Bundesentwicklungsminister Müller fodert EU-Afrika-Kommissar

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller meint, man müsse Flüchtlinge "vor Illusionen über Europa warnen". [Carsten Koall/ epa]

Die EU braucht einen eigenen Kommissar, der zwischen der EU und Afrika vermittelt und die milliardenschweren Hilfsprogramme koordiniert, meint Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Flüchtlingen müsste man auch Illusionen von Europa nehmen.

 „Europa ist gerade dabei, Afrika als Jahrhundertchance zu verpassen“, hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) heute der „Rheinischen Post“ gegenüber gesagt. Notwendig sei deshalb ein „EU-Afrika-Kommissar, bei dem alle Fäden einer in sich stimmigen Afrika-Politik zusammenlaufen“.

Der EU-Haushalt müsse endlich neue Prioritäten setzen, statt an Vorstellungen der 80er Jahre festzuhalten, forderte Müller. Von 2021 bis 2027 wolle die EU für Afrika 39 Milliarden Euro ausgeben. Das sei ein Zehntel dessen, was für die Agrarpolitik vorgesehen sei und ein Beleg dafür, wie wenig Afrika als „Chancenkontinent“ wahrgenommen werde. China und Russland investierten hingegen massiv und sicherten sich knappe Rohstoffe wie Coltan und Lithium für die Digital- und Elektroindustrie.

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Mit Blick auf die Flüchtlingskrise sagte Müller, er wolle die Aufklärung in Transitzentren nahe der afrikanischen Herkunftsländer verstärken. „Es sterben drei Mal mehr Flüchtlinge auf dem Marsch durch die Wüste als im Mittelmeer“, sagte Müller der „Rheinischen Post“. Hunderttausende müssten davor bewahrt werden. Zusammen mit Partnern wie Frankreich und Großbritannien wolle er in Nigeria, Eritrea und Somalia noch stärker aktiv werden, dort für stabile Verhältnisse sorgen „und vor Illusionen über Europa warnen“, sagte der CSU-Politiker.

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