Berlin nach Studie aus Israel für neue Gespräche über EU-Impfpass offen

Eine niederländische medizinische Mitarbeiterin präsentiert ihren Impfpass nach einer COVID-Impfung. [PIROSCHKA VAN DE WOUW/EPA]

Nach einer Studie zur geringen Verbreitung des Corona-Virus durch Geimpfte hat sich die Bundesregierung offen für neue Gespräche über ein EU-Impfzertifikat und damit verknüpfte Reiseerleichterungen gezeigt.

Die Untersuchung aus Israel sei „eine ganz großartige Nachricht“, sagte Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD) am Dienstag vor Beratungen mit seinen EU-Kollegen. Es sei damit klar, dass die EU das Thema Impfzertifizierung bald „noch einmal auf die Tagesordnung“ setzen müsse.

Dabei müsse es um eine gemeinsame Herangehensweise gehen, was der Status als Geimpfter „für die Mobilität in der Europäischen Union“ bedeute, sagte Roth. Vor allem stark vom Tourismus abhängige EU-Länder wie Griechenland werben seit Wochen dafür, Geimpften bald das Reisen wieder zu ermöglichen.

EU-Kommission mahnt "gemeinsamen und europäischen" Wiederaufbau an

Nicht alle EU-Länder werden sich im gleichen Tempo von den wirtschaftlichen Einbußen des Jahres 2020 erholen, warnte die Europäische Kommission am Montag. Es brauche eine „starke gemeinsame Antwort“ von allen 27 EU-Mitgliedsstaaten.

Diese Forderungen waren von anderen EU-Staaten aber bisher als verfrüht kritisiert worden. Dabei wurde insbesondere darauf verwiesen, dass derzeit nur geringe Teile der Bevölkerung geimpft sind und damit „Privilegien“ für Geimpfte entstehen könnten, wenn diese etwa reisen oder Restaurants besuchen könnten.

Eine unveröffentlichte Studie aus Israel zeigt nun nach Medienberichten, dass der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zu fast 90 Prozent die Übertragung des Virus auf andere verhindert. Die Untersuchung, über die unter anderem der „Spiegel“ berichtete, basiert auf Daten von mehr als 1,7 Millionen Geimpften.

Was für einen Wechsel der Impfstrategie spricht – und was dagegen

Lauterbach und Drosten plädieren dafür, mehr Erst- statt Zweitimpfungen durchzuführen. In einem US-Medizin-Fachblatt wurden nun Vor- und Nachteile erörtert.

Roth sagte, Impfzertifikate könnten nicht nur für Tourismusländer wichtig werden, sondern auch „für uns in Deutschland“. Er bekräftigte aber, dass zur Nutzung für Erleichterungen ein „signifikanter Anteil“ der Bevölkerung geimpft sein sollte. Auch die EU-Kommission hatte Mitte Januar darauf verwiesen, dass es keine unterschiedliche Behandlung bestimmter Gruppen bei Reiseerleichterungen geben dürfe.

Die EU-Europaminister bereiteten am Dienstag den Video-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag vor. Im Zentrum der Beratungen stand erneut ein gemeinsames Vorgehen in der Corona-Pandemie. Neben der Ausbreitung von Virus-Mutationen und deshalb unter anderem von Deutschland eingeführten Grenzkontrollen steht Diplomaten zufolge auch die Frage auf der Agenda, ob Impfzertifikate genutzt werden sollten oder nicht.

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