Burkina Faso: Mit Essig gegen Gebärmutterhalskrebs

Eine erstaunlich einfache und preiswerte Praxis unter Verwendung von Essig könnte ein Durchbruch im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs in Burkina Faso sein. [akvorsr]

Eine erstaunlich einfache und preiswerte Praxis, um Gebärmutterhalskrebs zu entdecken, könnte einen Durchbruch im Kampf gegen Krebs in Burkina Faso bedeuten.

Ärzte in dem afrikanischen Land nutzen für die Methode Essig, der billig und einfach zu bekommen ist. Destillierter Essig wird mit Hilfe eines Wattebausches am Gebärmutterhals aufgetragen. Der Arzt kann den Effekt dann mit bloßem Auge erkennen: von Krebs befallene Zellen färben sich durch den Essig weiß, gesunde Zellen ändern ihre Farbe nicht.

Diese Methode ist mit ungefähr 4 Dollar erheblich billiger, als die etablierten Tests. Das kommt besonders Frauen in ländlichen Gebieten zugute, die aufgrund der hohen Preise und trotz Aufrufen der Regierung bisher nicht zu Vorsorgeuntersuchungen gingen.

In einem Land, in dem 45 Prozent der Bevölkerung von unter 1,25 Dollar am Tag leben müssen, sind Testverfahren wie Abstriche und Untersuchungen mit humanen Papillomaviren (HPV) für Millionen Frauen, insbesondere auf dem Land, schlicht nicht bezahlbar. Darüber hinaus halten sich traditionelle Vorstellungen, in denen Krebs nicht mal existiert, weil es keinen lokalen Namen für die Krankheit gibt. Es ist daher schwierig, eine Frau, die sich gesund fühlt – und für die wichtiger ist, dass ihre Familie genug Essen auf den Tisch hat – dazu zu bewegen, ein Krankenhaus für Vorsorgeuntersuchungen aufzusuchen.

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Krebs entwickelt sich in Burkina Faso aber zum nationalen Gesundheitsproblem. Laut Schätzungen wird Gebärmutterhalskrebs bei jährlich 1155 Frauen diagnostiziert, und 845 sterben an der Krankheit. Damit ist diese Art die am häufigsten auftretende Krebserkrankung bei Frauen in Burkina Faso, so das HPV Information Centre, welches Daten über Krebserkrankungen sammelt und auswertet.

In dem westafrikanischen Land ist es schwierig, die Erkrankung zu behandeln: zunächst wegen schlecht ausgestatteter medizinischen Einrichtungen, aber auch, weil die verfügbaren Optionen viel zu teuer sind und das Vermögen der meisten Einwohner bei weitem übersteigen.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Essig-Testmethode deswegen in Burkina Faso enthusiastisch aufgenommen wurde. Sie ist nicht nur billiger, sondern auch sehr viel schneller, als andere Tests. Der Arzt muss keine Proben ins Labor schicken, sondern kann abnormale Läsionen sofort erkennen und eine Behandlung anraten. Außerdem ist die Zahl der Ärzte pro Patient in Burkina Faso nach wie vor niedrig – die einfachen Essigtests können aber auch von anderem Krankenhauspersonal ohne Arztausbildung durchgeführt werden.

Zahlen darüber, wie vielen Frauen in Burkina Faso mit der Essigmethode das Leben gerettet werden konnte, existieren nicht, aber eine ähnliche, 15 Jahre dauernde Studien mit 150000 indischen Frauen zeigte, dass die Zahl der Gebämutterhalskrebsopfer um beinahe ein Drittel (31 Prozent) zurückgegangen waren.

„Die Testmethode mit Essig ist möglicherweise einer der größten Durchbrüche im Kampf gegen Krebs, der ja hauptsächlich von Früherkennung und früher Behandlung abhängt. Krebs ist weltweit auf dem Vormarsch, aber in Afrika waren die Auswirkungen aufgrund der vielerorts mangelhaften medizinischen Einrichtungen und dem Fehlen von Personal viel schlimmer. Da sich die meisten armen Menschen keine teuren Testverfahren leisten können, müssen sie sich auf die ebenfalls unterfinanzierten und schlecht ausgerüsteten öffentlichen Gesundheitssysteme verlassen. Die Entwicklung einer kostengünstigen Testmethode gegen diese Krankheit ist daher eine höchst willkommene Erleichterung“, sagt Dr. Said Ahmed, ein Onkologe aus Nairobi.

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In Burkina Faso praktizieren einige Ärzte die Methode bereits seit 2010. Sie konnten vor allem viele Leben retten, weil sie nicht nur ein billiges Test- sondern auch ein ähnlich günstiges Behandlungsverfahren eingeführt haben: durch die sogenannte kryogene Frostung wird das Wachstum der infizierten Zellen unterdrückt.

„Im Kampf gegen Krebs sind Früherkennung und eine Behandlung, bevor die Zellen bösartig werden, das Wesentliche. Der Grund, warum der ganze afrikanische Kontinent solche Probleme mit der Krankheit hat, ist, dass die Leute sich nicht rechtzeitig überprüfen lassen – entweder, weil es ihnen zu teuer ist, oder aus traditionellem Glauben. Mit der Essigmethode haben wir jetzt einen echten Schlüssel, um die Krebstotenzahlen einzudämmen – Gebärmutterhalskrebs ist noch immer einer der größten Killer in Afrika“, hofft Dr. Ahmed.

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