Deutscher Botschafter besucht Yücel und Steudtner in türkischer Haft

epa05820982 Protestors make their way and hold sheets reading 'Free Deniz' during a motorcade on the occasion of the solidarity for the German-Turkish journalist Deniz Yucel in Vienna, Austria, 28 February 2017. The Turkey correspondent of the German Newspaper 'Die Welt' is held in custody of Turkish police since 14 February and charged with membership in a terrorist organization, spreading propaganda and misuse of information. EPA/LISI NIESNER

Der deutsche Botschafter in der Türkei hat am Dienstag die beiden dort inhaftierten Deutschen, Peter Steudtner und Deniz Yücel, im Gefängnis besucht. Martin Erdmann habe im Gefängnis Silivri westlich von Istanbul jeweils mehr als eine Stunde mit Yücel und Steudtner sprechen können, hieß es am Abend aus dem Auswärtigen Amt.

Es war das erste Mal seit Steudtners Festnahme Anfang Juli, dass ein deutscher Botschaftsvertreter Zugang zu ihm erhielt. Erdmann habe sich davon überzeugen können, dass es Steudtner und Yücel „den Umständen entsprechend gut“ gehe, hieß es. Beide Gespräche seien „intensiv“ gewesen.

Der Menschenrechtler Steudtner war am 5. Juli auf der Insel Büyükada vor Istanbul festgenommen worden, als er ein Seminar für türkische Menschenrechtsaktivisten leitete. Neben Steudtner wurden auch der schwedische IT-Spezialist Ali Gharavi und neun türkische Menschenrechtler festgenommen, darunter die türkische Amnesty-Direktorin Idil Eser. Ihnen wird die Unterstützung einer nicht genannten Terrororganisation vorgeworfen.

Der „Welt“-Korrespondent Yücel sitzt bereits seit dem 14. Februar in Haft. Der deutsch-türkische Journalist hatte sich damals freiwillig der Polizei in Istanbul gestellt. Ihm werden „Terrorpropaganda“ und „Volksverhetzung“ vorgeworfen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen „Spion“ und „Agenten“ der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Auch Steudtner nannte er einen „Spion“.

Bundesregierung unterstützt Yücel bei Klage vor EU-Menschenrechtsgerichtshof

Die Bundesregierung wird im Verfahren um den inhaftierten Türkei-Korrespondenten Deniz Yücel vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Stellung beziehen.

Botschafter Erdmann will auch die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu im Gefängnis besuchen. Die junge Frau wurde Ende April in Istanbul festgenommen und sitzt mit ihrem zweijährigen Sohn im Frauengefängnis Bakirköy. Ihr wird Mitgliedschaft in der verbotenen linksextremen Gruppierung MLKP vorgeworfen. Wie auch bei Yücel und Steudtner dringt die Bundesregierung auf ihre Freilassung.

Obwohl Tolu und Steudtner als deutsche Staatsbürger ein Anrecht auf konsularische Betreuung haben, gewährte die türkische Justiz Vertretern der deutschen Botschaft nur nach langem Drängen Zugang zu den Inhaftierten. Ihre anhaltende Inhaftierung belastet die deutsch-türkischen Beziehungen massiv. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) warf Erdogan kürzlich vor, die Deutschen als „Geiseln“ zu halten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.