Der Impf-Musterknabe vom Balkan

In serbischen Messehallen werden Massenimpfungen veranstaltet. [ANDREJ CUKIC/EPA]

Serbien ist nicht in der Europäischen Union und meilenweit von Deutschlands Wirtschaftskraft entfernt. Doch bei den Corona-Impfungen geht es in dem Balkanland deutlich schneller voran als hierzulande und in den anderen EU-Ländern.

Das Nicht-EU-Land Großbritannien ist das einzige Land in Europa, in dem der Anteil der Geimpften derzeit höher liegt als in Serbien. Zum Rezept der Regierung in Belgrad gehört, dass sie sich auch aus China und Russland mit Corona-Impfdosen beliefern lässt.

In der großen Messehalle in Belgrad haben Dutzende Krankenschwestern in Schutzanzügen schon zahlreiche Corona-Impfspritzen alten ebenso wie jungen Menschen injiziert. Seit dem 24. Dezember wurden landesweit bereits mehr als 544.000 Impfdosen verabreicht. Bis Sonntag wurde ein Anteil von 8,0 Impfdosen pro 100 Einwohner erreicht. In Deutschland betrug diese Quote hingegen nur 3,9 Prozent, wie die wissenschaftliche Website „Our World in Data“ auflistet.

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Während die EU mit westlichen Firmen wie Astrazeneca wegen verzögerter Vakzin-Lieferungen streitet, stehen für die Menschen in Serbien auch Impfdosen aus anderen Weltregionen bereit. Wer einen Impftermin vereinbart, kann derzeit zwischen dem Mittel von Biontech/Pfizer, dem russischen Vakzin Sputnik V und dem Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinopharm wählen. Die Impfdosen aus der Volksrepublik machen den Löwenanteil aus, nachdem Serbien Mitte Januar eine Million Dosen von Sinopharm erhalten hatte.

Der populistische serbische Präsident Aleksandar Vucic führt die Erfolge beim Impfen auf seine kluge Diplomatie und politische Freundschaften zurück und inszeniert sich als Held in der Corona-Krise. „Ich habe Xi Jinping im Oktober geschrieben und der Preis wurde drastisch reduziert“, sagte Vucic örtlichen Medien über seine Verhandlungen mit dem chinesischen Staatschef über die Sinopharm-Lieferungen.

„Wenn Sie den Preis erfahren, werden Sie eines Tages ein Denkmal zu meinenEhren errichten“, fügte Serbiens Staatschef unbescheiden hinzu.

EU-Kommission ordert bis zu 300 Millionen weitere Impfdosen von Biontech/Pfizer

Die Brüsseler Behörde habe am Montag eine entsprechende zweite Abmachung mit den beiden Unternehmen abschließend angenommen.

In der Belgrader Messehalle dauert es bis zur Impfung oft nur 15 Minuten. Nach einem kurzen Gesundheits-Check-up folgen die Impflinge roten Pfeilen auf dem Boden zum Registrierungsbereich und von dort in die Impfkabinen.

In dem für seine zermürbende Bürokratie bekannten Serbien waren die zügigen Impfungen für manchen eine Überraschung. „Alle wussten genau, was sie taten, es gab genug Personal und alle waren nett“, sagt die 38-jährige Snezana Krivokapic nach Erhalt ihrer Spritze.

Neben den eine Million Impfdosen aus China hat Serbien 40.000 Dosen Sputnik V und 30.000 Dosen des deutschen Unternehmens Biontech erhalten. Vucic kündigte kürzlich an, vor März bekomme Serbien eine Million weitere Impfdosen von „Freunden“.

„Vucic, Putin und Xi retten Serbien“, fasste es eine regierungsfreundliche Boulevard-Zeitung mit Blick auf die Staatschefs von Serbien, Russland und China zusammen. Dieser Sichtweise folgen viele, nachdem Vorwürfe gegen die EU laut geworden sind, sie lasse die Westbalkanländer im Ringen um Corona-Impfungen im Stich. Abgesehen von Albanien ist Serbien das einzige Land der Region, das schon mit der Immunisierung begonnen hat.

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Schon zu Beginn der Pandemie hatte China deutlich mehr als die EU geholfen, als das Balkanland dringend Masken und andere Schutzausrüstung brauchte. Die Beziehungen der beiden Länder sind in den vergangenen Jahren ohnehin immer enger geworden. Für Peking ist das Balkanland ein interessanter Partner, um seinen wirtschaftlichen Einfluss in Europa zu vergrößern.

Innerhalb der EU ist Ungarn das einzige Land, das auch Corona-Impfstoffe aus China und Russland zugelassen hat. Von dem Sinopharm-Vakzin orderte das Land nach eigenen Angaben fünf Millionen Dosen. Regierungschef Viktor Orban lobte kürzlich Serbiens „inspirierendes Beispiel“ bei der Impfstoff-Beschaffung. Das Nachbarland sei ein „Labor“ um zu testen, wie es mit dem Sinopharm-Vakzin läuft.

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