Brexit: EU-Exodus aus dem Vereinigten Königreich hält an

Die Zahl der im Vereinigten Königreich lebenden EU-Bürger ist in dem Jahr, in dem das Vereinigte Königreich die EU verlassen hat, um 200 000 gesunken. Dies geht aus Daten hervor, die am Freitag (17. September) vom britischen Statistikamt veröffentlicht wurden. EPA-EFE/OLIVIER HOSLET

Im Jahr 2020, in dem das Vereinigte Königreich den Block verlassen hat, ist die Zahl der dort lebenden EU-Bürger um 200.000 zurückgegangen. Dies geht aus Daten hervor, die am Freitag (17. September) vom britischen Amt für nationale Statistiken (ONS) veröffentlicht wurden.

ONS‘ Daten der jährlichen Bevölkerungserhebung für 2020 zeigen, dass die Zahl der EU-Bürger im Vereinigten Königreich von 3,7 Millionen auf 3,5 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von 67 Millionen gesunken ist.

Die Zahlen haben jedoch zu einiger Verwirrung geführt. Denn während derzeit rund 3,5 Millionen EU-Bürger im Vereinigten Königreich wohnhaft sind, gingen beim britischen Innenministerium 6 Millionen Anträge ein, um im Rahmen des EU-Niederlassungsprogramms ihr Aufenthaltsrecht zu sichern.

Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass die Zahl der im Vereinigten Königreich beschäftigten EU-Bürger im Juni um 8,7 % niedriger war als vor dem Ausbruch der COVID-Pandemie.

Nach Angaben des Innenministeriums wurde 97 % der Antragsteller im Rahmen des EUSS der Status „settled“ angeboten, der ein unbefristetes Bleiberecht im Vereinigten Königreich gewährt, oder der Status „pre-settled“, der einen fünfjährigen Aufenthalt mit der Möglichkeit bietet, nach Ablauf dieses Zeitraums den Status „settled“ zu beantragen.

Es wird angenommen, dass der Rückgang hauptsächlich auf die Pandemie als auch den Brexit zurückzuführen sei. Im Bereich des Dienstleistungs- und Verkehrssektors, wo die Unternehmen einen chronischen Arbeitskräftemangel beklagen, gibt es Hinweise, dass der Trend weiter anhalten wird und EU-Bürger das Vereinigte Königreich auch im Jahr 2021 weiter verlassen werden. Die Reisefreiheit endete formell mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt im Januar.

„Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob es sich um vorübergehende Abwanderungen aufgrund der Pandemie und des Brexit handelt oder um die Fortsetzung eines Trends, der sich möglicherweise ohnehin abzeichnete“, so das ONS in einer Erklärung. „Je mehr Daten wir sammeln, desto klarer wird das Gesamtbild werden.“

Das Innenministerium besteht darauf, dass das Niederlassungsprogramm großzügig ist und EU-Bürgern die gleichen Rechte wie britischen Staatsbürgern bietet. Doch das so genannte „hostile environment“ [„feindliche Umfeld‘] – eine in 2012 eingeführte politische Strategie an, die darauf abzielt, die „illegale Einwanderung“ zu bekämpfen – sowie die Verbitterung über den Brexit scheinen zu dem wachsenden Exodus von EU-Bürgern beigetragen zu haben.

Die Independent Monitoring Authority for the Citizens‘ Rights Agreements (IMA), die im Rahmen des Austrittsabkommens eingerichtet wurde, führte eine Umfrage unter 3.000 EU-Bürgern im Vereinigten Königreich durch. Das Ergebnis der Umfrage zeigt, dass jeder Dritte nicht darauf vertraut, dass die Regierung seine Bürgerrechte respektieren wird, und dass jeder Zehnte bereits Pläne schmiedet, das Vereinigte Königreich zu verlassen.

Für EU-Bürger, die ins Vereinigte Königreich ziehen wollen, gelten nun wesentlich strengere Einreisebedingungen, darunter eine Arbeitsbescheinigung sowie ein bestimmtes Einkommen.

Keine Verlängerung beim "Settlement"-Status für EU-Bürger im UK

EU-Bürger:innen, die im Vereinigten Königreich leben, haben nur noch eine Woche (bis zum 30. Juni) Zeit, einen Antrag auf Aufenthaltsstatus zu stellen. Britische Beamte bestätigten, dass die Frist nicht weiter verlängert wird.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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