Analyse: Trumps politische Unkorrektheit – sein größter Trumpf

Was das Agieren des neuen US-Präsidenten Donald Trump für eine breite Weltöffentlichkeit so problematisch macht, war für seine Wähler nicht maßgebend. [Gage Skidmore/Flickr]

Donald Trump wird sich noch viele Fehltritte leisten dürfen. Wen kümmert schon die Reaktion der Welt? Die Analyse eines britischen Konservativen und Meinungsforschers gibt Aufschluss.

Denn sie wussten sehr wohl was sie taten. Es sind nicht die üblichen Wähler der Republikanischen Partei, sondern seine millionenfachen Fans, die dem US-Präsidenten Donald Trump den Rücken stärken und in seinem politischen Handeln bestärken. Das wird auch zur Folge haben, dass sie Trump selbst dann noch Gefolgschaft leisten, wenn er mit seiner Politik international aneckt, national auf Widerstand stößt, ja sogar in Konflikt mit Abgeordneten seiner eigene Partei gerät. Das ist eine Schlussfolgerung einer Analyse, die der britische Konservative und Meinungsforscher Lord Ashcroft bei einer Vorstandssitzung der Internationalen Demokratischen Union (IDU) präsentierte. Dieser weltweiten Dachorganisation der Zentrumsparteien gehören nicht nur Parteien wie die CDU, CSU und ÖVP sondern auch die Republikanische Partei an.

Was Trumps "America First!" für Europa bedeutet

Donald Trump ist im Amt, sein skrupelloses Macht-Spiel dürfte die Kluft zwischen Benachteiligten und chronisch Überbelohnten weltweit weiter vergrößern. Der EU droht ein einsamer Kampf für eine faire globale Entwicklung, Demokratie und Menschenrechte.

Ashcrofts Analyse beruht auf einer Untersuchung so genannter Focus Groups in jenen Swing States, die die Wahl entschieden haben: Wisconsin, North Carolina, Virginia, Pennsylvania, Arizona, Florida und Ohio. Und sie gibt auch gleich zu Beginn Antwort auf die Frage, warum die US-Umfragen in den Swing States so falsch gelegen: Die Demoskopen haben weiße Wähler ohne College-Abschluss nicht genug berücksichtigt oder deren Entschlossenheit, zur Wahl zu gehen, schlichtweg unterschätzt.

Parallelen zu Europas Rechtspopulisten

Eine große Rolle spielte auch die weit verbreitete Fehleinschätzung, Trump-Wähler seien allesamt politische Naivlinge, die sich leicht betrügen und hinters Licht führen lassen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall, die Wähler haben die Kandidaten und deren Fehler sehr klar gesehen und sind „mit weit offenen Augen“ in die Wahlkabinen marschiert. Trumps charakterliche Schwächen waren seinen persönlichen Wählern und damit Fans nur zu bekannt. Aber seine Fehler zeigten ihnen nur, dass er eben kein herkömmlicher Politiker war und auch gar nicht versuchte, sich wie einer zu benehmen.

Stiglitz: "Deutschland muss Trump klare Kante zeigen – sonst kollabiert der Westen"

Donald Trump geht auf Kurs gegen den Freihandel und das deutsche Exportwunder. Deutschland sollte sich wehren, sagt Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz im Interview mit EURACTIVs Medienpartner „WirtschaftsWoche“ – und Trump zur Not vor internationalen Gerichten verklagen.

Das wiederum war den Wählern nur recht. Hier lassen sich sogar gewisse Rückschlüsse zum Votum für viele rechtspopulistischen Politiker und deren Parteien in Europa ziehen. Was sich ja auch bereits in deren Anbiedern an Trump zeigt.

Was das Agieren des neuen US-Präsidenten für eine breite Weltöffentlichkeit so problematisch macht, war für seine Wähler nicht maßgebend. Seine politischen Ziele wurden als eher unscharf erkannt, dafür aber waren sie sich sicher, dass er ihre Prioritäten teilt und eine neue Richtung einschlagen werde. Mehr noch, Trumps Weigerung, sich politisch korrekt zu verhalten, empfanden die Wähler als frischen Luftzug. Und somit steht er für den Wandel, den seine Wähler unbedingt wollten.

Clintons Stärken waren ihre eigentlichen Fehler

Die Stärken von Hillary Clinton waren in den Augen der Trump-Wähler regelrechte Schwächen, ja sogar Fehler: Sie hatte politische Erfahrung, eben „weil sie die ultimative Washington-Insiderin war, die Verkörperung des politischen Establishments, das so viele Leute loswerden wollten“, so Ashcroft. Wenn Clinton wohlvorbereitet sprach, erschien sie den Trump-Wählern als programmiert und unaufrichtig. Sie entsprach damit nur dem Bild einer „typischen Politikerin“.

Ausschlaggebend war letzten Endes der weit verbreitete Wunsch nach einem politischen Wandel. Und das ohne Rücksicht auf Verluste des Ansehens, der Glaubwürdigkeit, der Verlässlichkeit draußen in der Welt.

Die Aussage eines Wählers bringt es auf den Punkt: „Lasst es uns einfach riskieren. Wir werden viel Mist hinnehmen müssen, aber vielleicht kriegen wir ja mit Trump ein paar Dinge geregelt“. Damit aber stellt sich die Frage, wie geht es nun nach der Wahl weiter mit Amerika. Und auch darauf will Ashcroft mit seiner Analyse eine Antwort liefern.

Seehofer gegen Trumps Einreiseverbot für Muslime

Das Einreiseverbot für Muslime des neuen US-Präsidenten Donald Trump geht selbst CSU-Chef Horst Seehofer zu weit.

Die Basis der republikanischen Wähler gliedert sich in drei Gruppen: erstens in einen republikanischen Mainstream aus orthodoxen Mitterechts-Konservativen, zweitens in sehr konservative Wähler, die auch als „Fox-News-Aktivisten“ bezeichnet werden sowie drittens in eine weniger gebildete und wirtschaftlich schwache Bevölkerungsschicht, die sich bislang eher nicht politisch engagiert hatte.

Skandale werden Trump nicht nachgetragen

Was diese drei Segmente verbindet, ist unter anderem der Zorn auf Washingtons bisherige Politik. Wäre es nur nach der Partei gegangen, hätte Clinton das Rennen gemacht. So aber erzielte Trump mehr Wählerwirkung als die Republikanische Partei. Das wiederum verleiht Trump jene Kraft, die ihn unberechenbar macht. Es sind seine persönlichen Wähler und Fans mit denen er punkten kann, wenn es einmal darauf ankommt.

Die republikanischen Unterhausabgeordneten und Senatoren sind im Zweifelsfall nur Teil des abgestraften politischen Establishments. Daher so Ashcroft: Wenn es zu einem Thema zum Konflikt zwischen dem Präsidenten und den Republikanern im Kongress kommt, dann werden sich die republikanischen Wähler auf Trumps Seite schlagen. Daher werden auch irgendwelche Skandale Präsident Trump nicht so schnell etwas anhaben und seine Wähler gegen ihn aufbringen können: „Er ist ihr Mann, und solange sie glauben, dass er auf ihrer Seite ist, werden sie zu ihm halten.“

 

Der Machtwechsel in den USA: "Das ist nicht meine Vorstellung von Amerika"

Die für heute geplante Vereidigung von Donald Trump als 45. US-Präsident stößt weltweit auf großes Echo. Viele Politiker haben ihre Haltung bereits deutlich gemacht, in New York demonstrierten Tausende gegen das neue Staatsoberhaupt. Verfolgen Sie hier den Tag der Amtseinführung.

May empfielt Trump Abstand zu Russland

Die britische Premierministerin Theresa warnt die Vereinigten Staaten am Vorabend ihres Treffens mit US-Präsident Donald Trump vor einer zu großen Nähe zu Russland.

 

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.