Athen und Moskau üben Schulterschluss in Energiefragen

Griechenlands Premier Alexis Tsipras sucht die nähe zum Kreml – kritisch beäugt von Brüssel. [|Lorenzo Gaudenzi/Flickr]

Die neue griechische Regierung setzt ihre Annäherung an den Kreml fort: Bei seinem Besuch in Moskau verkündete Energieminister Panagiotis Lafazanis eine „bahnbrechende“ Kooperation zwischen Russland und Griechenland in der Energiepolitik. Für Premier Alexis Tsipras steht ein „Frühling“ mit Moskau bevor.

Griechenland will in Energiefragen enger mit Russland zusammenarbeiten. Bei einem zweitägigen Besuch in Moskau habe er mit den russischen Partnern über die geplante neue Turkish-Stream-Pipeline sowie über die Suche nach fossilen Energieträgern beraten, sagte Energieminister Panagiotis Lafazanis am Dienstag in Athen. Griechenland sei „stark daran interessiert“, die geplante türkisch-russische Gaspipeline bis nach Griechenland auszubauen.

Lafazanis sagte, russische Unternehmen seien eingeladen, sich an einer Ausschreibung für die Erkundung von Öl- oder Gasfeldern in der Ionischen See und auf Kreta zu beteiligen. Die Frist dafür sei um zwei Monate bis Juli verlängert worden. Der Minister bezeichnete den Schritt als „bahnbrechend“, da sich russische Unternehmen normalerweise nicht an Ausschreibungen in der EU beteiligten.

Die neue griechische Regierung sucht engere Beziehungen zu Russland. Nach einem früher „frostigen Verhältnis“ strebe Athen in den bilateralen Beziehungen einen „Frühling“ an, sagte Premierminister Alexis Tsipras in einem am Dienstag in Moskau veröffentlichten Interview der russischen Agentur Tass.

„Unsere Nationen hatten brüderliche Beziehungen geschmiedet, als sie in einem kritischen historischen Augenblick einen gemeinsamen Kampf führten», sagte der Regierungschef mit Verweis auf den Widerstand gegen Nazi-Deutschland.

Die Annäherungsversuche Athens haben ihre Gründe: Die Schuldenkrise, der Sparkurs und die Rezession haben viele Griechen von Europa entfremdet. Prominente Syriza-Politiker wollen den Austritt Griechenlands aus EU und Nato – und stattdessen ein Bündnis mit Russland. Während laut Umfragen nur noch 23 Prozent der Griechen positive Gefühle für die EU hegen, hat die Mehrheit eine gute Meinung gegenüber Russland, so das Ergebnis von Untersuchungen des Pew Research Center.

Tsipras hofft, den Kreml-Chef dazu zu bewegen, das Einfuhrverbot für griechische Lebensmittel aufzuheben. Unter dem Importbann, mit dem Moskau auf die Sanktionen der EU reagierte, leidet die griechische Landwirtschaft. Zudem gibt es Spekulationen, Tsipras könnte versuchen, seinem Land Hilfskredite in Moskau zu besorgen.

Russland hatte der neuen griechischen Regierung finanzielle Hilfe bereits zugesagt. Sollte Athen um Unterstützung bitten, werde Moskau dies prüfen, hatte Außenminister Sergej Lawrow gesagt. In früheren Berichten hieß es, Athen könnte am 9. April das Geld ausgehen. Einen Tag zuvor ist Tsipras in Moskau.

Am 9. Mai nimmt Tsipras dann an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in der russischen Hauptstadt teil. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premierminister David Cameron und Frankreichs Staatschefs François Hollande sagten angesichts der Ukraine-Krise dagegen ab.