Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie: Ein Unglück mit Folgen

Die Kommission legt Pläne vor, um die Arbeitsbedingungen von Textilarbeitern in der Dritten Welt zu verbessern. [ILO in Asia and the Pacific/Flickr]

Es ist ein Unglück, das sich schon zum vierten Mal gejährt hat: der Einsturz der acht Stockwerke hohen Textilfabrik Rana Plaza am 24. April 2013 in Bangladesch. Die traurige Bilanz: mehr als 1.130 Tote, rund 2.500 Verletzte.

Die meisten Opfer waren Textilarbeiterinnen. Die Ursache für den schwersten Fabrikunfall in der Geschichte Bangladeschs sollen Baumängel gewesen sein. Doch offenbar gibt es zumindest in der Textilindustrie des Landes deutliche Fortschritte bei der Arbeitssicherheit. Mehr als 200 internationale Auftraggeber schlossen sich zu einem Aktionsplan für Feuer- und Gebäudesicherheit zusammen. Sie wollen nur noch in Fabriken produzieren lassen, die sie vorher mit Inspektoren überprüft haben. Der Haken: Der Aktionsplan ist auf die Textilindustrie beschränkt.

Die Europäische Kommission hat heute ein Arbeitspapier vorgelegt, das die Arbeitsbedingungen weiter verbessern soll. Die Wertschöpfungsketten der Textilindustrie sollen nachhaltiger werden. Vier neue Projekte mit einem Budget von rund 45 Millionen Euro sollen Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktionsketten fördern. Die Kommission will damit insbesondere Bangladesch, Burkina Faso, Mali und Pakistan helfen. Der zuständige EU-Kommissar Neven Mimica sagte: Tragödien wie Rana Plaza haben das Scheinwerferlicht auf die Notwendigkeit gerichtet, die Bedingungen in der Textilindustrie zu verbessern.“ Europa müsse aufstehen, um für eine fairere, sicherere und grünere Textilindustrie zu sorgen. Die Kommission sieht die Niedriglöhne in den Entwicklungsländern, die schwache Stellung von Frauen und Intransparenz bei den Lieferketten als Hauptprobleme.

David gegen Goliath: Der Kampf um nachhaltige Produktion in der Textilindustrie

„Zehn Stunden am Fließband für ein Zwei-Euro-Shirt kann nicht sein“, meint der EU-Abgeordnete Arne Lietz. Im Interview spricht er über die Chancen nachhaltiger Textil-Lieferketten und den Wandel in Bangladesh seit dem Rana Plaza Unglück.

Doch die Situation von Gewerkschaften und Arbeitnehmern in Bangladesch bleibt problematisch. Erst Anfang dieses Jahres haben Arbeitgeber nach Angaben von Gewerkschaften mindestens 1.600 Arbeiter entlassen, weil diese für Mindestlöhne gestreikt hätten.

Bürger in der Europäischen Union profitieren von den niedrigen Löhnen im Armenhaus Asiens. Nur durch die günstige Herstellung können sich die Europäer so günstige T-Shirts leisten wie sie in vielen Läden – etwa der Kette Primark – angeboten werden. Der EU-Politiker Arne Lietz (SPD) sagte Euractiv.de: „Zehn Stunden am Fließband für ein Shirt, was uns letztendlich zwei Euro kostet, das kann nicht sein.“ Deutschland dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

Lietz berichtet, dass die Firmen in Bangladesch versuchen, die Arbeitsstandards zu verbessern. Ein Unternehmen, das der Europaabgeordnete besuchte, habe zu 90 Prozent die nötigen Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Dazu zählen Gebäudesicherheit, Rettungsmöglichkeiten und Schutz vor Feuer. Die Fortschritte sind für Lietz ein Hoffnungszeichen.

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