tötet Erdogan“ und – kleiner gedruckt – „mit seinen eigenen Waffen“.

„Sie nehmen mein Foto, und, auf meinen Kopf gerichtet, eine Pistole. Ist so etwas fassbar? Wir sprechen von der Schweiz“, empörte sich Erdogan am Samstagabend bei einem Auftritt in Antalya. Laut einer Reporterin der Nachrichtenagentur sda wurde das Banner von linksautonomen Demonstranten mitgeführt.

Das Außenministerium teilte am Samstagabend in Ankara mit, Minister Cavusoglu habe in dem Telefonat die türkische „Reaktion auf den schändlichen Vorfall“ übermittelt. Zudem sei die stellvertretende Schweizer Botschafterin ins türkische Außenministerium einbestellt worden. Am Sonntag sagten dann türkische Diplomaten, die nicht namentlich genannt werden wollten, der Botschafter Walter Haffner sei einbestellt worden.

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Die türkischen Behörden forderten nach Angaben des Außenministeriums die Einleitung eines strafrechtlichen Verfahrens. Gleichzeitig protestierten sie gegen die Genehmigung der Kundgebung.

Das Verhältnis zwischen der EU und der Türkei ist seit Wochen wegen des Verbots oder mehrerer Absagen von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker in europäischen Ländern vor dem türkischen Verfassungsreferendum gespannt. Erdogan hatte die EU deshalb mehrfach scharf angegriffen und Deutschland und den Niederlanden „Nazi-Methoden“ vorgeworfen.

Die Türken entscheiden am 16. April in einer Volksabstimmung über die Einführung eines Präsidialsystems. Erdogan würde durch die Verfassungsreform weitreichende Vollmachten bekommen, das Amt des Ministerpräsidenten würde abgeschafft.

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