„Cashew bedeutet Zukunft“

Cashewkerne sind teurer als viele andere Nuss- und Kernsorten, da pro Cashewapfel nur ein einziger Kern gebildet wird und Ernte sowie Verarbeitung sehr aufwändig sind. [luis2499/shutterstock]

Sie sollen nicht nur glücklich machen, sondern auch das Herz stärken: Cashewnüsse. Durchschnittlich ein Kilo jährlich verzehrt der Europäer von dieser Nuss, die eigentlich ein Kern ist. Die Nachfrage nach dem trendigen “Superfood” steigt so kräftig, dass die Produktion des führenden Anbaulandes Indien längst nicht mehr ausreicht. Auch deshalb beteiligen sich am Wettlauf der Cashew-Produzenten um eine gute Weltmarktpositionierung immer mehr afrikanische Länder. Eines davon ist Tansania.

Früher habe sein Großvater seine Familie und die seines Bruder von den Erlösen der jährlichen Cashew-Ernte ernähren können, sagt Yusuf. Er ist Landwirt in Tandahimba, in der Region  Mtwara an der südlichen Grenze Tansanias zu Mosambik. Früher, damit meint Yusuf die 1970er Jahre, eine Zeit in der Tansania weltweit führend im Export von Cashewnüssen war. Seitdem ist viel passiert. Tansania zählt inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika und weltweit. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 2010 mehr als verdreifacht.  

Wachstumsraten von denen Cashew-Bauern wie Yusuf allerdings nur träumen können. Fehlender Zugang zu den Märkten, zu Weiterbildung, Finanzierungsmöglichkeiten und landwirtschaftlichen Innovationen sorgten dafür, dass sich die Lage der Cashew-Bauern seit den siebziger Jahren stetig verschlechterte. Desertifikation und Klimawandel taten das Ihrige. So kam es, dass die meisten der Cashewnüsse im europäischen Lebensmittelhandel inzwischen aus Indien kommen.

Nach der Ernte werden die Cashewnüsse von den Cashewäpfeln gelöst und anschließend zunächst getrocknet. Traditionell werden sie dazu ein paar Tage lang in der Sonne ausgelegt.

Dennoch hat sich Yusuf vor fünf Jahren entschieden, den Anbau von Cashewnüssen wieder aufzunehmen. Damals hat er nicht nur das Land mit einem Altbestand an Cashewnuss-Bäumen von seinem Großvater übernommen, sondern auch alles von ihm über die Anzucht und Pflege gelernt. Dass die Cashewkerne im Handel teurer sind als viele andere Nuss- und Kernsorten liegt auch daran, dass pro Cashewapfel nur ein einziger Kern gebildet wird und die Ernte als auch die  Verarbeitung sehr aufwändig sind. “Es braucht bis zu fünf Jahren, bevor ein Cashewbaum zum ersten Mal Äpfel trägt”, erzählt Yusuf. “Um die bestmögliche Qualität zu erreichen, müssen die Bäume regelmäßig beschnitten werden.”

Yusufs Cashewnüsse und die der anderen Bauern aus Tandahimba gehören zu denen bester Qualität nach europäischen Standards, die in Tansania geerntet werden. Mit einer Produktion von mehr als 70.000 Tonnen im vergangenen Jahr ist Tandahimba der größte Cashew-produzierende Bezirk des Ostafrikanischen Landes. 

Wenn die Cashewnüsse getrocknet sind, muss ihre Schale geknackt und entfernt werden, da diese ein giftiges Öl enthalten. Dazu werden die Nüsse geröstet.

Laut Statistik der FAO gehört Tansania wieder zu den größten Produzenten Afrikas und zu den zehn größten weltweit (2016 auf Platz 6 der internationalen Produzenten).  Cashewnüsse sind und bleiben nach den Plänen der tansanischen Regierung auch für die Zukunft ein wichtiges Exportprodukt. Allein im vergangenen Jahr machten die Erlöse aus den 265.000 Tonnen produzierten Cashewnüssen zehn bis 15 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes aus.

Noch werden 65 Prozent der Exportsteuer über das tansanische Cashew Board  (CBT) an die Bauern zurückgeführt. Die verbleibenden Einnahmen, fließen in einen staatlichen Cashewnuss-Fonds. In den gegenwärtigen Diskussionen zum tansanischen Haushalt ist geplant, das Gesetz über diese Cashewnuss-Fonds zugunsten der Fonds zu ändern. Abgeordnete aus den südlichen Regionen Mtwara und Lindi wie Ahmad Katani (CUF) haben wenig Verständnis dafür. “Die Bauern aus dieser Region brauchen jeden Schilling aus den Erlösen”, so Katani. “Die Einnahmen aus dem Cashew-Anbau bilden für viele die wichtigste Einnahmequelle.”

Cashew-Fabrik in Mtwara: Nach der Röstung erfolgt eine weitere Qualitätskontrolle.

Um diese in Zukunft nicht nur abzusichern, sondern zu erhöhen gibt es Vorschläge für eine „Steuerstruktur“ zugunsten lokaler Verarbeiter. Bisher werden nur zehn Prozent der Cashewnuss-Produktion Afrikas innerhalb der jeweiligen Ursprungsländer weiterverarbeitet. Auch in Tansania ist die Vermarktung von rohen Cashewnüssen für externe Märkte zur weiteren Verarbeitung weitgehend durch Käufer aus Indien monopolisiert. Eine steuerliche Abgabe auf die rohen Nüsse und eine Befreiung für verarbeitet Produkte könnte die tansanische Industrie unterstützen und die Vermarktung für die Vermarktung der Ernte von Bauern wie Yusuf berechenbarer machen.

Zudem könnten so auch die Cashew-Äpfel besser weiterverarbeitet werden  – zu Getränken, Lebensmittelprodukten wie Apfelmehl oder als Viehfutter. Kleinbauern wie Yusuf hoffen darauf, dass künftig mehr staatliche Mittel in die Unterstützung der Produzenten und die Verarbeitung ihrer Produkte fließen und die Cashewnuss weiterhin eine bedeutende Einnahmequelle für ihn bleibt. In Swahili bedeutet kesho “morgen”, erklärt Yusuf. „Cashew bedeutet für mich “Zukunft”…”

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