Eklat bei serbisch-kroatischem Treffen in Belgrad

Vojislav Šešelj (l.) im serbischen Parlament. [Beta/Milan Obradović]

Eine kroatische Parlamentsdelegation hat ihren offiziellen Besuch in Serbien am Mittwoch nach einer Aktion des Chefs der Serbischen Radikalen Partei, Vojislav Šešelj, abgebrochen. Die Ereignisse unterstreichen, wie fragil die nachbachschaftlichen Beziehungen auch mehr als zwanzig Jahre nach Ende des Krieges noch sind.

Die Serbische Radikale Partei (SRS) teilte in einer Erklärung mit, Šešelj sei vor dem serbischen Parlamentsgebäude „auf die kroatische Flagge gestampft“ und habe die kroatische Parlamentsdelegation unter der Leitung von Sprecher Gordan Jandroković beleidigt.

Nur einen Tag zuvor hatte der SRS-Vorsitzende einen Parlamentskollegen verbal angegriffen, nachdem dieser gefragt hatte, ob Šešeljs parlamentarisches Mandat nicht aufgehoben werden müsste, nachdem dieser von einem UN-Tribunal wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden war. Das sieht ein serbisches Gesetz über die Wahl von Abgeordneten eigentlich vor.

„Trotz eines sehr guten Starts des offiziellen Besuchs und der Entschlossenheit, unser Bestes zu tun, um die Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu verbessern, haben wir den Besuch wegen dieser Tat, die die Würde der Republik Kroatien und des kroatischen Parlaments schwer verletzt hat, abgebrochen,“ erklärte der Pressedienst des kroatischen Parlaments.

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Die Regierungschefs der drei Länder einigten sich darauf, die Beziehungen zu verbessern und bei Energie und Infrastruktur zu kooperieren.

Serbiens Parlamentspräsidentin Maja Gojković kritisierte nachdrücklich den „brutalen Versuch“ des Vorsitzenden der Radikalen Partei, die Würde des serbischen Parlaments und der Delegation des kroatischen Parlaments zu gefährden, berichtet die Nachrichtenagentur Beta.

Šešeljs Aktion wurde auch von Premierministerin Ana Brnabić scharf verurteilt. Sie rief alle serbischen Politiker dazu auf, im Einklang mit dem erklärten Ziel zu handeln, Serbien zu einem guten Beispiel für Kooperation zu machen und zu guten Beziehungen in der Region und in ganz Europa beizutragen.

„Der Versuch, die Flagge oder Symbole Kroatiens oder jeden anderen Staates zu zerreißen und Mitglieder offizieller Delegationen, die unser Land besuchen, zu beleidigen, ist nicht die Art von Verhalten, die für Serbien, die Werte unserer Regierung und die Mehrheit unserer Bürger steht,“ schrieb Brnabić auf ihrem offiziellen Twitter-Account.

Nach einem Treffen im serbischen Parlamentsgebäude hatte Jandroković an der Eröffnung eines Büros der Kroatischen Handelskammer in Belgrad teilnehmen sollen. Am Donnerstag hätte er sich dann mit Serbiens Präsident Aleksandar Vučić und Premierministerin Brnabić getroffen sowie Vertreter der kroatischen Gemeinde in der nordserbischen Stadt Subotica besucht.

Vor einer Woche wurde Šešelj nach einem endgültigen Urteil des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien aufgrund von Kriegsverbrechen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er wird aber nicht ins Gefängnis kommen, da er bereits mehr als zehn Jahre in der Haftanstalt des Gerichts verbracht hat. Nach dem Urteil polterte Šešelj, er werde jedem, der ihn einen Kriegsverbrecher nennt, „die Nase brechen“.

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