Die neue Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) will über einen möglichen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in China gemeinsam mit der Bundesregierung und den europäischen Partnern entscheiden.
„Wenn eine Frau solche Vorwürfe erhebt, dann muss das auch im internationalen Kontext Gehör finden“, sagte Baerbock am Donnerstag (9. Dezember) in Paris.
Sie spielte damit auf die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai an, die nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen einen Parteifunktionär unter Druck gesetzt worden war.
Darauf müsse eine gemeinsame Antwort gefunden werden, sagte Baerbock, die zu ihrem ersten Auslandsbesuch nach Frankreich gereist war. Die Außenministerin traf am Donnerstagmorgen mit ihrem französischen Kollegen Yves Le Drian zusammen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sieht einen möglichen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking durch die EU jedoch kritisch.
Ein rein diplomatischer, aber nicht sportlicher Boykott wäre eine „sehr kleine und symbolische“ Maßnahme, sagte er am Donnerstag in Paris. Es müsse klar entschieden werden, entweder keine Athleten zu entsenden oder aber international ein anderes gemeinsames Zeichen des Engagements zu setzen.
Mit den europäischen Partnern und in Verbindung mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) „werden wir sehen, welche Entscheidung in den nächsten Wochen zu treffen ist“, sagte Macron weiter.
Die USA sowie Kanada, Australien und Großbritannien haben bereits einen diplomatischen Boykott beschlossen. Die Staaten kündigten an, wegen Menschenrechtsverletzungen in China keine Regierungsvertreter zu den Olympischen Spielen im Februar zu entsenden. Sportler dieser Länder werden aber an den Spielen teilnehmen. Peking drohte den Staaten indes mit Konsequenzen.
Die Olympischen Spiele finden vom 4. bis 20. Februar statt. Aufgrund der Corona-Pandemie und entsprechenden Einreisebeschränkungen werden wohl ohnehin nur wenige Staats- und Regierungschefs nach Peking reisen. Am Donnerstag sagte jedoch UN-Generalsekretär António Guterres seine Teilnahme zu. Er habe eine Einladung des Internationalen Olympischen Komitees erhalten und habe sie angenommen, erklärte sein Sprecher.

