Trumps Geheimakte: Britischer Spion ermittelte auch gegen Georgieva

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Kristalina Georgieva (hier noch in ihrer Rolle als EU-Haushaltskommissarin während einer UN-Sitzung in New York) ist aktuell die Interimspräsidentin der Weltbank. [European Commission]

EXKLUSIV / Christopher Steele, ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter des britischen MI6 und angebliche Quelle zahlreicher Anschuldigungen gegen den designierten US-Präsidenten Donald Trump, soll auch Nachforschungen über Bulgariens Ex-Kommissarin Kristalina Georgieva angestellt haben. EURACTIV Brüssel berichtet.

Am gestrigen Donnerstag eskalierte der Kampf zwischen dem zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump und den amerikanischen Nachrichtendiensten. Zwei US-Vertreter hatten gesagt, man habe ihm und dem amtierenden US-Präsidenten Barack Obama letzte Woche eine Russland-Geheimakte vorgelegt. Die Dokumente enthalten schockierende und nur schwer zu beweisende Anschuldigungen gegen Trump.

Trump: "Leben wir in Nazi-Deutschland?"

Kurz vor seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl gerät der designierte US-Präsident Donald Trump wegen einer angeblich kompromittierenden russischen Geheimakte unter Druck.

„Ich finde es erbärmlich, dass die Nachrichtendienste zugelassen haben, dass falsche und gefälschte Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Das ist wirklich eine Schande. Es ist etwas, das in Nazi-Deutschland passiert wäre und passiert ist“, so Trump bei einer Pressekonferenz in New York. In den US-Medien heißt es, enge Kreise hätten bestätigt, dass Christopher Steele, Leiter des privaten Geheimdienstes Orbis, das 35-Seitige Dokument verfasst haben soll.

Spionage in Russland

Glenn Simpson von Fusion GPS beauftragte Oribs laut New York Times (NYT) vor sieben Monaten damit, Untersuchungen über Trump anzustellen – ein Schachzug, finanziert von einem anonymen Geldgeber aus den Reihen der Republikaner, einem eisernen Gegner des Milliardärs.

Steel hatte in den 90er Jahren unter dem Deckmantel der Diplomatie in Moskau spioniert. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er hochrangiger Russlandexperte des MI6 war. Er sei nicht in der Lage gewesen, für Ermittlungen nach Russland zu reisen, so die NYT. Stattdessen habe er einen russischen Muttersprachler beauftragt, Informanten innerhalb Russlands anzurufen. Auch er selbst habe heimlich mit seinen eigenen Verbindungsmännern vor Ort Kontakt aufgenommen. Die NYT schildert weitere Details, die den Wahrheitsgrad des Berichts jedoch in Zweifel ziehen. Die Echtheit der Dokumente ist nur schwer nachprüfbar.

Geogievas dunkle Vergangenheit

Interessanterweise soll Steel auch gegen die ehemalige Vize-Kommissionspräsidentin Kristalina Georgieva ermittelt haben, wie EURACTIV von anonymen Quellen erfuhr. Einer vertraulichen E-Mail zufolge sei Steel im April und Mai letzten Jahres mit bulgarischen Staatsbürgern in Kontakt getreten, um Georgievas dunkle Vergangenheit zu durchstöbern – insbesondere ihre angeblichen Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Auftraggeber des Einsatzes sei die US-Regierung gewesen.

Zu dieser Zeit kandidierte die bulgarische EU-Kommissarin für die Stelle als UN-Generalsekretärin. Im Mittelpunkt von Steels Ermittlungen standen offenbar Georgievas Beziehungen mit Multigroup, einem post-kommunistischen Geschäftsimperium unter der Leitung von Ilia Pavlov, der 2003 in Sofia ermordet wurde. Die Täter sind bis heute nicht gefasst.

Dass Georgieva Verbindungen zu Multigroup hatte, lässt sich nicht beweisen. Die Behauptung wurde erstmals vom  Schweizer Journalisten Yves Kugelmann in einem Artikel aufgestellt, den er auf der Webseite des Foreign Policy Research Institute veröffentlichte. Der umstrittene Beitrag wurde bereits heruntergenommen.

Kugelmann schrieb darin, Georgievas Tochter Dessislava Kinova habe lange Zeit für ein Unternehmen gearbeitet, das von Multigroup betrieben worden sei. US-Diplomaten hätten Multigroup als „Altmeister des organisierten Verbrechens in Bulgarien“ bezeichnet, was natürlich eine Übertreibung sein könnte. Fest steht jedoch, dass die US-Regierung einen Gräuel gegen Multigroup hegt. Dies geht aus einem offiziellen Schreiben des US-Außenministeriums hervor, das von Wikileaks veröffentlicht wurde.

Vergangenen Oktober trat Georgieva von ihrem Amt als EU-Kommissarin zurück, um eine Stelle bei der Weltbank anzunehmen. Dem Telegraph zufolge sei Steel aus Angst um sein Leben „untergetaucht“, nachdem sein Name bekannt geworden war. Seine Katze überlies er den Nachbarn.

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