Borrell: Rettung aller Ortskräfte aus Afghanistan bis Ende August „unmöglich“

EU-Außenbeauftragter Josep Borrell kritisiert strenge US-Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen, während die Türkei signalisiert, keine Ortskräfte der EU-Länder aufnehmen zu wollen. EPA-EFE/FRANCISCO SECO / POOL

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hält es für unmöglich, bis Ende August alle Ortskräfte der USA und anderer Nato-Staaten aus Afghanistan auszufliegen. Die Türkei will keine afghanischen Ortskräfte der EU aufnehmen.

„Die Amerikaner wollen bis Ende des Monats 60.000 Menschen ausfliegen. Das ist mathematisch unmöglich“, sagte Borrel am Samstag (21. August) der Nachrichtenagentur AFP. Er machte die strengen Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen des US-Militärs am Kabuler Flughafen mitverantwortlich für die schleppende Evakuierung.

„Das Problem ist der Zugang zum Flughafen“, sagte Borrell. „Die Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen der Amerikaner sind sehr streng.“ Die EU habe sich bei der US-Regierung bereits darüber „beschwert“, berichtete der EU-Chefdiplomat. „Wir haben sie gebeten, mehr Flexibilität zu zeigen.“

Afghanische Ortskräfte der EU, die das Land verlassen wollten, hätten Schwierigkeiten auf das Flughafengelände zu gelangen.

Borrell schloss sich zugleich den Forderungen mehrerer Nato-Staaten an, den Evakuierungseinsatz des US-Militärs am Kabuler Flughafen über Ende August hinaus zu verlängern.

„Wenn die Amerikaner am 31. August abziehen, haben die Europäer nicht die militärische Kapazität, den Militärflughafen zu besetzen und zu sichern, und die Taliban werden die Kontrolle übernehmen“, warnte Borrell.

Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt spielen sich seit Tagen dramatische Szenen ab:

Unzählige Afghanen versuchen seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban verzweifelt, in den Flughafen und an Bord von Flugzeugen zu gelangen.

Am Samstag (21. August) warteten bei starker Hitze weiter tausende Menschen mit Ausreisepapieren auf Flüge. US-Soldaten hielten zugleich tausende Menschen ohne Papiere davon ab, auf das Flughafengelände zu gelangen.

Auch nicht alle EU-Länder sind gleich enthusiastisch was die Aufnahme von afghanischen Ortskräften anbelangt.

„Wir haben eine Anfrage erhalten, Ortskräfte einer EU-Mission in Afghanistan aufzunehmen“, sagte Erdogan nach Angaben seiner Regierung am Sonntag (22. August) in einem Telefonat mit EU-Ratspräsident Charles Michel.

Die Türkei wird nach den Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan keine vor den Taliban geflohenen afghanischen Ortskräfte der EU-Länder aufnehmen.

Er fügte hinzu dass die EU aber nicht von der Türkei erwarten könne „die Verantwortung von Drittstaaten zu übernehmen“.

Erdogan kritisierte, die Mitgliedsländer der EU öffneten ihre Türen „nur für einen kleinen Teil der Menschen, die für sie gearbeitet haben und die in Schwierigkeiten sind“.

Die Türkei habe bereits rund fünf Millionen Flüchtlinge aufgenommen und könne keine „zusätzliche Last“ mehr tragen. Ähnlich hatte Erdogan sich bereits am Samstag (21. August) in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geäußert.

Michel schrieb nach dem Telefonat mit Erdogan auf Twitter, er habe mit dem türkischen Präsidenten über die Lage in Afghanistan gesprochen. Die Krise in Afghanistan sei eine „gemeinsame Herausforderung für die Türkei und die EU“.

 

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