BND-Äußerungen zu Putschversuch: Türkei bestellt deutschen Diplomaten ein

Putschversuch Türkei Bruno Kahl BND Gülen-Bewegung

Der BND-Chef Bruno Kahl hat sich skeptisch über die Urheberschaft des Putschversuches in der Türkei 2016 geäußert. [Ralf Kothe/Flickr]

Der Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND glaubt nicht, dass Fethullah Gülen hinter dem Putschversuch steckt. Nun soll sich Deutschland erklären.

Das türkische Außenministerium hat den deutschen Geschäftsträger in Ankara wegen Äußerungen von BND-Chef Bruno Kahl über die Urheberschaft des Putschversuches im vergangenen Jahr einbestellt.

Die Äußerungen Kahls zeigten „eine tolerante und schützende Einstellung“ gegenüber der Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, erklärte das Außenamt am Dienstag. Die Türkei bezeichnet die Bewegung als Terrororganisation.

Wie Gülen-Anhänger den türkischen Putschversuch sehen

Der Prediger Fethullah Gülen wird von der türkischen Regierung als Drahtzieher des Putschversuchs vom 15. Juli angesehen. Nun hat eine ihm nahestehende Organisation einen Bericht veröffentlicht, der die offizielle Version der Ereignisse in Zweifel zieht und viele Maßnahmen der Regierung benennt, für die der Putschversuch als Vorwand gedient haben könnte.

Der Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes hatte dem „Spiegel“ gesagt, die Türkei habe seine Behörde bislang nicht überzeugen können, dass Gülen hinter dem Putschversuch im Sommer 2016 stecke.

Die Gülen-Bewegung sei nicht wie behauptet eine islamisch-extremistische oder gar terroristische Bewegung, sondern eine „zivile Vereinigung zur religiösen und säkularen Weiterbildung“. Der Putsch sei eine Reaktion aus der Armee auf die Entlassungswelle von Präsident Recep Tayyip Erdogan im Militär gewesen, die vor dem Putschversuch schon begonnen habe.

Streit zwischen Europa und der Türkei behindert NATO

Die Auseinandersetzungen zwischen Europa und Ankara blockiert die militärische Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern. Dem Bündnis drohen „ernsthafte Konsequenzen“, heißt es aus einigen Ländern.

EU-Kommissar Hans: EU-Beitritt der Türkei "immer unrealistischer"

Ein EU-Beitritt der Türkei wird nach Ansicht von EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn "immer unrealistischer".

Ein Jahr Türkei-Deal: Das drohende, ersehnte, befürchtete Ende

Ankara hat die Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland gestoppt und droht das Abkommen mit der EU vollends auszusetzen. Etliche EU-Abgeordnete fordern ohnehin ein Ende des Pakts - doch konservative Politiker loben ihn weiterhin als funktionierend.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.