Bosnien: Flüchtlingshelfer unter Druck

Im Lipa-Camp in Bosnien frieren derzeit Tausende. [FEHIM DEMIR/EPA]

In Bosnien-Herzegowina warten Tausende Geflüchtete und Migranten nur darauf, es sobald wie möglich in die EU zu schaffen. Viele, die ihnen helfen, müssen das im Verborgenen tun. Marina Strauß aus Velika Kladuša.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle.

Jasmina Hušidić hält sich nicht mit Kleinigkeiten auf. Sie bremst, springt aus dem Auto, begrüßt einen kurz und ist schon im Supermarkt verschwunden. Verständlich. Denn sie hat nicht viel Zeit an diesem Februartag, der grau und regnerisch daherkommt in Velika Kladuša.

Bevor es stockduster wird hier im Norden von Bosnien und Herzegowina will Hušidić noch Reis, Öl, etwas Fleisch und auch Schuhe, warme Jacken an Migranten und Flüchtlinge verteilen, die rund um ihre Heimatstadt im Wald oder in verlassenen Gebäuden hausen.

So geht das schon über ein Jahr. Jeden Tag. Jeden Abend. Nach ihrem Dienst bei einer bosnischen Regierungsbehörde.

Seitdem Länder wie Ungarn Grenzzäune hochgezogen haben, versuchen viele Geflüchtete und Migranten über Bosnien in die Europäische Union zu kommen. Obwohl kaum jemand vorhat hierzubleiben, versuche Jasmina Hušidić dafür zu sorgen, dass sie sich willkommen fühlten, erzählt sie, während sie nach ihrem Einkauf gespendete Winterstiefel und Jeans in Plastiktüten packt.

„Meine beiden Töchter studieren. Eine in Österreich, eine in Deutschland. Wenn sie die Chance auf ein besseres Leben haben, warum dann nicht auch andere Menschen?“

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Erste Station: eine Fabrikruine namens „Kamin“

Hušidić‘ erste Station an diesem Abend ist ein verfallene ehemalige Fabrik, die sie hier nur „Kamin“ nennen, weil ein solcher – von überall gut zu sehen – in den Himmel ragt. „Kannst du mir mal bitte helfen?“, ruft sie einem jungen Mann zu, der ihr entgegenkommt und drückt ihm ein paar der prallgefüllten Tüten in die Hand.

Gemeinsam stapfen sie zum Eingang, durch ein Gemisch aus Matsch und plattgetretenen leeren Plastikflaschen. Im ersten Stock der Fabrikruine haben ein paar Männer aus Algerien ihre Zelte aufgeschlagen. Einer zeigt Jasmina Hušidić ein Foto von seiner kleinen Tochter auf dem Handy. Daria. „Sehr süß“, sagt die 49-Jährige, bleibt noch ein paar Minuten, um zu plaudern. Dann muss sie weiter.

„Manchmal ist das alles schon sehr schwer“, sagt Hušidić auf dem Weg zum Auto. Sie fühle sich oft schlecht, weil sie nicht noch mehr tun könne. Genau deswegen ist sie gerade dabei, mit anderen Bosniern eine eigene Helfergruppe zu gründen. Bisher arbeitet sie angedockt an eine österreichische Nichtregierungsorganisation, bekommt über diese auch Kleider-, Schuh- und Geldspenden aus Deutschland und Österreich.

Hušidić und ihre Mistreiter hoffen, bald die notwendige Registrierung zu bekommen. Denn ohne die ist die Art von Hilfe, die sie gerade leisten, illegal.

Sie selbst habe noch keine Probleme gehabt bisher, erzählt Hušidić, vielleicht, weil ihr Bruder bei der Polizei arbeite. Bei anderen sehe das aber ganz anders aus. „Wir tun alles sehr unauffällig, fordern niemand heraus. Das ist besser in dieser Situation.“

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„Viele schlimme Dinge sind passiert“

Mit „dieser Situation“ meint Hušidić auch, dass nicht alle Einheimischen die Tausenden Migranten und Geflüchteten im Land mit offenen Armen empfangen. „Ich schäme mich wegen manchem, was die Menschen hier gemacht haben. Viele schlimme Dinge sind passiert.“

Eine andere bosnische freiwillige Helferin erzählt, dass jemand sie angezeigt habe. Solange sie nicht wisse, was jetzt passiere, wolle sie lieber ihren Namen für sich behalten, sagt sie.

Vertreter von Hilfsorganisationen aus anderen europäischen Ländern bestätigen, dass die bosnischen Behörden, den Druck erhöhten, es schwieriger machten, abseits von offiziellen Flüchtlingsunterkünften zu helfen. So wie Jasmina Hušidić. Sie hilft Menschen, die in verlassenen Gebäuden oder im Wald Unterschlupf gefunden haben.

Auch sie wollen nicht offen sprechen, weil sich ihre Organisationen gerade im Registrierungsprozess befinden.

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Polizeiminister: Wer ohne Arbeitserlaubnis hilft, wird deportiert

Eine Stunde südlich von Jasmina Hušidićs Heimatstadt Velika Kladuša, in Bihać, erklärt der Polizeiminister der Region Una-Sana-Kanton, Nermin Kljajić, wer sich hier im Einklang mit dem Gesetz verhalte, habe nichts zu befürchten. Aber: „Wenn wir herausfinden, dass ausländische Bürger ohne Erlaubnis arbeiten, dann werden sie deportiert.“

Doch Hilfsgruppen aus dem Ausland kritisieren, wie schwierig und langwierig es sei, überhaupt offiziell registriert zu werden.

Jasmina Hušidić ist inzwischen bei ihrer letzten Station für diesen Abend angekommen. Ein selbstgebautes Camp im Wald, in dem mehrere Männer aus Bangladesch leben. Einige drängen sich um eine kleine Feuerstelle. Auch wenn der Frühling naht, wird es nachts hier noch eisig kalt.

Die bosnischen Behörden sehen Lager wie dieses nicht gerne. Aus Sicht von Polizeiminister Nermin Kljajić gefährdeten solche Camps die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. „Wir müssen dafür sorgen, dass Essen nur in offiziellen Unterkünften verteilt wird“, betont er im Gespräch mit der DW.

Jasmina Hušidić aber sagt, sie wolle nicht, dass Menschen wie hier im Wald auf sich alleine gestellt seien. Jahanjir Alom Sumon, ein 22-jähriger Bangladescher, erklärt, es gehe ihnen hier nur wegen freiwilligen Helfern wie Hušidić einigermaßen gut.

„Manche bringen uns Essen, manche Kleidung, manche Schuhe.“ Aber eigentlich wollten sie hier alle, nur so schnell wie möglich in die EU. Zuerst nach Kroatien, dann weiter nach Italien, dann vielleicht nach Frankreich oder Deutschland. Hušidić hofft, dass er sich erfüllt, der Traum von einer besseren Zukunft. Doch solange sie noch hier sind, will sie weiter vorbeikommen. Jeden Abend.

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