Bundesregierung geht im Reparations-Streit auf Griechenland zu

Auswärtiges Amt will statt Reparationszahlungen an Griechenland deutsch-griechischen Zukunftsfonds aufstocken. [© Michael Balzer (CC BY-NC-SA 2.0)]

Reparationen nein, aber mehr Geld für die deutsch-griechische Versöhnung: So könnte ein Kompromiss im Streit um Griechenlands Forderung nach Entschädigungszahlungen für deutsche Kriegsverbrechen aussehen. Das Auswärtige Amt zeigt sich offen für die Idee, den deutsch-griechischen Zukunftsfonds aufzustocken.

Reparationszahlungen an Griechenland für deutsche Verbrechen im Zweiten Weltkrieg lehnt die Bundesregierung ab. Sie hält diese Frage für juristisch geregelt. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), zeigt sich nun aber offen dafür, den im vergangenen Jahr vom Außenministerium ins Leben gerufenen deutsch-griechischen Zukunftsfonds mit mehr Geld auszustatten.

Der Fonds verfügt bisher über eine Million Euro im Jahr und soll wissenschaftliche und gesellschaftliche Projekte fördern, die „der Versöhnung und der historischen Aufarbeitung zwischen Deutschland und Griechenland dienen“. Der Fonds nahm im September 2014 anlässlich eines Besuches vom damaligen griechischen Staatsoberhaupt Karolos Papoulias in Berlin die Arbeit auf.

Erklärtes Ziel ist es, durch die Finanzierung einzelner Projekte eine gemeinsame deutsch-griechische Erinnerungskultur zu schaffen und gegenüber den Opfergemeinden ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. Darüber hinaus soll mit dem Fonds die „bislang nur wenig umfangreiche Forschung“ zur gemeinsamen Geschichte gefördert werden. Schließlich seien Beiträge zum Erhalt der jüdischen Gemeinde in Griechenland, besonders in Thessaloniki, geplant.

Grüne: Signale Deutschlands sind wichtig

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, begrüßte die Bereitschaft der Bundesregierung zu einem Ausgleich gegenüber Griechenland. Es sei klar, „dass während der deutschen Besatzung Griechenlands schreckliche Verbrechen begangen wurden“, sagte Beck dem „Handelsblatt“. Er betonte, wie „wichtig heute Signale wären, dass Deutschland sich dieser Geschichte bewusst ist“.

Becks Parteikollegin Renate Künast sprach sich für die Einrichtung einer Stiftung für griechische Opfer der Nazi-Besatzung aus. Sie erwarte, dass die Bundesregierung „ein Zeichen setzt und jenseits der Reparationsdebatte für noch lebende Betroffene eine finanzielle Unterstützung bereit stellt“, sagte Künast am Mittwoch „Spiegel Online“. Eine solche Initiative sei in wenigen Wochen umsetzbar.

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