Belarussische Führung lässt erneut regierungskritische Medien durchsuchen

Nach Angaben des belarussischen Journalistenverbandes wurden seit Donnerstag mindestens 32 Medienvertreter festgenommen. [SHUTTERSTOCK]

Die belarussische Führung ist den zweiten Tag in Folge gegen regierungskritische Medien vorgegangen. Unter anderem wurden am Freitag (09. Juli) mehrere Regionalmedien und die Wohnungen unabhängiger Journalisten durchsucht, wie diese in Online-Netzwerken berichteten.

Vor allem in der im Westen des Landes gelegenen Stadt Brest an der Grenze zu Polen gingen die Behörden demzufolge massiv gegen Medien vor. Der Chef der zuständigen Geheimdiensteinheit, Konstantin Byschek, sprach von einer „großangelegten Aktion“, mit der Belarus „von Radikalen befreit“ werden solle.

Am Donnerstag waren bereits der Online-Zugang zu Belarus‘ ältester Zeitung „Nascha Niwa“ gesperrt und mehrere Regionalmedien durchsucht worden. „Nascha Niwa“-Chefredakteur Jegor Martinowisch sei bei einer Durchsuchung von Büros festgenommen und geschlagen worden, er habe Kopfverletzungen erlitten, berichtete die Zeitung am Freitag (09. Juli).

Nach Angaben des belarussischen Journalistenverbandes wurden seit Donnerstag mindestens 32 Medienvertreter festgenommen.

Das Vorgehen der belarussischen Behörden stieß international auf heftige Kritik: Der Deutsche Journalisten-Verband forderte in Berlin die sofortige Freilassung aller Festgenommenen. „Es gibt nicht den geringsten Anlass für die Inhaftierung unserer Kollegen“, erklärte DJV-Chef Frank Überall.

Die Abschaltung von „Nascha Niwa“ sei „ein weiterer Willkürakt des Regimes gegen kritische Stimmen“. Überall forderte die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) auf, weitere Sanktionen gegen Machthaber Alexander Lukaschenko „und seine Helfershelfer“ zu ergreifen.

Der seit fast drei Jahrzehnten regierende Lukaschenko war trotz massiver Betrugsvorwürfe nach der Wahl im August 2020 offiziell zum Sieger erklärt worden. Dies löste historische Massenproteste aus, die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Seitdem gehen die belarussischen Behörden auch massiv gegen Medien vor, die nicht vom Staat kontrolliert werden.

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