Dringend gesucht: Investitionen in Afrikas Landwirtschaft

Afrikas Landwirte brauchen Investitionen, Kredite und Versicherungen. Die EU, die Afrikanische Entwicklungsbank, aber auch private Anleger sollen diese bereitstellen. [Find Your Feet/Flickr]

This article is part of our special report Die Landwirtschaft als Schlüsselfaktor für Afrikas Aufstieg.

Die Europäische Kommission und die Afrikanische Union haben im Mai eine gemeinsame Taskforce für den ländlichen Raum Afrikas eingerichtet. Die landwirtschaftliche Zusammenarbeit war bereits eines der Schlüsselthemen des EU-Afrika-Gipfels in Abidjan im November 2017 gewesen.

Die Taskforce und ihre elf Experten haben den Auftrag, im Januar 2019 Empfehlungen vorzulegen, wie die Ernährungssicherheit, der Transfer von Kompetenzen, die Anpassung an den Klimawandel sowie Investitionen in die Agrarwirtschaft gefördert werden können.

Das International Food Policy Research Institute schätzt, dass es aufgrund des Klimawandels im Jahr 2050 in Afrika weitere 38 Millionen Menschen geben wird, die Hunger leiden. Das Institut prognostiziert außerdem, der Kontinent werde in den kommenden zwei Jahren und auch darüber hinaus immer wieder unter erheblicher Lebensmittelknappheit leiden, während die Unterernährung in den kommenden 20 Jahren ebenfalls weiter zunehmen wird.

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Carlos Lopes, der Hohe Vertreter der AU für die Verhandlungen zu einem Nachfolger des Cotonou-Abkommens, erklärte gegenüber EURACTIV allerdings, das geplante Freihandelsabkommen auf dem afrikanischen Kontinent (ACFTA) werde die Integration der afrikanischen Wertschöpfungsketten vorantreiben, somit die Industrie festigen und es der afrikanischen Landwirtschaft ermöglichen, einen Massenmarkt zu bedienen.

All dies erfordert jedoch vor allem eine rasche Steigerung der öffentlichen und privaten Investitionen in die afrikanische Agrarwirtschaft.

Die Verarbeitungsindustrie stärken

Aufgrund der fehlenden lokalen Verarbeitungsmöglichkeiten exportieren afrikanische Länder oft Rohstoffe und re-importieren dann das Endprodukt.

„Wenn man bedenkt, was eigentlich vor Ort verfügbar ist, dann wird doch sehr viel importiert… sogar Kaffee, der der Hauptexport des Landes ist! Wir brauchen mehr Investitionen in die Verarbeitungsindustrie,“ fordert daher Erik Habers, Leiter für Entwicklungszusammenarbeit der EU-Delegation in Äthiopien.

„Wir beschäftigen uns mit verbesserten Verknüpfungen und Kontakten zwischen Kleinbauern, Genossenschaften, dem Privatsektor, der Verarbeitungsindustrie – diese gesamte Diskussion über gute Wertschöpfungsketten,“ fügt er im Gespräch mit EURACTIV hinzu.

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Investitionen in Afrikas Landwirtschaft

Tatsächlich sind fehlende Investitionen und der eingeschränkte Zugang zu Finanzmitteln das Haupthindernis für die Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft.

Entwicklungsfinanzinstitute haben daher versprochen, ihre Markterschließungsbemühungen zu intensivieren. Aktuell bieten weniger als 15 Prozent der Kreditgeber in Afrika passende Dienstleistungen für Agrarunternehmen und Kleinbauern an.

In Regionen wie Subsahara-Afrika produzieren Kleinbauern – die typischerweise weniger als zwei Hektar Land bewirtschaften – 70 Prozent der insgesamt konsumierten Lebensmittel. Und diese Art der Landwirtschaft scheint gewünschte Effekte zu haben: Das Wirtschaftswachstum in der Landwirtschaft soll bis zu elf Mal so effektiv bei der Armutsbekämpfung sein wie Wachstum in anderen Sektoren.

Daher soll sich auch der EU-Investitionsplan für Drittländer (EEIP) – mit einem potenziellen Volumen von bis zu 44 Milliarden Euro – verstärkt auf die Unterstützung von Agrarunternehmern und Kleinbauern konzentrieren. Darüber hinaus will die Afrikanische Entwicklungsbank im Rahmen ihrer 2015 eingeleiteten Strategie „Feed Africa“ in den kommenden zehn Jahren 24 Milliarden Dollar in die afrikanische Landwirtschaft investieren.

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„Die heimischen Ressourcen in afrikanischen Ländern müssen durch europäische Ressourcen ergänzt werden. Und dieser Impuls muss aus dem Privatsektor kommen,“ glaubt derweil Tom Arnold, der Vorsitzende der EU-Taskforce für ländliche Entwicklung in Afrika.

Dies kann jedoch nur ein Anfang sein. Derzeit deckt der Finanzsektor weniger als drei Prozent des gesamten Finanzierungsbedarfs der afrikanischen Kleinbauern ab. Dieser wird auf rund 450 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Finanzierung und Versicherungen attraktiver machen

Geldgeber und Entwicklungsfinanzierungsinstitute suchen daher auch nach Möglichkeiten, um Ernte- und Klimaversicherungen finanziell attraktiver zu gestalten. Der One Acre Fund und Juhudi Kilimo gehören zu den erfolgreichen Mikrofinanzunternehmen auf dem ostafrikanischen Markt – doch sie sind bisher lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein.

„Die Landwirtschaft ist der wichtigste Motor für die Transformation der afrikanischen Wirtschaft. Wir wollen diese Herausforderungen in Bezug auf Ernährungssicherheit, Landverödung, Armut und Handel lösen,“ betont Josefa Sacko, die für ländliche Wirtschaft und Landwirtschaft zuständige Kommissarin der AU, gegenüber EURACTIV.

Die Frage ist, wie Afrika dies – sei es aus eigener Kraft oder mit mehr Unterstützung durch Europa – in die Tat umsetzen kann.

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