Der islamische Einfluss am Balkan

Der arabische Sender „Al Jazeera“ betreibt einen eigenen Sender auf dem Balkan. [Muhammad Basheer/fickr]

Seit acht Jahren sendet der arabische Sender „Al Jazeera“ ein eigenes TV-Programm in jene Staaten, die aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangen sind. Jetzt wird der Ruf laut, besonderes Augenmerk auf eine islamische Einflussnahme am Balkan zu legen.

Es gibt eine Entwicklung am Balkan, der zu wenig Augenmerk von der EU geschenkt wird: der schleichende Einfluss, den die islamische Welt auf den süd-östlichen Teil Europas auszuüben versucht. Mittlerweile beginnen Araber aus den reichen Golfstaaten den Balkan für sich zu entdecken, nicht nur als Touristen. Sie bauen Shopping Malls, riesige umzäunte Villensiedlungen und betreiben mittlerweile einen Sender, der die gesamte Region von der Grenze zu Österreich im Norden bis zu jener Griechenlands im Süden mit einem TV-Programm versorgt.

„Al Jazeera Balkans“ wurde 2011 gegründet und ist Teil des gleichnamigen größten islamischen Medien-Networks mit Sitz in Doha. Sein Eigentümer ist Scheich Hamad bin Chalifa Al Than, bis 2013 Staatsoberhaupt des Emirates Katar. Der Sender hat seinen Hauptsitz in Sarajevo, Studios befinden sich in Belgrad, Zagreb und Skopje. Al Jazeera sendet sechs Stunden täglich ein Programm in den jeweiligen Landessprachen, das sich an Bosnien und Herzegowina, Serbien, den Kosovo, Montenegro, Slowenien und Mazedonien richtet. In der restlichen Zeit werden Inhalte vom Schwestersender Al Jazeera English übernommen.

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Hinter Al Jazeera steht die Muslimbrüderschaft

Ednan Aslan, Professor für islamische Religionspädagogik am Institut für Islamisch-theologische Studien der Universität Wien, findet im Gespräch mit EurActiv, dass der Tätigkeit von „Al Jazeera“ in Süd-Ost-Europa viel mehr Augenmerk zugewendet werden sollte. Immerhin versteht sich zumindest die arabische Version des Senders als Propagandainstrument der „Muslimbrüderschaft“, die regelmäßig zum Heiligen Krieg aufruft. Nach Beobachtung vieler Nahostexperten trägt das arabischsprachige Programm von Al Jazeera wesentlich zur islamistischen Radikalisierung des arabischen Raumes bei. Wenngleich seitens der Sender-Verantwortlichen betont wird, dass das englisch-sprachige Programm eine ganz andere Linie vertreten würde, so sieht Aslan doch die Tendenz vertreten, „Europa schlecht zu machen“. Er habe es daher auch jüngst abgelehnt, als das Kopftuchverbot in Österreich zur Debatte stand, dem Sender ein Interview zu geben.

Der anerkannte Islam-Experte, der vor einiger Zeit mit einer Studie über Probleme in Wiener türkischen Kindergärten für eine heftige öffentliche Diskussion sorgte, spricht sich dafür aus, dass Österreich auch die kommende EU-Ratspräsidentschaft nützt, um für eine entsprechende Bewusstseinsschärfung bezüglich der Entwicklung am Balkan zu sorgen. Hier müsse Brüssel einfach aktiver werden. Dabei geht es um weit mehr als nur die Vorbereitung von Beitrittsverhandlungen zur Union. Gerade Österreich sollte aufgrund seiner Nähe zu dieser Region und den historischen Verbindungen insbesondere Projekte im Bildungs- und Kulturbereich entrieren sowie auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften pflegen.

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Der politische Islam im Fokus

Zu jenen, die sich mit dem politischen Islam auseinandersetzen zählt vor allem Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Er hat erst jüngst bei einem Treffen mit den EU-Parlamentschefs eine Debatte gefordert: „Wir werden nicht umhinkommen, auch eine Debatte über einen europäischen Islam zu führen, um friedliche und gut integrierte Muslime in Schutz zu nehmen und Radikalisierung in unserer Gesellschaft keinen Raum zu geben“. Die EU müsse entschlossen und koordiniert gegen Bedrohungen der inneren Sicherheit auch gegen religiösen Radikalismus vorgehen.

Angesprochen auf die Tätigkeit von „Al Jazeera“ am Balkan, sieht Sobotka durchaus begründeten Anlass, sich auch mit der medialen Einflussnahme durch muslimische Netzwerke auseinanderzusetzen. Ein von ihm in Vorbereitung befindliches Symposion über den politischen Islam könnte sich unter anderem auch mit dieser Frage auseinandersetzen.

Um für ein entsprechendes Gegengewicht zur „Berieselungstaktik“ von Al Jazeera zu sorgen, wobei zwischenzeitlich auch türkische Medien-Aktivitäten zu beobachten sind, stehen mehrere Möglichkeiten zur Diskussion. Diese reichen vom Aufbau eines Social-Media-Networks bis zum Ausbau der Zusammenarbeit mit staatlichen bzw. öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in dieser Region. Darüber hinaus müssten auch europäische Medienhäuser, die am Balkan tätig sind, in eine solche Aktion eingebunden werden, die die Vermittlung eines objektiven Bildes über die EU zum Ziel hat.

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