Athen und Skopje unterzeichnen weitere Abkommen

Zeit für ein Selfie: Griechenlands Premier Alexis Tsipras (r.) mit seinem nordmazedonischen Amtskollegen Zoran Zaev. [EPA]

Griechenland und die Republik Nordmazedonien haben am Dienstag bei einem historischen Besuch des griechischen Premierministers Alexis Tsipras in Skopje diverse Abkommen unterzeichnet, um ihre wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zu verbessern.

Mehr als 100 griechische Geschäftsleute sowie zehn Minister begleiteten Tsipras bei seinem Besuch im Nachbarland, wo er sich mit seinem nordmazedonischen Amtskollegen Zoran Zaev traf.

Trotz heftiger innenpolitischer Opposition hatte die griechische Führung es im Juni 2018 geschafft, mit der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien (FYROM) eine Einigung im Namensstreit, das sogenannte Prespa-Abkommen, zu erzielen.

Nordmazedonien: "Mission impossible" erfüllt

EU-Führer haben die am Freitag endgültig beschlossene Einigung im Namensstreit zwischen Athen und Skopje ausdrücklich begrüßt.

Das Abkommen öffnet Skopje nun die Tür der NATO; und Athen drängt seine EU-Partner, auf einer EU-Ratstagung im Juni auch den EU-Beitrittsprozess für Nordmazedonien zu starten.

Neue Abkommen

Tsipras und Zaev unterzeichneten gestern weitere Abkommen, die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter stärken sollen.

„Seit die beiden Länder das Prespa-Abkommen unterzeichnet haben, schreiben wir ständig Geschichte,“ kommentierte Zaev.

„Wir versuchen, eine andere Erzählung über den Balkan zu schaffen, einen Gegensatz zu dem Nationalismus, mit dem die Region historisch verbunden ist“, fügte Tsipras hinzu.

Die unterzeichneten Abkommen reichen von Verkehr und Energie über Digitalisierung bis hin zu Landwirtschaft und Gesundheit.

Mazedonischer Premier: "Wir wollen einen Schlussstrich ziehen"

Der Premierminister der (zukünftigen) Republik Nordmazedonien Zoran Zaev spricht im Interview über die historische Einigung im Namensstreit mit Griechenland, der bisher unter anderem die NATO-Mitgliedschaft sowie den Start der EU-Beitrittsverhandlungen seines Landes blockiert hatte.

Vor allem aber haben die Verteidigungsminister beider Länder, Radmila Šekerinska und Evangelos Apostolakis, im Bestreben, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, ein militärisches Abkommen unterzeichnet, das Kooperation in der Ausbildung sowie den Schutz des Luftraums Nordmazedoniens umfasst.

„Die Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen den beiden Verteidigungsministern beinhaltet wichtige und kritische Bereiche der militärischen Ausbildung, Verteidigung und Technologie, Cybersicherheit, des militärischen Nachrichtenwesens und der Luftraumsicherung Nordmazedoniens durch die griechische Luftwaffe,“ erläuterte Tsipras.

„Wir werden den Luftraum von Nordmazedonien – einschließlich der zivilen Luftfahrt – überwachen, um Nordmazedonien bei der Flugsicherheit in seinem Luftraum zu unterstützen,“ fügte der griechische Premier hinzu.

Gemeinsam mit Italien überwacht Griechenland bereits im Rotationsverfahren die Lufträume von Albanien und Montenegro, die beide bereits NATO-Mitglieder sind.

Der griechische öffentlich-rechtliche Sender ERT berichtet jedoch, Skopje wolle nicht, dass die Türkei (ebenfalls ein NATO-Mitglied) in die Überwachung des mazedonischen Luftraums einbezogen wird – weder bilateral noch im Rahmen der NATO.

Symbolische Geste: Athen setzt sich für mazedonische NATO-Mitgliedschaft ein

Griechenland wird höchstwahrscheinlich das erste Land sein, das das NATO-Beitrittsprotokoll Nordmazedoniens ratifiziert.

Türkei geschwächt?

Aus Sicht der griechischen Regierung ist mit dem Prespa-Abkommen auch der Einfluss der Türkei auf den Balkan geschwächt worden.

Griechenlands Rolle in der Balkanregion sei durch das Abkommen hingegen aufgewertet worden, sagte der ehemalige Außenminister Nikos Kotzias bereits im Februar: „Anstatt unsere nördlichen Nachbarn gegen uns zu haben und sich auf die Seite der Türkei zu stellen, werden wir sie an unserer Seite haben, um alle Probleme in unserer Region gemeinsam zu lösen.“

In den vergangenen Monaten und Jahren haben sich die Spannungen zwischen der Türkei und der NATO bzw. den USA verschärft. Gleichzeitig hat Ankara sich Moskau angenähert.

[Bearbeitet von Georgi Gotev]

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Die NATO hat das Beitrittsprotokoll mit der Republik Nordmazedonien unterzeichnet. Damit könnte das Land bereits Ende des Jahres offiziell dem Bündnis beitreten.

Nordmazedonien drängt in die EU

Großbritannien verlässt die EU. Nordmazedonien würde diesen Platz nach der Beilegung des Namensstreits mit Griechenland gerne einnehmen.

Zaev: Ohne NATO drohen Mazedonien "existenzielle Gefahren"

Das Abkommen im Namensstreit mit Athen wende sich nicht gegen Drittstaaten, auch nicht gegen Russland, betont Mazedoniens Premierminister.

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