Die Integration von Migranten in Serbien geht schleppend voran

Migranten im serbischen Adasevac, nahe der serbisch-kroatischen Grenze. Als dieses Bild im Dezember 2017 entstand, suchten noch rund einhundert Flüchtlinge Schutz in einem verlassenen Lagerhaus rund 120 Kilometer von Belgrad entfernt. [EPA-EFE/KOCA SULEJMANOVIC]

Migranten, die sich in Serbien aufhalten, befinden sich in einer schwierigen Situation. Ihre Integration in die Gesellschaft sollte durch Bildung für Minderjährige und Arbeitsmöglichkeiten für Erwachsene erleichtert werden, sagte ein Vertreter der EU-Delegation in Serbien gegenüber EURACTIV Serbien.

Nicholas Bizel wies darauf hin, dass sich viele der Migranten seit mehr als einem Jahr oder sogar länger in Serbien befinden. Das Land liegt auf der sogenannten Balkanroute und wurde auf dem Höhepunkt der Migrationskrise von tausenden Menschen durchquert. Inzwischen seien die Chancen der im Land verbleibenden Flüchtlinge auf eine Weiterreise in die EU sehr gering, so der EU-Beamte.

Derzeit sind noch etwas mehr als 4.000 Migranten in Serbien. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres erklärten mehr als 1.000 von ihnen, sie würden demnächst im Land Asyl beantragen.

„Als EU-Beitrittskandidat ist Serbien Teil der europäischen Migrationslösung und beteiligt sich daher gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten an der Suche nach einer umfassenden Lösung für Migranten und Flüchtlinge,“ sagte Bizel EURACTIV.rs in einem Interview.

Die EU selbst werde Serbien weiterhin bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Integration von Migrantenkindern durch Bildung unterstützen. Darüber hinaus sei für Serbien in der nächsten Zeit kein größerer Zustrom von Migranten erwarten. Jedoch müsse man auch für diese Möglichkeit vorbereitet sein.

Bizel ist der Ansicht, dass die Situation trotz in kleinem Maße noch vorhandener unregulierter Migration inzwischen stabil ist. Er forderte die Behörden dennoch auf, wachsam zu bleiben, da diese Stabilität noch immer nicht als selbstverständlich angesehen werden könne.

Er zeigte sich optimistisch: Aktuell habe Serbien Platz für 6.000 Menschen in Flüchtlingszentren im ganzen Land. Außerdem habe das Land extreme Migrations-Situationen schon einmal erlebt.

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In Bezug auf die im Land weilenden Migranten sagte Bizel: „Serbien hat bereits mit der Umsetzung von Maßnahmen im Bildungsbereich begonnen. Die Mehrheit der Minderjährigen kann zur Schule gehen. Es gibt EU-finanzierte Programme zur Integration von Kindern in Schulen, die mit Unterstützung von Organisationen wie UNICEF durchgeführt werden.“

Was die Integration von Erwachsenen betrifft, sei die Lage aber „etwas komplizierter, weil die Beschäftigungssituation in Serbien nicht so einfach ist. Aber die serbische Regierung arbeitet daran und wir erwarten einige Lösungen in der nahen Zukunft.“

Auch ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Belgrader Zentrums für Menschenrechte hebt positiv hervor, 2017 sei ein „ernsthafter, positiver Ansatz“ zur Einbeziehung von Migrantenkindern in das Bildungssystem erreicht worden. Da der Unterricht jedoch überall ausschließlich auf Serbisch stattfindet, konnten diese Kinder sich bisher nicht wirklich engagieren.

Darüber hinaus habe es auch Probleme mit dem Einschreiben von Flüchtlingen an den Hochschulen und an den Universitäten gegeben, da von ihnen Studiengebühren für ausländische Studierende verlangt wurden. Auch der mit Gebührenzahlungen verbundene Erhalt einer persönlichen Arbeitserlaubnis übersteige oftmals ihre finanziellen Kapazitäten.

Bizel erklärte, die EU habe seit Beginn der Krise im Jahr 2015 rund 80 Millionen Euro für die Unterstützung von Migranten in Serbien ausgegeben. Es handelte sich vor allem um humanitäre Hilfe in Form von Nahrungsmitteln, Kleidung und kurzfristigen Unterkünften. Die Prioritäten der EU für die Zukunft, so Bizel weiter, seien die Bereitstellung von Unterkünften, die langfristige Lösungen bieten.

In Bezug auf die Aufhebung der Reisevisa für iranische Staatsbürger und die Sorge, dass dies zu einem größeren Zustrom von Migranten aus diesem Land nach Westeuropa führen könnte, sagte Bizel: „Das ist sicherlich ein Problem, mit dem wir uns beschäftigen. Es gibt jetzt Direktflüge von Teheran nach Belgrad. Die serbische Regierung hat zugestimmt, dass EU-Vertreter am Flughafen anwesend sind und die aus Teheran eintreffenden Menschen beobachten, um sozusagen zu überprüfen, was ihr Profil ist. Aber das ist immer noch ein Thema, für das eine Lösung gefunden werden muss.“

Menschen, die länger als drei Monate in Serbien bleiben, werden nicht mehr als Touristen behandelt, sondern gelten dann als illegale Einwanderer. Als solche müssten sie in diesen Fällen dann auch nach dem Gesetz behandelt werden, so Bizel.

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