Chinesen wollen trotz Brexit in Großbritannien investieren

Chinas Premier Li Keqiang mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker während des EU-China Business Summit in Brüssel im Juni. [European Commission]

Während die Brexit-Verhandlungen weiter vor sich hin dümpeln, haben chinesische Investoren ihren Willen bekundet, in den kommenden Jahren in Großbritannien zu investieren – trotz der Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen EU-UK-Beziehungen.

Eine am Montag veröffentlichte Studie zeigt, dass chinesische Investoren sich durch den Brexit nicht abschrecken lassen wollen: Deutlich mehr als die Hälfte (58 Prozent) der 81 chinesischen Unternehmen, die im Global Investment Decision Makers Survey befragt wurden, gaben an, dass sie in den kommenden fünf Jahren höchstwahrscheinlich in Großbritannien investieren werden.

Dieser Wert ist sogar höher als für den Rest der EU, wo 47 Prozent der befragten Unternehmer investieren wollen.

Für Michael Collins, CEO von Invest Europe, zeigen diese Zahlen die „Stärke des Vereinigten Königreichs sowie der EU-Wirtschaft“. Gegenüber EURACTIV.com sagte er: „Obwohl der Brexit neue Herausforderungen darstellt, sehen die chinesischen Investoren nach wie vor gute Möglichkeiten.“

Im Gegensatz dazu erklärten 55 Prozent der in Deutschland und 52 Prozent der in Frankreich ansässigen Investoren, sie werden aufgrund des EU-Ausstiegs wohl weniger in Großbritannien investieren. Aus den USA heißt es überwiegend, man wolle seine Pläne für die kommenden Jahre vorerst nicht verändern.

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Die EU will weiter auf ein Investitionsabkommen mit China drängen, allerdings nur, wenn Peking mehr Bereitschaft zu fairen Wirtschaftsbeziehungen zeigt.

Für die Studie wurden ungefähr 360 Führungskräfte diverser Firmen befragt. In Auftrag gegeben hatte sie Invest Europe im Vorfeld der gerade gestarteten Invest Week.

Die Einstellung der chinesischen Firmen scheint sich jedoch nicht nur von der der deutschen und französischen Konkurrenz zu unterscheiden: „Nahezu alle unsere Mitglieder erwarten, dass der Brexit Auswirkungen auf ihre Firmen haben wird,“ so Benoît Potier, Vorsitzender des European Round Table of Industrialists (ERT), einer europaweiten Unternehmervereinigung.

Er glaubt: „Ein harter Brexit wäre verheerend für Investitionen und Jobs.“

Optimismus

Dennoch sind die europäischen Unternehmen in Bezug auf ihre Zukunft im Allgemeinen zuversichtlich. Insgesamt 80 Prozent der ERT-Mitglieder, darunter einige der größten europäischen Firmen, sind optimistisch, was die europäische und globale Wirtschaft anbelangt, zeigt eine weitere, ebenfalls am Montag veröffentlichte Umfrage.

Portier warnte trotzdem, dieser Optimismus komme „in einer Zeit nie dagewesener Herausforderungen für Europa“. Er verwies dabei sowohl auf den Brexit als auch auf wachsende Handelsbarrieren weltweit.

Da die europäischen Investitionen nach wie vor unter den Werten vor der Krise liegen, hoffen die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten vor allem auf ausländisches Geld als Motor, der die nationalen Wirtschaften weiter bzw. wieder ankurbeln kann.

Chinesischen Unternehmern erscheint gerade die EU besonders vertrauenserweckend. 93 Prozent sagten, Brüssel bemühe sich „ernsthaft“, für internationale Investoren attraktiv zu sein. Das gilt weniger für Investitionen in die USA (77 Prozent) oder in Deutschland (43 Prozent).

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Trotzdem bleiben die Handelsbeziehungen zwischen China und der EU schwierig. Die beiden Partner haben es auch nach fünf Jahren und 15 Verhandlungsrunden nicht geschafft, ein Investitionsabkommen zu schließen. Darüber hinaus äußern die Kommission und die größten EU-Länder Bedenken, dass China sich in immer mehr strategisch wichtige europäische Firmen einkaufen könnte.

„Ausländische Direktinvestitionen sind ein wichtiges Mittel für Wachstum, Jobs und Innovation, aber wir können nicht einfach ausblenden, dass in manchen Fällen eine Übernahme durch ausländische Investoren unseren Interessen entgegenstehen kann,“ sagte Kommissions-Vizepräsident Jyrki Katainen im September.

Tatsächlich haben chinesische Firmen im zweiten Quartal 2017 insgesamt 3,87 Milliarden US-Dollar in der EU investiert. Das ist der niedrigste Stand seit Ende 2015. Im Gegenzug gaben europäische Unternehmen im selben Quartal in China 1,88 Milliarden Dollar aus – im Vergleich zu 1,77 Milliarden in den ersten drei Monaten des Jahres. Auch diese Werte liegen jedoch deutlich unter den Investitionen vor zwei Jahren.