Assad unterstützt Kurden in Afrin

Kurdische Proteste gegen die militärische Aggression der Türkei in Syrien. [EPA-EFE/WAEL HAMZEH]

In ihrem Kampf gegen die türkische Offensive in der syrischen Grenzregion Afrin bekommt die kurdische YPG-Miliz stillschweigende Unterstützung von ungewohnter Seite: von Präsident Baschar al-Assad.

Während regierungstreue Milizen gegen die von den USA unterstützte YPG in anderen Teilen Syriens kämpfen und die Führung in Damaskus die Autonomiebestrebungen der Kurden ablehnt, agieren sie in Afrin Hand in Hand. Denn dort haben sie einen gemeinsamen Feind: die Türkei. Sowohl die Kurden als auch die syrische Führung wollen verhindern, dass die Türkei ihren Einflussbereich ausdehnt.

Nach Beginn der türkischen Offensive hatten die Kurden an Assad appelliert, Truppen zu schicken, um die Grenze zu verteidigen. Zwar hat die Regierung in Damaskus das türkische Vorgehen als illegale Aggression bezeichnet und mit Gegenmaßnahmen gedroht. Einem offenen Konflikt mit der Türkei etwa durch die Entsendung von Truppen weicht sie aber aus.

EU und Türkei: Kein Durchbruch in Sicht

Ankara ist der Ansicht, dass die Türkei sämtliche Bedingungen für eine Visaliberalisierung erfüllt hat. Allerdings ist zweifelhaft, dass es bei dem Thema bald zu einem Durchbruch kommt.

Dennoch gewährt sie den Kurden indirekt Unterstützung. Sie duldet, dass die Kurden Kämpfer und Nachschub nach Afrin durch Gebiete holen können, die von Regierungstruppen kontrolliert werden. So ließen die Soldaten Hunderte Kämpfer aus dem überwiegend von Kurden bewohnten Stadtviertel Scheich Maksud in Aleppo nach Afrin passieren. Assad kann so viel gewinnen, ohne selbst etwas einzusetzen.

“Es gibt verschiedene Wege, Verstärkung nach Afrin zu bekommen, aber die wichtigste Route führt durch Gebiete der Regierungstruppen”, sagt Kino Gabriel, ein Sprecher der von den Kurden dominierten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF). Darüber gebe es zwischen beiden Seiten eine Verständigung. Ein Kommandeur der Gegenseite bestätigt dies: “Das syrische Regime hilft den Kurden mit humanitärer Unterstützung und Logistik – etwa indem es wegschaut und kurdischen Nachschub für die Front durchlässt.” In Kurden-Kreisen heißt es, man habe aber auch ein Druckmittel, denn die Regierung sei auf sie angewiesen, um Getreide und Öl aus Regionen im Nordosten des Landes zu erhalten, die unter kurdischer Kontrolle stehen.