Belarussische Oppositionspolitikerin Kolesnikowa festgenommen

Die belarussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa. [EPA-EFE/TATYANA ZENKOVICH]

Die belarussische Oppositionsaktivistin Maria Kolesnikowa ist nach Angaben ihrer Unterstützer am Montag festgenommen worden. 

Die Unterstützer berichteten unter Berufung auf Zeugen, Kolesnikowa sei am Morgen im Zentrum von Minsk von schwarz gekleideten Männern gepackt und in einen Kleinbus gestoßen worden. Ihr Telefon sei abgeschaltet. Am Wochenende hatten die Sicherheitskräfte bei den erneuten Massenprotesten gegen Staatschef Alexander Lukaschenko mehr als 630 Demonstranten festgenommen.

Eine Augenzeugin berichtete der Nachrichten-Website Tut.by, wie maskierte Männer Kolesnikowa gegen 10.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MESZ) in den Kleinbus stießen und ihr das Handy abnahmen. Die Polizei in Minsk äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten.

Kolesnikowa ist Mitglied des von der Opposition in Belarus gegründeten Koordinierungsrates und zählt zu den wenigen, die sich gegen den Gang ins Exil entschieden hatten und in Belarus geblieben waren. 

Die 38-Jährige war im Wahlkampf zusammen mit Weronika Zepkalo an der Seite der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja aufgetreten. Sie hatte zuvor als Kampagnen-Chefin für die Kandidatur des Ex-Bankers Viktor Babaryko gearbeitet, der heute im Gefängnis sitzt. Tichanowskaja hält sich inzwischen im benachbarten Litauen auf, Zepkalo in der Ukraine. Eine weitere Aktivistin, Olga Kowalkowa, war am Samstag nach Polen geflüchtet.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August demonstrieren die Menschen in Belarus gegen den seit 26 Jahren autoritär regierenden Lukaschenko. Sie werfen der Regierung massiven Betrug bei der Wahl vor, die Lukaschenko nach offiziellen Angaben mit 80 Prozent der Stimmen gewonnen hatte. Dabei lassen sie sich auch von der Gewalt der Sicherheitskräfte nicht abschrecken.

Am Sonntag beteiligten sich trotz eines großen Sicherheitsaufgebots erneut mehr als 100.000 Menschen allein in der Hauptstadt Minsk an den Protesten. Aus zahlreichen weiteren Städten wurden ebenfalls Protestkundgebungen gemeldet.

Die Polizei nahm nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 633 Demonstranten wegen Verstoßes gegen die Anordnungen bei Massenversammlungen fest, so viele wie noch nie seit Anfang August. 363 blieben demnach am Montag in Untersuchungshaft.

Trotz des wachsenden Drucks auch von Seiten der Europäischen Union weigert sich Lukaschenko, den Demonstranten entgegenzukommen. Er spricht von einer „Verschwörung“ des Westens und setzt inzwischen ganz auf die Unterstützung Moskaus, um an der Macht zu bleiben.

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