Deutschland weiterhin Asyl-Ziel Nummer Eins

222.560 Asylanträge hat das BAMF im Jahr 2017 registriert. [Foto: Shutterstock]

Die Asylanträge in der EU gehen stark zurück, aber nicht überall gleichermaßen. Obwohl Deutschland das beliebteste Einreiseziel bleibt, verzeichnen südliche Länder die meisten Anträge, so eine aktuelle Studie.

Letztes Jahr verzeichnete Deutschland rund 70 Prozent weniger Asylanträge als im Vorjahr, dennoch bleibt es Hauptziel für Asylbewerber in der EU. Fast ein Drittel aller Asylanträge in der EU wurde in Deutschland eingereicht, ihre Zahl summierte sich 2017 auf insgesamt 222.560, wie die europäische Asylbehörde Easo am Montag in Brüssel mitteilte. Anders als Deutschland verzeichneten die Mittelmeerstaaten Italien, Frankreich und Griechenland starke Zuwächse.

Auch im EU-weiten Vergleich ging Deutschlands Bedeutung als Zielland zurück: Gingen im Jahr 2016 noch 58 Prozent aller eingereichten Asylanträge bei deutschen Behörden ein, waren es 2017 nur noch 31 Prozent aller Asylanträge im Gebiet der EU einschließlich Norwegens, der Schweiz, Liechtensteins und Islands. In Österreich ging die Zahl der Asylanträge um 42 Prozent auf 24.715 zurück.

"Keine Spielchen beim Asylantrag"

Die EU braucht vereinheitlichte Regeln, um fair mit Asylanträgen umzugehen. Einige Mitgliedsstaaten sträuben sich aber gegen die Reformvorschläge aus Kommission und Parlament.

Der Schwerpunkt der Flüchtlingskrise verlagerte sich nach Süden: Italien verzeichnete dabei nach Deutschland die höchste Zahl der Asylanträge. Sie stieg 2017 um fünf Prozent auf 128.850. In Italien kommen viele Bootsflüchtlinge über das Mittelmeer an.

Deutliche Zuwächse gab es auch in Frankreich mit 99.330 Anträgen – ein Plus von 18 Prozent. In Griechenland erhöhten sich die Antragszahlen um 15 Prozent auf 58.650. Die stärksten Anstiege verzeichneten Rumänien (plus 156 Prozent auf 4815 Anträge) und Spanien (plus 98 Prozent auf 31.120 Anträge).

EU-Asylreform bis Ende Juni?

Die anhaltend hohen Flüchtlingszahlen sorgen in der europäischen Politik für Turbulenzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht unter dem starken Druck der Schwesterpartei CSU, die die Zuzugszahlen weiter reduzieren und Asylbewerber zum Teil schon an der Grenze abweisen will. Die Kanzlerin strebt dazu eine europäische Lösung an, für die ihr die CSU ein Ultimatum bis Anfang Juli gestellt hat.

Merkel hätte sehen müssen, wie gefährlich der Asyl-Plan ist

Merkels Devise muss lauten: die Fraktion Seehofer nicht besiegen, sondern umarmen. Wenn nun Schäuble die Union nicht retten kann, dann „isch over“. Ein Kommentar.

Rückendeckung im Asylstreit mit der CSU bekommt Merkel von der EU-Kommission. „Die Kommission teilt die Ansicht, dass nur eine europäische Lösung, eine europäische Vereinbarung diese Frage regeln kann“, sagte ein Sprecher von Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Brüssel. Die Behörde sei „sehr zuversichtlich“, dass eine Einigung bei der europäischen Asylreform bis zum EU-Gipfel Ende Juni möglich sei. Sie schloss auch einen Sondergipfel mit einem Teil der EU-Staaten zur Asylfrage nicht aus.

Auf EU-Ebene kommt die europäische Asylreform allerdings seit Jahren nicht voran. Osteuropäische Länder lehnten eine vorgesehene Umverteilung von Asylbewerbern auf alle EU-Staaten kategorisch ab. Die EU-Innenminister mussten deshalb Anfang Juni das Dossier an den EU-Gipfel Ende Juni zurückgeben.

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