Die Konzerne die von Europas Ölhandel mit Russland profitieren

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Während die Europäische Union ein umfassendes Embargo auf russische Ölimporte vorbereitet, nimmt EURACTIV einige der Unternehmen genauer unter die Lupe, die bisher von dem Handel mit dem „schwarzen Gold“ des Kreml profitiert haben.

Ungarn und der Slowakei soll mehr Zeit für die Umsetzung des Importverbots eingeräumt werden. Sie werden im Rahmen bestehender Verträge bis Ende 2023 weiterhin russisches Rohöl kaufen können und somit zeitweise von den Sanktionen ausgenommen werden, wie EURACTIV erfuhr.

Grund dafür dürfte die Tatsache sein, dass es nur ein einziges fossiles Brennstoffunternehmen gibt – MOL, ein integrierter Öl- und Gaskonzern aus Ungarn, der Raffinerien in den beiden Ländern sowie in Kroatien betreibt.

Ungarn war bis vor kurzem einer der entschiedensten Gegner eines Ölembargos, weil man in Budapest Konsequenzen für die eigene Wirtschaft befürchtete.

Aber es dürfte auch andere Motive für seinen Widerstand gehabt haben. Um die einheimischen Verbraucher vor steigenden Kraftstoffpreisen zu schützen, setzte Ungarn im Herbst eine Preisobergrenze für Benzin fest – eine Maßnahme, die die Regierung letzte Woche bis zum 1. Juli verlängert hat.

Die Kosten, die aus dem Preisstopp hervorgehen, werden derzeit unter den Großunternehmen, kleinen Einzelhandels-Tankstellen und der Regierung aufgeteilt. Die Budapester Regierung gewährt einige Steuervergünstigungen und Subventionen, aber die kleinen Einzelhändler müssen ihre Betriebskosten immer noch selbst tragen, was einige von ihnen dazu veranlasst hat, mit einer Klage zu drohen, berichtete Forbes Hungary.

In der Zwischenzeit hat MOL, der ungarische Energieriese für fossile Brennstoffe, der etwa zwei Drittel des ungarischen Marktes beherrscht, seine Verluste durch die Preisobergrenze weitgehend durch einen Anstieg der Gewinnspannen aus der Ölraffination ausgeglichen.

Medienberichten zufolge stiegen die Raffineriemargen des Unternehmens im März drastisch an.

Im Vergleich zu dem bisherigen Zehn-Jahres-Rekord von 9,3 US-Dollar pro Barrel für Raffinerieprodukte erzielte MOL im März 34,9 US-Dollar pro Barrel raffiniertes Öl. Dies ist größtenteils auf den viel niedrigeren Preis der Rohölsorte Russian Export Blend (REBCO) zurückzuführen, die in den Raffinerien von MOL verwendet wird, verglichen mit anderen Sorten von Öl.

Diese Preise sind infolge der vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen noch weiter gesunken.

Die MOL-Tochterraffinerie in der Slowakei, Slovnaft, die ebenfalls vollständig von russischem Rohöl abhängig ist, muss einen ähnlichen Preisrückgang hinnehmen.

Analyst:innen sagen jedoch, dass dies nicht allein auf die Sanktionen zurückzuführen sei. Tamás Pletser, Analyst bei Erste Securities in Budapest, sagte, das günstigere russische Öl sei nicht der einzige Grund, warum die Gewinnspannen gestiegen seien.

„Die Gewinne aus der Dieselproduktion sind ebenfalls deutlich höher. Schon vor dem Krieg gab es eine weltweite Knappheit, und die russische Invasion hat diese noch vervielfacht“, sagte er.

EURACTIV hat die MOL Group um eine Stellungnahme gebeten, aber bis zur Veröffentlichung noch keine Antwort erhalten.

In Polen sieht es beim Thema Gewinnspannen ähnlich aus, auch wenn sie zu anderen politischen Ergebnissen führen. Das größte Unternehmen des Landes, das Rohöl verarbeitet, PKN Orlen, betreibt sechs Raffinerien: drei in Polen, zwei in der Tschechischen Republik und eine in Litauen. Es ist dem Unternehmen jedoch gelungen, seine Abhängigkeit von russischem Öl von 90 Prozent im Jahr 2017 auf etwa 70 Prozent im Jahr 2020 zu senken.

Außerdem hat es von der Volatilität des Marktes profitiert: Während die Raffineriemarge des Unternehmens im Februar noch 7,70 US-Dollar pro Barrel betrug, lag sie im März bereits bei 39,30 US-Dollar.

Dennoch ist das Unternehmen bereit, vom russischen Öl Abschied zu nehmen. „Wenn die EU ein Verbot für russisches Rohöl verhängt, wird PKN Orlen einer solchen Entscheidung nachkommen“, sagte Daniel Obajtek, Vorstandsvorsitzender von PKN, am 25. April der polnischen Presseagentur PAP.

Andere EU-Länder prüfen Anlagen, die sich im Besitz russischer Unternehmen befinden. In Deutschland haben zwei Raffinerien – Schwedt und Leuna – früher russisches Öl importiert, obwohl die letztere vor kurzem beschlossen hat, auf russisches Öl zu verzichen.

Die im brandenburgischen Schwedt gelegene Raffinerie gehört dem russischem Ölkonzern Rosneft und sein Geschäftsmodell wurde von Wirtschaftsminister Robert Habeck als „Import von billigem russischen Pipeline-Öl“ und darauffolgender Raffination bezeichnet.

In Rumänien wurde Petrotel, eine der drei großen Raffinerien, die derzeit in Betrieb sind, 1998 vom russischen Unternehmen Lukoil gekauft. Von einer Gesamtkapazität von 2,4 Millionen Tonnen pro Jahr wurden im Jahr 2021 2,1 Millionen Tonnen aus importiertem Öl raffiniert.

Lukoil besitzt auch Anlagen in Bulgarien. Lukoil Neftohim Bulgaria, das seit 1999 zur Lukoil-Gruppe gehört, ist die größte Ölraffinerie auf dem Balkan.

Zwischen 2006 und 2020 meldete das Unternehmen nur in den Jahren 2007, 2016 und 2017 Gewinne, in allen anderen Jahren meldete es Verluste. Im letzten Unternehmensbericht, der im Jahr 2020 veröffentlicht wurde, meldete das Unternehmen einen Verlust von über 255 Millionen Euro.

Außerdem wurde die Lukoil-Raffinerie Neftohim in der Hafenstadt Burgas am Schwarzen Meer so gebaut, dass sie nur russisches Öl und andere seltene Ölsorten aus dem Nahen Osten raffinieren kann.

Der bulgarische Energieexperte Vasil Nachev erklärte am Dienstag (3. Mai), dass der Preis für russisches Öl vom Typ Ural, das von der Lukoil-Raffinerie in Bulgarien verwendet wird, um 37 Dollar pro Barrel niedriger ist als der Preis für Brent, die Referenzsorte auf den globalen Ölmärkten.

„Die Kommission für den Schutz des Wettbewerbs muss die Rolle übernehmen und den Mechanismus überprüfen, durch den dieser Preis zustande kommt. Wir haben dort einen Vermittler. Bulgarien schweigt jedoch über die Einfuhr von in der Raffinerie verarbeitetem Öl“, sagte Nachev.

Laut Martin Vladimirov, einem Energieexperten des Zentrums für Demokratieforschung, einem bulgarischen Think-Tank, handelt es sich bei dem zwischengeschalteten Unternehmen um Litasco, den Mehrheitsaktionär von Lukoil Neftohim Bulgaria.

LITASCO wurde im Jahr 2000 in der Schweiz gegründet und ist die exklusive internationale Marketing- und Handelsgesellschaft von Lukoil.

„Die Differenz geht an Litasco in der Schweiz, wo eine sehr niedrige Gewinnsteuer erhoben wird und es rechtliche Möglichkeiten gibt, dass dieser Gewinn nicht besteuert wird und direkt nach Russland fließt. Auf diese Weise bleibt der Gewinn in Russland“, erklärte Vladimirov gegenüber Radio Free Europe.

Lukoil ist auch im Mittelmeerraum tätig. Lukoil Isab, dessen Raffinerie sich in Sizilien befindet, hält mit einer Jahresproduktion von 16 Millionen Tonnen einen erheblichen Anteil an der Raffineriekapazität des Landes (rund 22 Prozent).

Das Unternehmen kauft 30-40 Prozent seiner Vorräte aus Russland. Letzte Woche berichtete Reuters, dass Italien die vorübergehende Verstaatlichung des Unternehmens erwägt.

[Bearbeitet von Georgi Gotev und Zoran Radosavljevic]

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