Brasilien, Testlabor für Corona-Impfstoffe

In der Universität Sao Paulo arbeiten ForscherInnen fieberhaft an einem Impfstoff. [Sebastiao Moreira/EPA]

Zwei der aussichtsreichsten Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 werden in Brasilien getestet. Mit seinen knapp 1,8 Millionen Infizierten könnte das Land zu einem Labor für Impfstoffe gegen das Virus werden. Ein Überblick.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle.

Mit Hochdruck wird derzeit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es weltweit zurzeit 146 Initiativen zur Entwicklung eines Impfstoffes. Davon befinden sich 19 sich in einem fortgeschrittenem Stadium.

In Brasilien – mit mehr als 65.000 Corona-Toten eines der am stärksten betroffenen Ländern weltweit – werden zurzeit zwei der aussichtsreichsten Impfstoffe getestet. Sie befinden sich bereits in Phase 3 der klinischen Studien. In dieser Phase werden die Impfstoffe an einem größeren Patientenkollektiv erprobt, um zu sehen, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bei vielen unterschiedlichen Patienten bestätigen lässt. Die klinischen Studien Phase 3 für die Corona-Impfstoffe sind die ersten dieser Art in Brasilien.

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Wo kommen die Impfstoffe her? 

Der erste COVID-19-Impfstoffkandidat in der klinischen Phase 3 ist der von der Oxford Universität in Kooperation mit dem britischen Pharmakonzern AstraZeneca entwickelte „AZD1222“. Der zweite Kandidat „CoronaVac“ stammt von dem chinesischen Biotech-Unternehmen Sinovac.

Wie Viele Impf-Einheiten sollen produziert werden?

Ende Juni unterzeichnete das brasilianische Gesundheitsministerium einen Vertrag mit der Universität Oxford und dem Pharmakonzern AstraZeneca. Nach Angaben des brasilianischen Forschungsinstituts „Fiocruz“, das die Kooperation betreut, sollen während der klinischen Studien in einer ersten Etappe 30,4 Millionen Impf-Einheiten produziert werden. Dies entspricht rund 15 Prozent der für die brasilianische Bevölkerung notwendigen Versorgung.

Die Kosten für Produktion und Technologietransfer belaufen sich auf 127 Millionen Dollar. Wenn sich die klinischen Studien als wirksam erweisen, sollen danach weitere 70 Millionen Impf-Einheiten produziert werden.

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Bei wem wird getestet?  

Die Rekrutierung von Freiwilligen für die Tests des Impfstoffes von der Oxford-Universität läuft in Brasilien seit Ende Juni. Nach Angaben der Bundesuniversität von Sao Paulo (Unifesp) werden sich daran 2000 Freiwillige aus São Paulo und 1000 aus Rio de Janeiro beteiligen. Auch in Großbritannien, den USA und Südafrika wird wird der Impfstoff getestet.

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Die zweite von der brasilianischen Arzneimittelbehörde Anvisa zugelassene klinische Studie für einen Corona-Impfstoff in Phase III stammt von der chinesischen Firma Sinovac. Die Studie wird von dem renommierten brasilianischen biomedizinischem Forschungszentrum Instituto Butantan koordiniert. Nach Angaben von Butantan-Direktor Dimas Covas hat Brasilien Zugriff auf 60 Millionen Impf-Einheiten, wenn die Tests erfolgreich verlaufen.

Für den chinesischen Impfstoff sollen rund 9000 freiwillige Testkandidaten aus Gesundheitsberufen rekrutiert werden. Mit den Tests soll am 20. Juli begonnen werden. Der Impfplan umfasst zwei intramuskuläre Injektionen im Abstand von 14 Tagen.

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Wann liegen erste Ergebnisse vor? 

Offiziell ist das Ende der klinischen Tests auf September 2021 terminiert, doch die Wirksamkeit des Impfstoffes soll durch vorläufige Zwischenergebnisse bereits vorher prognostiziert werden. „Wenn die Tests mit den Freiwilligen bis Oktober abgeschlossen sind, können wir bis Ende des Jahres die Resultate zur Wirksamkeit erarbeiten“, erklärte Butantan-Direktor Covas vor der brasilianischen Presse. „Dies bedeutet, dass wir mit der Anwendung des Impfstoffes Anfang kommenden Jahres beginnen könnten.“

Ein Nutzen für alle? 

Die klinischen Tests von AstraZeneca und Sinovac in Brasilien sind nicht Bestandteil der von der Weltgesundheitsorganisation WHO im April gegründeten Initiative zur Beschleunigung der Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffes. In der sogenannten ACT (Access to COVID-19 Tools Accelerator) haben sich die internationale Staatengemeinschaft sowie zahlreiche Forschungseinrichtungen und Stiftungen zusammengeschlossen. Es geht darum, den Zugang zu einem Impfstoff als globales öffentliches Gut für die Weltbevölkerung zu garantieren.

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