Davos: Warten auf die nächste Krise

Mögliche Verbündete bei einem Militärschlag gegen Syrien. [Julien De Rosa/EPA]

Die Entwicklung der Menschheit sei „in Gefahr“ und der aktuelle wirtschaftliche Aufschwung könnte die Wurzeln der nächsten großen Krise kaschieren, schreibt das Weltwirtschaftsforum in seinem jährlichen Global Risks Report, der am gestrigen Mittwoch vorgestellt wurde.

Die Wirtschaft taugt wohl nicht mehr als globaler Stimmungsmesser. Denn eigentlich sollte die Laune prächtig sein: Die Weltwirtschaft wächst seit Jahren, die wirtschaftliche Erholung geht zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise in allen großen Wirtschaftsnationen weiter und Unternehmer wie Verbraucher zeigen sich robust optimistisch.

Dennoch wird die Stimmung gedrückt sein, wenn sich 2500 Wirtschafts- und Politikführer, darunter 70 Staats- oder Regierungschefs, kommende Woche (23.-26. Januar) im schweizerischen Davos treffen.

Seit einigen Jahren sorgt sich die Elite um mögliche Risiken der fortschreitenden digitalen Revolution und die Schattenseiten der Globalisierung. Diese Phänomene könnten die Ungleichheiten zwischen den Staaten der Welt weiter verschärfen.

Inmitten der Unzufriedenheit und Unsicherheit aufgrund dieser Entwicklungen rief das Weltwirtschaftsforum vergangenes Jahr zu „fundamentalen Reformen des Marktkapitalismus“ auf – nur wenige Tage, bevor Donald Trump sein Amt als US-Präsident antrat.

Davos-Bericht: "Das kapitalistische Wirtschaftsmodell funktioniert nicht mehr"

Die Demokratie steckt in einer „tiefen Krise“, warnt eine Studie. Technologische Umbrüche verschärfen die Ungleichheiten weiter, darum müsse man sich auf „inklusives“ Wachstum konzentrieren. EURACTIV Brüssel berichtet.

Im diesjährigen Bericht heißt es, die „systemischen Herausforderungen“ hätten sich verschärft; „Unsicherheit, Instabilität und Fragilität wuchern.“ Zwar hätten die meisten Menschen dieser Erde inzwischen den höchsten Lebensstandard der Geschichte, doch die Welt zeige sich unfähig, mit komplexen Problemen und Risiken umzugehen.

„Die beschleunigte Verflechtung und Verbindung in allen Bereichen des menschlichen Lebens bringen die Aufnahmekapazitäten von Institutionen, Kommunen und Einzelpersonen an ihre Grenzen.“ Dadurch sei die Entwicklung der Menschheit in Zukunft in Gefahr, heißt es.

Grund dafür sei fehlende Kooperation für positive Veränderungen. Insbesondere Trumps „America First“ ist ein Beispiel für solchen Isolationismus und Nationalismus, der der globalen Zusammenarbeit schadet.

Der US-Präsident wird nächste Woche Freitag in Davos sprechen.

Einkommensunterschiede

Seit Trump vor einem Jahr ins Weiße Haus einzog, hat sich viel getan – eine Reduzierung der Ungleichheit, die vor einem Jahr in der Schweiz besprochen wurde, gehört nicht dazu. In der Auflistung über die globalen Gefahren der kommenden zehn Jahre stehen auch im aktuellen Bericht wieder „Wachsende Einkommens- und Wohlstandsunterschiede“.

Darüber hat sich der globale geschlechterspezifische Graben in den Feldern Gesundheit, Bildung, Politik und Arbeitsplätze 2017 zum ersten Mal vergrößert, seit das Weltwirtschaftsforum im Jahr 2006 anfing, diese Daten zu erfassen.

Juncker nimmt am Weltwirtschaftsforum in Davos teil

Erstmals seit 20 Jahren nimmt Juncker wieder am Weltwirtschaftsforum in Davos teil. Für die EU ein Symbol der Bekenntnis zum Multilateralismus.

Der Bericht warnt vor dieser weiterhin bestehenden Ungleichheit, negativen Effekten der digitalen Revolution, hoher struktureller Arbeitslosigkeit und einer Ausweitung der Unterbeschäftigung sowie der hohen Verschuldung, insbesondere in China. Es müsse „genauer auf die Risiken des Ausbruchs einer neuen Krise“ geachtet werden.

Das Forum kritisierte insbesondere protektionistische Maßnahmen „im Rahmen wachsender nationalistischer und populistischer Politik”.

Bereits vergangenen September hatte Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, gemahnt: „Unsere Antwort muss die Entwicklung neuer Modelle für Zusammenarbeit sein, die nicht auf eng gesteckten Individualinteressen basieren, sondern auf dem Schicksal der Menschheit als Ganzes.“

Es bleibt abzuwarten, ob diese Ansage bei der US-Delegation angekommen ist.

Moscovici: "Wir wissen nicht, wie Trumps Wirtschaftspolitik aussehen wird"

US-Präsident Donald Trump gegenüber müsse man abwarten, stimmt Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici in den allgemeinen Davos-Konsens mit ein. Dennoch erwartet er mehr Nationalismus und Protektionismus aus dem Weißen Haus. EURACTIV Brüssel berichtet.

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