Afrika gehört zu den weltweit am schnellsten wachsenden Regionen. Der Fortschritt wird jedoch durch eine immer breitere Kluft bei den Einkommen behindert, warnen Entwicklungsexperten.
Dem „African Economic Outlook 2013“ zufolge wird die afrikanische Wirtschaft 2013 um 4,8 Prozent wachsen. Dies geht aus dem 357-seitigen Bericht hervor, der kürzlich in Brüssel vorgestellt wurde. Zu den Autoren gehört die UNO sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Nach den Aufständen in Nordafrika und dem Abebben der Auswirkungen der Schuldenkrise in der EU, sagen die Autoren eine weitere Beschleunigung des Wachstums auf 5,3 Prozent im Jahr 2014 voraus.
Der Bericht weist jedoch auf Gründe für ein weiterhin ungleiches Wachstum des Kontinents hin: andauernde Konflikte, Fragmentierung von Handel, politische Instabilität und die Abhängigkeit einiger Länder von Übersee-Entwicklungshilfe.
Die Autoren erklären in einem Statement: „Der Bericht zeigt, dass dieses Wachstum begleitet wird von einer unzureichenden Armutsbekämpfung, anhaltender Arbeitslosigkeit und von sich verschlechternder Gesundheit und Bildung in einigen Ländern.“
„Afrika verändert sich schnell“, sagte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs bei der Vorstellung des Berichts. „Ein Viertel der Länder der Region ist um sieben Prozent oder mehr gewachsen. Obwohl der Anteil der Armen langsam sinkt – von 57 Prozent im Jahr 1990 auf voraussichtlich 42 Prozent in 2015 – bleibt die absolute Armut eine Herausforderung. Afrika wird die einzige Region sein, die das Ziel der Halbierung der Armut bis 2015 nicht erreicht.“
„Die Menschen sehen nicht, wie sich Wachstum auf ihr Einkommen auswirkt“, so Piebalgs. „Künftige Wachstumsstrategien müssen sich darauf konzentrieren, Wachstum umfassender zu machen.“
Entwicklungsexperten glauben, dass viele afrikanische Länder ein immenses Entwicklungspotenzial haben – aufgrund ihrer großen Reserven an Öl, Gas und anderen Mineralien und Rohstoffen. In den letzten Jahren haben Angola, Nigeria und Ghana damit begonnen, riesige bisher unerschlossene Erdöl-Lagerstätten auszubeuten.
Aber der Anteil der Einnahmen daraus, der in die Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und andere Entwicklungsprojekte fließt, hängt stark vom einzelnen Land ab. Piebalgs forderte gute Regierungsführung und Politik auf dem ganzen Kontinent, damit alle die Früchte ihrer Ressourcen ernten können.
Die jüngsten Überarbeitungen der EU-Bilanz- und Transparenzrichtlinien würden dazu beitragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu verbessern, so Piebalgs. „Afrikas starke Wirtschaftsleistung muss sich in Chancen für alle wandeln. Daher ist die verantwortliche Erschließung von natürlichen Ressourcen eine Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung.“
EURACTIV.com
Links
EURACTIV Brüssel: Africa’s economic outlook brightens amid continued inequalities (26. Juni 2013)
Friends of Europe: Africa’s economic transformation: The role of natural resources (25. Juni 2013)

