Afrika braucht mehr Unterstützung in der Bildungspolitik

Im Südsudan ist es für Mädchen besonders schwierig, zur Schule zu gehen und Bildung zu erhalten. Mit einem Bildungsprojekt bietet die NGO Oxfam in Bahr el Ghazal zumindest einigen Mädchen diese Chance. [Laura Pannack/Flickr]

Nach Jahren der Vernachlässigung wird Bildung in der internationalen Entwicklungspolitik wieder wichtiger. Die Konferenz des Global Partnership for Education am 1. und 2. Februar soll eine wegweisende Veranstaltung in diesem Bereich werdenEURACTIV.fr berichtet.

Beim Zugang zu Bildung konnte Afrika im vergangenen Jahrzehnt wichtige Erfolge verbuchen. Dennoch sieht der Kontinent sich weiterhin großen Herausforderungen gegenüber, insbesondere in Bezug auf die Qualität der Bildungsangebote, Zugang zu Hochschulbildung und Untericht für Mädchen.

„Ebenso wie die anderen afrikanischen Staaten haben wir uns zunächst auf den allgemeinen Zugang zu Grundschulbildung konzentriert. Es war ein Rennen gegen die Zeit, was oftmals auch dazu geführt hat, dass die Qualität der Bildungsangebote gelitten hat,“ erklärte der senegalesische Bildungsminister Serigne Mbaye Thiam, bei einer Veranstaltung der französischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Agence Française de Développement, AFD) am 19. Januar in Paris.

Allgemeiner Zugang zu Primärschulbildung ist eines der acht Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) der Vereinten Nationen. Auf dem afrikanischen Kontinent haben inzwischen 80 Prozent der Menschen solchen Zugang – im Vergleich zu 64 Prozent im Jahr 2000.

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Diese positive Entwicklung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Regierungen Afrikas ihre Budgets für Bildung aufgestockt haben. Heute gehen 17 Prozent des BIP der Subsahara-Staaten in Bildung; im Norden sind es 12 Prozent.

Zu Beginn der 2000er Jahre gab es von den internationalen Geldgebern sehr viel Unterstützung für Bildungsinitiativen in Entwicklungsländern. Seit 2010 scheint dieses Engagement jedoch abzuflauen: Zwischen 2010 und 2015 fielen die Unterstützungszahlungen für Bildung um 30 Prozent. Heute macht Bildung nur noch sieben Prozent aller Zahlungen der Geberländer aus.

AFD-Chef Rémy Rioux gibt sich aber zuversichtlich: „Bildung kommt jetzt wieder an die vorderste Front der nationalen und internationalen Entwicklungspolitik.“ Seiner Ansicht nach sei die Bildungsunterstützung „nach einer langen Rückgangsphase (und Frankreich ist dabei keine Ausnahme) nun endlich wieder eine Hauptpriorität.“

Eine globale Partnerschaft für Bildung

Bei der Konferenz des Global Partnership for Education (GPE) am 1. und 2. Februar in Dakar soll daher neues Engagement für die finanzielle Unterstützung der Bildung in Entwicklungsländern angestoßen werden.

„Diese Konferenz in Dakar wird ein Wendepunkt,” glaubt Alice Patricia Albright, CEO des Global Partnership for Education. Sie erinnert daran, dass immer noch 264 Millionen Kinder keinen Zugang zu Schulbildung haben. Daher bleibe Bildung „die weltweite Priorität Nummer eins.”

Die von Frankreich und dem Senegal gemeinsam ausgerichtete Konferenz hat das Ziel, Zusagen über 3,1 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2018-2020 zu sichern. Mit diesem Betrag könnte die Bildung von 870 Millionen Kindern in Entwicklungsländern gesichert werden.

Die politische Mobilisierung scheint gut zu laufen. So erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron während seines Besuchs in Niger im Dezember 2017: „Ich möchte besonders Frankreichs Engagement im Bereich Bildung hervorheben.“

Macky Sall, der Präsident des Senegal, lobte insbesondere die Rolle der Organisation GPE: „Das Global Partnership for Education hat wesentlich in Bildung investiert und somit dazu beigetragen, dass seit 2002 72 Millionen Kinder mehr zur Grundschule gehen konnten, darunter Kinder im Senegal.“

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Demografische Herausforderungen

Dieser erneute Fokus auf Bildung ist dringend notwendig, denn die anstehenden Herausforderungen sind riesig: Mit dem größten Bevölkerungswachstum aller Kontinente wird im Jahr 2050 ein Drittel der Jugend dieser Welt aus Subsahara-Afrika stammen.

Dieses schnelle Wachstum wird zu noch mehr Druck auf die Bildungssysteme führen und den Bedarf an qualifizierten Lehrkräften dramatisch erhöhen. „Wenn wir uns die Schätzungen für 2030 ansehen, brauchen wir bereits dann 20 bis 30 Millionen zusätzliche Lehrer, um die internationalen Bildungsziele zu erreichen. Und der derzeitige Ausbildungsstand ist unzureichend,“ erklärt Valérie Tehio, verantwortlich für den Bereich Bildung, Ausbildung und Arbeit bei der AFD. Die Angebote in Afrika seien noch nicht ausreichend, um genügend Lehrkräfte auszubilden, insbesondere für weiterführende Schulen.

Der Lehrermangel in Afrika wird von weiteren Problemen wie der Qualität der Bildungsangebote und Lehrinhalte, dem Zugang zu weiterführenden Schulen und Hochschulen, der Verbindung von Bildung und Beschäftigungsperspektiven sowie der Bildung für Mädchen und Frauen begleitet.

So zeigt der Bericht The Toughest Places for a Girl to Get an Education der NGO One, dass neun der zehn Länder, in denen es für Mädchen am schwierigsten ist, Bildung zu erhalten, in Afrika liegen (Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Niger, Tschad, Mali, Guinea, Liberia, Burkina Faso und Äthiopien).

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