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17/01/2017

Angleichung von Technologiestandards: EU-Sachverständige loten Spielraum mit China aus

EU-Außenpolitik

Angleichung von Technologiestandards: EU-Sachverständige loten Spielraum mit China aus

Der EU-China-Gipfel im Juni in Brüssel gilt Branchenexperten als Chance für den Start einer offiziellen 5G-Partnerschaft der beiden Regionen.

[Friends of Europe/Flickr]

EXKLUSIV/Eine Delegation hochrangiger europäischer Beamter ist von Gesprächen in China zurückgekehrt. Nach EurActiv-Informationen loteten sie unter anderem einen Rahmen für die gemeinsame Arbeit im Bereich der 5G-Standards aus. EurActiv Brüssel berichtet.

Führungskräfte des Gremiums Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (BEREC) suchen Kontakt zu China – mit dem Ziel der „Annäherung der Politik für Regulierungsrahmen“, wie BEREC EurActiv mitteilte. Dazu bereiste ein Team vom 20. bis zum 25. April China.

BEREC ist das Hauptberatungsgremium der Kommission für Standards im Telekom- und Internetsektor. Zur Delegation gehörten die Vorsitzende Fátima Barros, der stellvertretende Vorsitzende Wilhelm Eschweiler, der designierte Vorsitzende Marc Furrer, sowie die stellvertretenden Vorsitzenden Kevin O’Brien, Lidia Koz?owska und Pedro Ferreira.

Die Gruppe traf chinesische Regierungsbeamte, Universitätsmitarbeiter, Vertreter der Internetgesellschaft Chinas, der chinesischen Akademie für Informations- und Kommunikationstechnologie sowie der Büros für Kommunikation, Handel und wirtschaftliche Entwicklung der Hongkonger Behörden.

Des Weiteren trafen sie auch wichtige Akteure des Privatsektors, die in Chinas IT-Bereich tätig sind – darunter Baidu, Ericsson, Huawei, DJI Dajiang Innovations Technology und PCCW.

Standardisierung des Internets der Dinge

5G und das Internet der Dinge gehörten zu den technischen Problemstellungen, die die beiden Seiten während des sechstägigen Besuchs diskutierten. Andere Themenfelder waren der elektronische Kommunikationssektor in China, Bildung, Forschung und Entwicklung, die Mobilfunkverbreitung und E-Commerce.

„Es gibt einen starke Dynamik für die Entwicklung der 5G-Technologie, die bei der Unterstützung des Wachstums des Internets der Dinge entscheidend sein wird“, wie aus einem EurActiv vorliegenden Briefing hervorgeht.

BEREC konzentriert sich auf den europäischen Markt. Dennoch hat das Gremium auch den Auftrag, sich um internationale Dialoge zu bemühen. Dabei soll es laut einer Mitteilung an EurActiv „seine regulativen Standpunkte vertreten und Erfahrungen mit internationalen Kontakten austauschen“.

„Aufgrund des immer größer werdenden Umfangs der elektronischen Kommunikation, die von und in die EU strömt sowie wegen des globalen Charakters der meisten Entwicklungen, Grundsätze, Gesetzgebungen und Regulierungen, müssen sie von einer globaleren Perspektive betrachtet werden“, so die Mitteilung.

Regionen außerhalb der EU und Nicht-EU-Behörden hätten bereits ihr Interesse am europäischen Regulierungsansatz bekundet, so die Mitteilung. „Das könnte zu einer Annäherung der Politik für Regulierungsrahmen führen, was letztendlich Wettbewerb und Investitionen fördert und das soziale Wohlbefinden verbessert.“

Die Kommission strebt eine Führungsrolle bei der Entwicklung von Mobilfunknetzen von morgen an, die die 5G-Technologie nutzen werden.

Reise kommt nach Start der öffentlich-privaten Partnerschaft für 5G

Am 3. März präsentierte der Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Günther Oettinger den Delegierten des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona die europäischen Pläne für die Entwicklung von 5G-Netzen.

„Mit dem Internet der Dinge betreten wir eine neue Ära der Konnektivität, wobei Milliarden von Geräten Daten austauschen und Intelligenz in unser Alltagsleben bringen. Von Uhren bis zu Schuhen. Von Kühlschränken bis zur Heizung. Von Krankenhäusern bis Fabriken“, erklärte Oettinger den Delegierten.

Vertreter von neun globalen Technologieunternehmen begleiteten den Kommissar. Sie meldeten sich für die 5G-öffentlich-private Partnerschaft an. Darunter waren hochrangige Vertreter von Alcatel-Lucent, Docomo, Ericsson, Huawei, Nokia und Samsung.

Diese Partnerschaft solle eine offene Grundlage für die Standardisierung legen, mit vollständiger industrieller und geografischer Zusammenarbeit, betonte Oettinger.

Letztes Jahr Korea, dieses Jahr China?

„Ich bin optimistisch, dass wir unter unserer Leitung einen ‚Krieg‘ der Standards vermeiden können, was einen klaren Kontrast zur Situation beim Start der vorherigen Generationen der Kommunikationssysteme darstellt“, sagte Oettinger unter Bezugnahme auf die Einführung der 3G und 4G-Übertragungstechniken.

Vieles deutet auf eine wachsende Zusammenarbeit zwischen EU und Asien bei der 5G-Übertragungstechnik hin. Bereits im vergangenen Jahr gab es ein Abkommen zur Zusammenarbeit mit Südkorea.

Die EU erhofft sich von der Expertise Südkoreas eine Hilfestellung, um in diesem für das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen so wichtigen Feld aufzuholen.

Südkorea hat eines der schnellsten mobilen Breitbandnetze. Samsung, der größte Smartphone-Hersteller der Welt, ist ebenfalls in dem Land beheimatet.

Oettinger signalisierte seine Absicht, ähnliche Abkommen mit Japan, China – womöglich schon in diesem Jahr- und mit den USA zu unterzeichnen.

Der EU-China-Gipfel im Juni in Brüssel gilt Branchenexperten als Chance für den Start einer offiziellen 5G-Partnerschaft der beiden Regionen.

Hintergrund

In den neunziger Jahren war Europa führend im Bereich der GSM-Technologie. Doch die USA und Asien überholten Europa bei der Entwicklung der schnelleren 4G-Übertragungstechnik.

Im Dezember 2014 kündigte die EU an, in den nächsten sieben Jahren 700 Millionen Euro (953 Millionen US-Dollar) in die 5G-Forschung investieren zu wollen. Unternehmen sollen demnach mehr als drei Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.

Die EU startete im vergangenen Frühjahr eine öffentlich-private Partnerschaft. Dafür sollen 700 Millionen Euro unter dem Horizon 2020-Progamm zur Forschung und Innovation vorgesehen sein. Die Partner aus der Industrie wollen das Fünffache dieses Betrages beisteuern.