Davos: Modi kritisiert Protektionismus und wirbt für „neues Indien“

Indiens Premierminister Narendra Modi beim Wirtschaftstreffen in Davos. [World Economic Forum]

Nachdem sich China im vergangenen Jahr in Davos als Retter der Globalisierung stilisierte und um neue Investitionen warb, war es dieses Jahr Indiens Premierminister Narendra Modi, der Protektionismus kritisierte und ein „neues Indien“ präsentierte.

„Die Kräfte des Protektionismus fordern die Globalisierung heraus. Sie wollen nicht nur die Globalisierung bekämpfen, sondern sie rückgängig machen,“ sagte Modi in seiner Rede vor Führern aus Wirtschaft und Politik beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

„Als Resultat sehen wir neue Arten von Zollschranken und nicht-tarifären Handelshemmnissen. Bilaterale und multilaterale Handelsabkommen und Verhandlungen sind zum Stillstand gekommen. Die meisten Staaten erleben eine Reduzierung der grenzüberschreitenden Finanzinvestitionen und das Wachstum in der globalen Wertschöpfungskette hat ebenfalls gestoppt,“ so der indische Premierminister. Er erklärte weiter, man müsse den Wandel in der Weltwirtschaft hinnehmen und entsprechende flexible Maßnahmen ergreifen.

Modis Besuch in Davos ist der erste Auftritt eines indischen Premierministers beim Weltwirtschaftsforum seit 1997. Er kam dieses Jahr mit der größten indischen Delegation aller Zeiten; mit sechs Ministern – darunter Finanzminister Arun Jaitley und Handelsminister Suresh Prabhu – sowie über 100 CEOs.

In seiner Rede unterstrich der Premier auch, was sein Land von einer anderen Weltmacht, nämlich China, unterscheidet: Indien sei ein sehr diverses Land und die größte Demokratie der Welt. Darüber hinaus habe das Land die am schnellsten wachsende Wirtschaft unter den globalen Mächten.

Deutschland wirbt um Indien

Nach den Meinungsverschiedenheiten mit US-Präsident Donald Trump in der Handels-, Klima- und Flüchtlingspolitik beim G7-Gipfel regiert Deutschland – und baut seine Beziehungen zu Indien massiv aus.

Die G7 und China überholen

Laut einer Studie des Centre for Economics and Business Research wird Indiens Wirtschaft die Großbritanniens und Frankreichs dieses Jahr überholen. Das Land wäre dann die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Aus Sicht des Weltwirtschaftsforums könnte Indien mit den richtigen Investitionen in seine Wertschöpfungskette bald sogar China überholen.

Der IWF sagt für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent heraus. Internationale Banken sehen es ähnlich und erwarten Zuwachs zwischen 7,0 (Standard Chartered und HSBC) und 7,5 Prozent (Nomura und HSBC) in Indien. Chinas „reifende“ Wirtschaft wird solche Wachstumsraten wohl nie mehr erreichen.

„Investitionen in Indien sind Investitionen in die Zukunft,” sagte Modi mit Hinweis auf die relative junge Bevölkerung, die große Zahl an gut ausgebildeten Fachkräften und dem 2025 wohl drittgrößten Endverbrauchermarkt der Welt.

Die Agentur Invest India und das Department of Industrial Policy and Promotion (das dem Wirtschaftsministerium untersteht) bewarben ebenfalls das „Neue Indien“, das 2025 eine Wirtschaftskraft von 5 Billionen US-Dollar und eine Mittelklasse von 550 Millionen Menschen haben werde.

In Bezug auf die Kooperation mit Europa hapert es allerdings noch: Indien und die EU verhandeln seit 2007 ein Freihandelsabkommen. Diese Verhandlungen sind aus diversen Gründen – meist ging es um Marktzugang für bestimmte Produktgruppen – jedoch immer wieder ins Stocken geraten.

Einige Beobachter sehen den EU-Indien-Gipfel im vergangenen Jahr aber als Wendepunkt: Die europäisch-indischen Beziehungen hätten sich durch die Schaffung einer Plattform für Klima- und Energiekooperation sowie einer Partnerschaft für nachhaltige Urbanisierung in eine echte strategische Partnerschaft gewandelt.

Beim Gipfel 2017 versprach auch die Europäische Investitionsbank, weitere 800 Millionen Euro in Solarprojekte in ganz Indien zu investieren. Darüber hinaus wurde ein Mobilitätsabkommen für junge Wissenschaftler geschlossen.

Handelsabkommen mit Indien angestrebt

Beim 14. EU-Indien-Gipfel ging es letzte Woche neben der Sicherheitspolitik vor allem um handelspolitische Fragen.

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