Brexit im Fußball: Einschränkungen für die Verpflichtung ausländischer Spieler

Nach den neuen Regeln dürfen Premier-League-Klubs in einem einzelnen Transferfenster maximal drei ausländische Spieler unter 21 Jahren unter Vertrag nehmen. Im Bild: Der Liverpool-Spieler Mo Salah aus Ägypten. [Cosmin Iftode / Shutterstock.com]

Werden Englands Top-Fußballclubs Opfer der Einwanderungspolitik nach dem Brexit? Zumindest soll die Zahl junger Spieler aus Übersee, die englische Vereine neu unter Vertrag nehmen können, eingeschränkt werden.

Die neuen Einwanderungsregeln für den englischen Fußball wurden am Dienstag in einer Vereinbarung zwischen dem nationalen Fußballverband, der Premier League und der English Football League [der zweithöchsten Liga] konkretisiert.

Nach den neuen Regeln dürfen Premier-League-Klubs ab Januar 2021 in einem einzelnen Transferfenster maximal drei ausländische Spieler unter 21 Jahren unter Vertrag nehmen, insgesamt also nicht mehr als sechs pro Saison.

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Stattdessen soll künftig ein punktbasiertes Einwanderungssystem angewandt werden: Potenzielle Migranten, die im Vereinigten Königreich leben und arbeiten wollen, müssen dann ein Jobangebot mit einem Gehalt von mindestens 25.600 Pfund vorweisen, ebenso eine Schulbildung entsprechend dem britischen A-Level sowie Englisch-Sprachkenntnisse.

Die Regeln für Fußballstars werden allerdings etwas anders ausfallen. Nach dem System, das von den englischen Fußballgremien vereinbart und von der britischen Regierung abgesegnet wurde, werden vor Vertragsunterzeichnungen Punkte für internationale Einsätze von erwachsenen und Jugendfußballern, für die „Performance“ der Vereine und für das bisherige Abschneiden des verkaufenden Vereins vergeben. Die Spieler erhalten dann ein „Governing Body Endorsement“, mit dem ihre Vertragsunterzeichnung und ihr Einsatz für einen englischen Klub genehmigt wird.

Darüber hinaus dürfen die Vereine Spieler aus Übersee erst unter Vertrag nehmen, wenn diese mindestens 18 Jahre alt sind. Dies könnte zum Problem für Vereine wie Arsenal, Chelsea und Manchester City werden, die in letzter Zeit verstärkt europäische Jung-Spieler für ihre eigenen Jugendmannschaften und -akademien verpflichten.

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„Wenn wir weiterhin in der Lage sind, die besten Spieler zu anzuwerben, wird die Premier League wettbewerbsfähig und attraktiv bleiben,“ zeigte sich Premier League-Chef Richard Masters betont zuversichtlich.

Er glaubt auch: „Diese Lösung wird unsere Spielerentwicklungsphilosophie ergänzen: es geht um die besten ausländischen Talente, neben den besten einheimischen Spielern.“

Somit könnte die Beschränkung der Verpflichtung von Spielern aus dem Ausland die Erfolgsaussichten einiger britischer Spitzenklubs zwar zumindest kurzfristig etwas beeinträchtigen. Aus Sicht der Verbände ist der Brexit mittel- bis langfristig jedoch eher eine Gelegenheit, die Chancen junger einheimischer Spieler, in den obersten Ligen spielen, zu erhöhen.

Eine zusätzliche Hoffnung: Das würde dann auch der englischen Nationalmannschaft zugute kommen. Deren letzter internationaler Titelgewinn liegt inzwischen fast 55 Jahre zurück.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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