Britische Wirtschaft schrumpft durch COVID-19 um ein Fünftel

Der britische Premierminister Boris Johnson kämpft an allen Fronten gleichzeitig. [EPA-EFE/ANDREW PARSONS / DOWNING STREET HANDOUT EDITORIAL]

Die britische Wirtschaft ist im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie in Rekordtempo abgestürzt.

Das Bruttoinlandsprodukt brach von April bis Juni um 20,4 Prozent zum Vorquartal ein, wie das Statistikamt am Mittwoch in London mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Minus in dieser Größenordnung gerechnet. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent nur etwa halb so stark.

Nach Prognose der britischen Notenbank wird das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr wegen der Pandemie insgesamt um 9,5 Prozent fallen – ein Konjunktureinbruch, wie ihn Großbritannien seit rund 100 Jahren nicht mehr erlebt hat. Nächstes Jahr soll dann ein Wachstum von neun Prozent folgen. Die Krise hinterlässt deutliche Spuren am Arbeitsmarkt: Im zweiten Quartal wurden so viele Jobs vernichtet wie seit der Finanzkrise 2009. Die Zahl der Beschäftigten fiel von April bis Juni um 220.000.

Deutsche Wirtschaft bricht in Rekordtempo ein – "Jahrhundertrezession"

Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 10,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer Schnellmeldung mitteilte. Das sei der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen Berechnungen für Deutschland im Jahr 1970.

Auch die Steuerdaten für den Monat Juli deuten darauf hin, dass die Lage auf dem britischen Arbeitsmarkt schwieriger ist, als es die offizielle Statistik nahelegt. Demnach ist die Zahl der Beschäftigten auf den Gehaltslisten der Unternehmen seit März um 730.000 gesunken.

Bald schon könnte sich der Jobabbau noch beschleunigen. Denn die britische Variante des Kurzarbeitergelds – das Job Retention Scheme – läuft nun Schritt für Schritt bis Ende Oktober aus. Übernahm der Staat zu Beginn außer 80 Prozent der Gehälter auch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, müssen letztere seit August wieder von den Unternehmen selbst geleistet werden, in den beiden Folgemonaten zudem einen größer werdenden Teil der Gehälter. Spätestens im November, wenn es gar keine staatliche Unterstützung zum Joberhalt mehr gibt, könnte die Arbeitslosigkeit nach oben schnellen.

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