Internationale Geldgeber haben sich am Montag (15. April) dazu verpflichtet, mehr als zwei Milliarden Euro für humanitäre Hilfe im Sudan aufzuwenden. 900 Millionen Euro davon kommen von der EU und ihren Mitgliedstaaten.
Genau ein Jahr nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan, der Tausende von Menschen das Leben gekostet hat und durch den Millionen von Menschen von einer Hungersnot bedroht sind, fand eine Internationale humanitäre Konferenz für das Land in Paris statt.
Seit Ausbruch des Krieges im April 2023, als vor allem in der Hauptstadt Khartum Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Teilen der sudanesischen Armee entbrannten, sind rund 15.000 Menschen ums Leben gekommen.
Nach Angaben der Europäischen Kommission sind fast 18 Millionen sudanesische Zivilisten von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Momentan gibt es mindestens 7,1 Millionen Binnenvertriebene, und das Bruttoinlandsprodukt des Landes ist nach Angaben von zivilgesellschaftlichen Organisationen in den letzten sechs Monaten um 25 Prozent gesunken.
Das internationale Forum, das von Frankreich, Deutschland und der EU geleitet wurde, sollte den Konflikt, der sich zur größten Hungerkrise der Welt entwickeln könnte, wieder in den Mittelpunkt des Medieninteresses rücken.
Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Konflikt als „eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt“, die eine „reale Gefahr einer Hungersnot“ mit sich bringe.
Der EU-Krisenkommissar Janez Lenarcic warnte, dass die Menschen im Sudan, „die in dieser Notlage gefangen sind, fast völlig unsichtbar sind.“ Es sei „unsere Pflicht, nicht wegzuschauen.“
Der Druck, mehr Mittel für die humanitäre Hilfe bereitzustellen, sei akuter denn je, da bis zur Konferenz nur fünf Prozent des UN-Hilfsplans in Höhe von 3,86 Milliarden Euro zur Unterstützung des Sudan und der Nachbarländer finanziert wurden, warnte die internationale Organisation.
Mit den neu zugesagten Geldern würde die gesamte internationale Unterstützung etwa die Hälfte des von der UN geschätzten Bedarfs erreichen.
‚Vernachlässigung und Gleichgültigkeit‘
Der Krieg sei in „Vernachlässigung und Gleichgültigkeit“ verfallen, sagte Frankreichs Außenminister Stéphane Séjourné am Montag vor Reportern. Die russische Invasion in der Ukraine und in jüngster Zeit der Krieg zwischen Israel und Gaza hätten die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen.
Macron zeigte auch mit dem Finger auf den „schrecklichen Zynismus“ der regionalen Mächte – Iran, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate – bei der Finanzierung von Rebellengruppen als Teil eines Stellvertreterkrieges. Er forderte sie auf, diese Art der Finanzierung zu beenden.
„Nur die Kriegführenden können diesen Konflikt beenden […] und ich möchte an ihr Verantwortungsbewusstsein appellieren“, fügte er hinzu.
EU-Chefdiplomat Josep Borrell sagte, die nächsten Schritte der internationalen Gemeinschaft sollten darin bestehen, einen dauerhaften Waffenstillstand zu sichern, sicherzustellen, dass humanitäre Konvois die Bedürftigen erreichen können, und einen demokratischen Machtwechsel zu unterstützen.
„Wir müssen weiterhin […] die Kriegsparteien dazu drängen, sich zu einer Einstellung der Feindseligkeiten zu verpflichten, und das kann nur durch internationalen Druck geschehen“, sagte Borrell.
„Wir werden auch darüber nachdenken müssen, Verantwortung einzufordern, unter anderem durch die Verhängung von Sanktionen gegen diejenigen, die den Aussichten auf Frieden entgegenwirken“, fügte er hinzu.
Das Vereinigte Königreich und Kanada gaben am Montag ebenfalls bekannt, dass sie Sanktionen gegen eine Reihe von Geschäftsleuten verhängt haben. Sie werfen ihnen vor, militärische Gruppen zu finanzieren, die an dem Konflikt beteiligt sind.
NGOs, die sich für mehr finanzielle Mittel und einen besseren Zugang nach Khartum eingesetzt hatten, um der lokalen Bevölkerung zu helfen, begrüßten die Zusagen. Kevin Goldberg, Direktor der NGO Solidarités International, sagte jedoch vor Reportern, dass dies „weit unter dem Plan der UN von 4,1 Milliarden Dollar“ liege.
„Der diplomatische Druck auf die Kriegsparteien muss fortgesetzt werden, damit mehr humanitäre Hilfe im Land ankommt“, fügte er hinzu.
Der UN-Sonderbeauftragte für den Sudan, Ramtane Lamamra, rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, „nicht vor denjenigen zu kapitulieren, die im Sudan bewaffnete Gewalt der Diplomatie vorziehen […], ungeachtet anderer globaler Herausforderungen.“
Arif Noor, Landesdirektor für den Sudan bei der internationalen NGO Save the Children, wies darauf hin, dass die „in den ersten 105 Tagen des Jahres 2024“ für den Sudan gesammelten Gelder „weniger als ein Fünftel dessen ausmachen, was in nur zwei Tagen für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre Dame in Paris versprochen wurde.“
[Bearbeitet von Alexandra Brzozowski/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]

