Ein Jahr nach den ersten Corona-Fällen ist die Wende noch nicht gelungen

Am 8. Dezember 2019 wurden in der chinesischen Metropole Wuhan erstmals Fälle einer neuartigen Erkrankung registriert, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Januar als erste Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 einstufte. [SamaraHeisz5/shutterstock]

Am 8. Dezember 2019 wurden in der chinesischen Metropole Wuhan erstmals Fälle einer neuartigen Erkrankung registriert, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Januar als erste Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 einstufte. Fast ein Jahr später tauschen sich am heutigen Donnerstag und Freitag einmal mehr Staats- und Regierungschefs aus aller Welt über die Corona-Pandemie aus.

In einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung debattieren sie über geeignete Maßnahmen. Mittlerweile schwingt wegen der Erfolge bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen die Hoffnung mit, dass die Pandemie in absehbarer Zeit in den Griff zu bekommen ist. Eine Rückkehr zur völligen Normalität im Jahr 2021 ist damit aber noch nicht sicher.

Besteht das Risiko weiterer Pandemie-Wellen?

Experten schließen dieses Risiko nicht aus. Schließlich wurden Deutschland und viele andere Länder bereits von einer zweiten Corona-Welle mit einem exponentiellen Anstieg der Ansteckungen erfasst. Die USA erleben bereits zum dritten Mal eine deutliche Zunahme der Infektionen und Hongkong kämpft bereits mit der vierten Welle.

Das weitere Infektionsgeschehen sei schwierig vorherzusagen, hebt der Spezialist für Infektionskrankheiten, Flavio Toxvaerd, von der Universität Cambridge hervor. „Die Frage, ob es weitere Wellen im kommenden Jahr gibt, wird von einigen Faktoren abhängen, darunter die jahreszeitlich bedingten Arten der Kontakte oder die Art und Weise, in der die Krankheit durch eine Kombination aus sozialer Distanz und Impfungen eingedämmt wird.“

Von Vorteil im Kampf gegen Corona ist, dass mittlerweile bereits einige Erfahrungen bei der Eindämmung des Virus gesammelt wurden. Eine genaue Analyse der Wirkung der verschiedenen Maßnahmen, die Länder in aller Welt ergriffen haben, könnte es ermöglichen, besonders harte Restriktionen wie Ausgangssperren künftig zu vermeiden.

Ziel sei es, die „kleinste wirksame Dosis“ der Corona-Gegenmaßnahmen zu finden, sagt die Pariser Infektiologin Anne-Claude Crémieux. Auf diese Weise könnten die Zirkulation des Virus eingedämmt und zugleich wirtschaftliche und soziale Aktivitäten wieder ausgeweitet werden.

Bringen Corona-Impfstoffe die Wende?

„Man muss bis zur Linderung warten, und Linderung bringt die Impfung“, sagt Crémieux. Allerdings könne „die Weltbevölkerung nicht in weniger als sechs Monaten“ gegen das neuartige Coronavirus geimpft werden.

Je nach Experte müssten sich 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung impfen lassen, um eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. In vielen Ländern ist diese Impfrate in nächster Zeit zumindest laut Umfragen unwahrscheinlich. Auch der renommierte US-Infektiologe Anthony Fauci mahnte, dass in den Vereinigten Staaten, dem am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Land der Welt, eine „Anti-Impf-Stimmung“ zu überwinden sei.

Cambridge-Experte Toxvaerd rät von einer Impfpflicht dennoch ab. Im „gegenwärtigen Klima“ könne eine solche Vorgabe zu „noch mehr Widerstand gegen das Impfen“ führen, warnt er.

Brauchen wir bald keine Masken mehr?

Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Mund-Nase-Masken, häufiges Händewaschen und Abstandhalten sind noch lange nicht passé. Sie werden noch während der langen Übergangszeit nötig sein, bis ein ausreichend hoher Anteil der Bevölkerung gegen Sars-CoV-2 geimpft ist.

Außerdem muss sich im Praxistest noch zeigen, wie lange die Corona-Impfstoffe vor einer Infektion schützen und ob sie nicht doch schwere Nebenwirkungen verursachen. Und es könnte noch eine Weile dauern, bis klar ist, welcher Impfstoff für Gruppen wie Senioren, Diabetiker, Herzkranke und andere Risikogruppen am besten geeignet ist.

Gesundheitsbehörden fordern daher, die wissenschaftlichen Studien zu den Corona-Impfstoffen auch nach deren Zulassung fortzusetzen. „Das kann wichtige zusätzliche und genaue Informationen über die Unbedenklichkeit und die langfristige Wirkung liefern“, hebt die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hervor.

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